CRP-Schnelltest

Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe, nach wenigen Minuten steht ein Wert. Was der CRP-Schnelltest misst, wie er bei Husten und Erkältung hilft, über ein Antibiotikum zu entscheiden, wie sicher das ist und wer die Kosten trägt.

STECKBRIEF

  • Was: Messung des C-reaktiven Proteins (CRP), eines Eiweißes, das bei Entzündungen im Blut ansteigt, direkt in der Praxis statt im Labor
  • Ablauf: Stich in die Fingerkuppe, ein Tropfen Blut genügt, das Ergebnis liegt je nach Gerät nach etwa drei bis vier Minuten vor
  • Wer misst: Arztpraxen und Kliniken; das Praxispersonal muss qualifiziert sein, die Messung unterliegt der Qualitätssicherung der Bundesärztekammer
  • Kasse: Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn der Test medizinisch notwendig ist; als Wunschleistung ohne Anlass Selbstzahlerleistung
  • Studienlage: Als Zusatz zur ärztlichen Untersuchung senkt der Test bei Atemwegsinfekten in Hausarztpraxen die Zahl der Antibiotika-Verordnungen. Ob er seltene schwere Verläufe ganz sicher nicht übersieht, ist nicht abschließend geklärt.

Der Husten hält seit fünf Tagen an, nachts kommt Fieber dazu, und in der Hausarztpraxis steht die Frage im Raum: Braucht es ein Antibiotikum oder nicht? Manchmal folgt dann ein kurzer Stich in den Finger. Wenige Minuten später liegt eine Zahl auf dem Tisch, und sie soll bei der Entscheidung helfen.

Die kurze Antwort: Der CRP-Schnelltest weist weder Bakterien noch Viren nach. Er misst, wie stark der Körper gerade auf eine Entzündung reagiert [1]. Zusammen mit der Untersuchung hilft der Wert, unnötige Antibiotika zu vermeiden. In Studien bekamen von 1.000 Menschen mit Atemwegsinfekt rund 120 weniger ein Rezept, ohne dass es ihnen schlechter ging [2]. Eine Entwarnung für jeden Einzelfall ist ein niedriger Wert aber nicht. Auch bei einer Lungenentzündung kann er niedrig sein [3].

Was der Test bringt und was nicht

Die Zahlen gelten für 1.000 Kinder und Erwachsene, die mit einem akuten Atemwegsinfekt in eine Hausarztpraxis kommen und dort zusätzlich zur Untersuchung einen CRP-Schnelltest erhalten. Betrachtet werden die folgenden vier Wochen. Die ersten beiden Zeilen zeigen, wie viele Antibiotika der Test einspart, die übrigen, wie es den Menschen danach geht:

  • Antibiotikum beim ersten Besuch: Von den 1.000 bekommen ohne Test etwa 516 ein Antibiotikum, mit Test etwa 397. Das sind rund 119 weniger [2]
  • Antibiotikum innerhalb von vier Wochen: ohne Test etwa 664, mit Test etwa 538. Das sind rund 126 weniger [2]
  • Nach einer Woche deutlich besser: ohne Test etwa 567, mit Test etwa 584, kein messbarer Unterschied [2]
  • Erneut in die Praxis gekommen: kein klarer Unterschied [2]
  • Krankenhausaufnahme: ohne Test etwa 14, mit Test etwa 15. Ein Unterschied ist nicht belegt, ein kleiner Anstieg aber auch nicht ausgeschlossen [2]
  • Todesfälle: etwa 1 ohne und weniger als 1 mit Test. Insgesamt starben in allen Studien nur fünf Menschen, zu wenige für eine sichere Aussage [2]

Ein niedriger CRP-Wert heißt nicht: keine Lungenentzündung. Das zeigt eine zweite Rechnung. Sie gilt für 1.000 Erwachsene mit akutem Husten in der Hausarztpraxis. Etwa 50 von ihnen haben eine Lungenentzündung, die im Röntgenbild sichtbar ist, die übrigen 950 nicht. Als Grenze gilt ein Wert von 20 Milligramm pro Liter (mg/L). Zuerst die 50 Menschen mit Lungenentzündung, dann die 950 ohne:

  • Lungenentzündung, Wert über 20 (erkannt): etwa 30 von 50 [3]
  • Lungenentzündung, Wert unter 20 (übersehen, wenn man sich nur auf den Wert verlässt): etwa 20 von 50 [3]
  • Keine Lungenentzündung, Wert trotzdem über 20: etwa 227 von 950 [3]
  • Keine Lungenentzündung, Wert unter 20: etwa 723 von 950 [3]

Die Zahlen sind Schätzungen für große Gruppen, keine Vorhersage für die einzelne Person. Die erste Rechnung stammt aus einer Cochrane-Übersicht, die zwölf Studien mit rund 10.000 Teilnehmenden aus Hausarztpraxen in Europa sowie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zusammenfasst, darunter gut 2.300 Kinder [2]. In den Vergleichsgruppen bekam etwa jede zweite Person ein Antibiotikum. Wo Praxen ohnehin zurückhaltender verordnen, dürfte der Test weniger einsparen. Die zweite Rechnung beruht auf einer europäischen Praxisstudie mit Labormessung aus der Vene; sie lässt sich nicht auf Kinder oder andere Ausgangsrisiken übertragen [3].

Beide Rechnungen beantworten unterschiedliche Fragen. Die erste zeigt, was passiert, wenn Ärztinnen und Ärzte den Test als Entscheidungshilfe nutzen: weniger Rezepte, gleich schnelle Besserung. Die zweite zeigt, warum der Wert allein nie entscheidet. Bei einer Grenze von 20 mg/L wären rund 4 von 10 Lungenentzündungen unauffällig. Umgekehrt haben viele Menschen mit erhöhtem Wert gar keine Lungenentzündung.

Was der Test misst

C-reaktives Protein bildet die Leber, angestoßen von Botenstoffen des Immunsystems [1]. Der Wert steigt bei Infektionen, aber ebenso nach Verletzungen, bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oder bei Tumoren [1]. Ein hoher Wert sagt deshalb nicht, welcher Erreger beteiligt ist und wo die Entzündung sitzt.

Auch die Zeit spielt mit. Nach einem Entzündungsreiz liegt CRP etwa nach sechs Stunden über 5 mg/L und erreicht nach rund zwei Tagen seinen Höchststand [1]. Wer sehr früh im Verlauf gemessen wird, kann also einen niedrigen Wert haben, obwohl sich gerade etwas Ernstes entwickelt. Bei schwerem Leberversagen bildet der Körper weniger CRP [1].

Schnelltest und Labor messen dasselbe Eiweiß, liefern aber nicht immer dieselbe Zahl. In einer Prüfung von 17 Schnelltests wichen manche Geräte im Mittel um bis zu ein Drittel nach oben oder unten vom Laborwert ab [4]. Zwei Werte aus verschiedenen Geräten lassen sich deshalb nur bedingt vergleichen.

Ein Messwert ist noch keine Diagnose

Ein Laborwert zeigt eine Reaktion des Körpers, keine Ursache. Ob ein erhöhter CRP-Wert von einer Bronchitis, einer Lungenentzündung oder einer ganz anderen Entzündung kommt, klärt erst der Blick auf das Ganze: Beschwerden, Untersuchungsbefund, Verlauf. Deshalb prüfen gute Studien nicht nur, wie genau ein Test misst, sondern ob Menschen mit ihm besser behandelt werden.

Bewegung auf Rezept: Die Kraft der körperlichen Aktivität

Lange Zeit wurde Sport als unterstützende Maßnahme belächelt, doch heute ist seine therapeutische Wirkung bei Depressionen unumstritten. Eine umfassende Meta-Analyse, die 2024 im renommierten British Medical Journal veröffentlicht wurde, kommt zu einem klaren Ergebnis: Bewegung ist eine hochwirksame Behandlung bei Depressionen [4].


Die Studie, die Daten von über 14.000 Patienten auswertete, zeigte, dass bestimmte Bewegungsformen besonders effektiv sind. An der Spitze stehen Gehen oder Joggen, dicht gefolgt von Yoga und Krafttraining. Die Analyse ergab, dass die Wirkung von der Intensität abhängt: intensiveres Training führte zu besseren Ergebnissen. Besonders bemerkenswert ist, dass Bewegung bei Menschen mit und ohne Begleiterkrankungen sowie bei unterschiedlichen Schweregraden der Depression gleichermaßen wirksam war. Die Autoren der Studie empfehlen daher, diese Bewegungsformen gleichberechtigt neben Psychotherapie und Antidepressiva als Kernbehandlung für Depressionen zu betrachten. Die deutsche Behandlungsleitlinie schließt sich dieser Empfehlung an und hebt Sport und Bewegung als wichtigen Therapiebaustein hervor [3].

Wie der Wert bei der Entscheidung hilft

Am klarsten beschreibt das die britische Leitlinienbehörde NICE. Für Menschen ab 16 Jahren mit Infekt der unteren Atemwege gilt: Ist nach der Untersuchung unklar, ob ein Antibiotikum nötig ist, kann ein CRP-Schnelltest die Entscheidung stützen [5]. Daran knüpft NICE drei Spannen:

  • unter 20 mg/L: in der Regel kein Antibiotikum
  • 20 bis 100 mg/L: ein Bedarfsrezept erwägen, also ein Rezept, das erst eingelöst wird, wenn es nach einigen Tagen nicht besser wird
  • über 100 mg/L: sofort ein Antibiotikum

Diese Grenzen sind keine Einteilung in „Virus“ und „Bakterium“ [5]. Auch über 100 mg/L weist die Zahl keine Bakterien nach; der Rat zum sofortigen Antibiotikum ist keine Erregerdiagnose [5]. Die Grenzen gelten nur in dieser Situation und nur nach der Untersuchung. Für Deutschland gibt es derzeit keine gültige hausärztliche Leitlinie mit eigenen CRP-Grenzwerten. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) zu akutem und chronischem Husten war bis Dezember 2025 gültig und wird bis Ende 2026 überarbeitet [6]. Die alte Fassung hielt fest, dass CRP allein nicht reicht, um eine Lungenentzündung von einer akuten Bronchitis zu unterscheiden [6]. Das widerspricht NICE nicht. Beide lehnen eine Diagnose allein aus der Zahl ab.

So sind die Stufen gemeint: Sie zeigen, wie gut belegt ist, dass der Test bei der jeweiligen Erkrankung Antibiotika einspart, ohne zu schaden. „Solide“: mehrere gute Studien mit klarem Ergebnis. „Mittel“: Studien zeigen einen Nutzen, aber nicht eindeutig oder nur zusammen mit anderen Diagnosen. „Schwach“: Gute Studien für diesen Bereich fehlen.

Akuter Husten und Infekte der unteren Atemwege bei Erwachsenen (Evidenz: Solide). Hier liegen die meisten Studien. Antibiotika wurden deutlich seltener verordnet, die Besserung kam genauso schnell [2]. Akute Bronchitis ist in diesen Studien enthalten, aber nicht getrennt ausgewertet.

Atemwegsinfekte bei Kindern (Evidenz: Mittel). Über alle Kinderstudien sanken die Verordnungen ebenfalls [2]. Die meisten Studien stammen aber aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. In einer niederländischen Hausarztstudie mit 301 Kindern ohne schweren Verlauf war die Einsparung nicht sicher nachweisbar [7].

Nasennebenhöhlenentzündung bei Erwachsenen (Evidenz: Mittel). Eine niederländische Studie prüfte Nebenhöhlen- und Bronchialinfekte zusammen. Mit Test erhielten 43 statt 57 von 100 Erwachsenen sofort ein Antibiotikum [8]. Für die Nebenhöhlen allein war die Studie zu klein.

Verdacht auf Lungenentzündung (Evidenz: Schwach). Ob man sich hier auf den Test stützen kann, wurde in keiner Studie gezielt geprüft [2]. Bei Kindern waren gerade diese Fälle sogar ausgeschlossen [7].

Halsschmerzen, Mittelohrentzündung, Nebenhöhlen bei Kindern (Evidenz: Schwach). Diese Infekte kamen in Studien vor, wurden aber nicht eigens ausgewertet [2].

Die unbequeme Frage: Werden Infektionen übersehen?

Weniger Antibiotika sind nur ein Gewinn, wenn niemand Schaden nimmt. Die Studien sprechen dafür, beweisen es aber nicht. Krankenhausaufnahmen waren mit und ohne Test etwa gleich häufig. Die Cochrane-Autoren schreiben jedoch ausdrücklich, dass ein höheres Risiko in der Testgruppe nicht ausgeschlossen werden kann [2]. Todesfälle waren so selten, dass sich daraus nichts ableiten lässt. Eine eigene Prüfung, ob der Test bei schweren Verläufen gleich sicher ist, gab es nicht [2].

Wie viele behandlungsbedürftige Infektionen nach einem niedrigen Wert tatsächlich übersehen werden, lässt sich aus den Studien nicht berechnen. In der europäischen Praxisstudie lagen 54 von 140 Lungenentzündungen unter 20 mg/L [3]. Ob all diese Menschen ein Antibiotikum gebraucht hätten, wurde nicht untersucht.

Deshalb gehört zum Test immer eine klare Absprache, wann man wiederkommt. NICE nennt dafür eine rasche oder deutliche Verschlechterung, ausbleibende Besserung und ein starkes Krankheitsgefühl [5]. Bei Atemnot oder neuer Verwirrtheit ist eine persönliche Untersuchung nötig [5]. Für einige Gruppen gibt es zu wenig Daten: kleine Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Hochbetagte mit mehreren Erkrankungen [2]. Wer unter einer Krebstherapie Fieber bekommt, ist ein Notfall; dort entscheidet kein CRP-Wert, sondern es wird sofort behandelt [9].

Praxisbox

Rund um den Test fragen

  • Was würde der Wert ändern? Sinnvoll ist der Test vor allem, wenn nach der Untersuchung offen ist, ob ein Antibiotikum nötig ist.
  • Was gilt bei einem Bedarfsrezept? Klären, nach wie vielen Tagen und bei welchen Beschwerden es eingelöst werden soll.
  • Wann komme ich wieder? Bei Atemnot, hohem Fieber, das nicht sinkt, Verwirrtheit oder wenn es nach einigen Tagen nicht besser wird, erneut in die Praxis oder den Notdienst [5].

Infekt-CRP ist kein Herz-Check

CRP taucht noch in einem ganz anderen Zusammenhang auf. Das hochsensitive CRP, kurz hsCRP, ist kein anderes Eiweiß. Es ist ein Labortest, der sehr niedrige Mengen genau misst [10]. Er wird zur Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos genutzt, in einem Bereich zwischen etwa 1 und 3 mg/L [11]. Bei einem Infekt liegen die Werte um ein Vielfaches höher. Ein hsCRP-Wert über 10 mg/L spricht für eine andere Ursache, etwa eine Entzündung, und taugt nicht zur Herzrisiko-Einschätzung [11].

Ob hsCRP bei Menschen ohne Beschwerden überhaupt gemessen werden sollte, ist umstritten. Die US-Präventionskommission hält die Belege für unzureichend [12]. Das American College of Cardiology befürwortet dagegen, hsCRP breit zu messen [13]. Die neue US-Leitlinie zu Blutfetten wertet einen erhöhten hsCRP-Wert nur als Zusatzhinweis, falls er gemessen wurde [14]. Der Schnelltest beim Infekt ist keine Vorsorgeuntersuchung und sagt nichts über das Herz.

Wer die Kosten trägt

Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt Untersuchungen, die nötig sind, um eine Krankheit zu erkennen oder zu behandeln [15]. Das gilt auch für den CRP-Test beim akuten Infekt, für Kinder wie für Erwachsene. Für Versicherte entstehen keine Kosten. Die Praxis rechnet über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ab, die Gebührenordnung der Kassenärzte [16]. Die Vergütung ist niedrig: Die Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns nennt 1,12 Euro für den einfachen Nachweis und 3,36 Euro für die genaue Mengenbestimmung [17]. Welche Position passt, hängt von der Messmethode ab.

Selbst zahlen müssen gesetzlich Versicherte nur, wenn sie den Test ausdrücklich ohne medizinischen Anlass wünschen, als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Die Praxis braucht dafür vorher eine schriftliche Zustimmung und einen schriftlichen Vertrag [18]. Berechnet wird dann nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) unter der Nummer 3741 [19]. Für die Messung allein ergeben sich rechnerisch etwa 11,66 bis 15,16 Euro, denn bei Laborleistungen erlaubt die GOÄ das Einfache bis 1,3-Fache des Satzes [19]. Beratung und Untersuchung kommen gegebenenfalls hinzu. Einen festen IGeL-Preis gibt es nicht.

So läuft der Test ab

Zuerst kommt die Untersuchung: Abhören, Fieber messen, Fragen zum Verlauf. Erst wenn danach Zweifel bleiben, wird gemessen [5]. Die Fingerkuppe wird gereinigt und mit einer kleinen Lanzette angestochen. Ein Tropfen Blut genügt. Je nach Gerät [21] steht das Ergebnis nach drei bis vier Minuten fest [20]. Nüchtern muss man nicht sein; eine besondere Vorbereitung ist nicht bekannt.

Den Finger beim Blutabnehmen nicht zu fest zu drücken, verbessert die Probe, weil sonst Gewebeflüssigkeit das Blut verdünnt [22]. Kinder empfinden den Stich meist als kurz und leicht, so beschreiben es Eltern und Praxisteams in einer britischen Studie [23]. Praxen müssen jedes Gerät nach Herstellervorgabe kontrollieren und das dokumentieren [24].

Andere Verfahren

Streptokokken-Schnelltest: Er beantwortet bei Halsschmerzen eine andere Frage, nämlich ob bestimmte Bakterien im Rachen sind. Bei Kindern erkennt er knapp 86 von 100 Fällen [25].

Procalcitonin: Ein weiterer Blutwert, der auf Entzündungen hinweist (Entzündungsmarker), vor allem in Kliniken genutzt. Dass er in der Hausarztpraxis besser hilft als CRP, ist nicht belegt [10].

Blutsenkung und Blutbild: Die Blutsenkung reagiert langsamer als CRP [10], das Blutbild zählt Blutzellen und beantwortet damit eine andere Frage [26].

Röntgenbild der Lunge: Es zeigt eine Lungenentzündung direkt. Die Strahlung einer Aufnahme ist gering, laut Bundesamt für Strahlenschutz typischerweise 0,04 Millisievert [27].

Aus Komplementär- und Energiemedizin gibt es kein Verfahren, für das belegt wäre, dass es Antibiotika-Entscheidungen sicherer macht oder versteckte Entzündungen zuverlässig anzeigt.

Sicherheitsbox

  • Niedriger Wert ist keine Entwarnung: Ein Teil der Lungenentzündungen hat anfangs niedrige Werte [3], besonders in den ersten Stunden einer Erkrankung [1].
  • Warnzeichen gehen vor: Atemnot, neue Verwirrtheit, starkes Krankheitsgefühl oder rasche Verschlechterung brauchen eine ärztliche Untersuchung, unabhängig vom CRP-Wert [5].
  • Fieber unter Krebstherapie: ein Notfall, der sofort behandelt wird; ein CRP-Wert entscheidet darüber nicht [9].
  • Hoher Wert ist kein Erregernachweis: Auch über 100 mg/L stellt die Zahl allein keine Diagnose [5].
  • Fingerstich: Selten sind Bluterguss oder Entzündung an der Einstichstelle; Lanzetten werden nur einmal verwendet [22].
  • Heimtests: Für CRP-Tests zur Selbstanwendung bei akuten Infekten fehlen Studien, die ihre Sicherheit belegen.

Winterinfekte und Antibiotika

Vom 18. bis 24. November läuft die Weltwoche gegen antimikrobielle Resistenzen der Weltgesundheitsorganisation [28]. Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 sieht in patientennahen Tests eine Möglichkeit, im ambulanten Bereich eine gezielte Antibiotikatherapie zu unterstützen [29]. Gegen Resistenzen selbst misst der CRP-Test nichts. Sein Beitrag ist kleiner und konkreter: weniger Rezepte bei Infekten, die ohnehin von allein heilen. Wann Antibiotika wirklich helfen, beschreibt der Leitartikel „Antibiotika: Wann sie helfen, wann sie schaden“.

Woran geforscht wird

In Südafrika wird untersucht, ob wiederholte CRP-Messungen bei Kleinkindern mit Atemwegsinfekt in der Klinik Antibiotika sparen [30]. In Kanada prüft eine Studie, ob CRP bei Kindern mit leichter Lungenentzündung in der Notaufnahme hilft [31]. Eine deutsche Studie kombiniert CRP mit weiteren Markern und Erregernachweis bei Verdacht auf Blutvergiftung [32]. Offen bleibt, ob der Test bei Verdacht auf Lungenentzündung und bei Menschen mit hohem Risiko genauso sicher ist wie bei gewöhnlichen Atemwegsinfekten.

Häufige Fragen zu CRP-Schnelltest

Was misst ein CRP-Schnelltest?
Er misst die Menge des C-reaktiven Proteins im Blut, eines Eiweißes, das die Leber bei Entzündungen bildet. Bakterien oder Viren weist er nicht nach. Der Wert wird immer zusammen mit Beschwerden und Untersuchung beurteilt.

Spart der Test wirklich Antibiotika?
In Studien aus Hausarztpraxen bekamen von 1.000 Menschen mit Atemwegsinfekt rund 120 weniger ein Antibiotikum, und sie wurden genauso schnell gesund. Wie viel sich in einer Praxis einsparen lässt, hängt davon ab, wie oft dort ohnehin verordnet wird.

Schließt ein niedriger Wert eine Lungenentzündung aus?
Nein. In einer europäischen Studie lag mehr als ein Drittel der Lungenentzündungen unter 20 mg/L. Ein niedriger Wert spricht gegen ein routinemäßiges Antibiotikum, ersetzt aber weder die Untersuchung noch die Rückkehr bei Verschlechterung.

Bedeutet ein Wert über 100 mg/L eine bakterielle Infektion?
Nicht automatisch. Ein hoher Wert zeigt eine starke Entzündung. Bei unklaren Infekten der unteren Atemwege empfiehlt die britische Leitlinie dann ein sofortiges Antibiotikum, eine Erregerdiagnose ist das aber nicht.

Mein Wert liegt bei 45 mg/L, und ich fühle mich sehr krank. Was gilt?
Zwischen 20 und 100 mg/L rät die britische Leitlinie, ein Bedarfsrezept zu erwägen. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt die Zahl aber immer zusammen mit Beschwerden, Befund und Verlauf. Warnzeichen wie starkes Krankheitsgefühl, Atemnot oder rasche Verschlechterung gehen dem Wert immer vor.

Tut der Test weh, und muss ich nüchtern sein?
Der Stich in die Fingerkuppe ist kurz; Eltern und Praxisteams beschreiben ihn bei Kindern als leicht und schnell vorbei. Nüchtern muss man nicht sein. Das Ergebnis liegt nach wenigen Minuten vor.

Zahlt die Krankenkasse den Test?
Ja, wenn er bei einem akuten Infekt medizinisch nötig ist. Nur wer ihn ohne Anlass ausdrücklich wünscht, zahlt selbst; die Praxis braucht dafür vorher eine schriftliche Vereinbarung. Für die Messung allein sieht die Gebührenordnung etwa 12 bis 15 Euro vor.

Ist der CRP-Schnelltest dasselbe wie ein Herz-Check?
Nein. Für das Herz-Kreislauf-Risiko wird das hochsensitive CRP im sehr niedrigen Bereich gemessen, und ob das bei Gesunden nützt, ist umstritten. Der Schnelltest beim Infekt ist dafür nicht gedacht.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

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  2. Smedemark SA, Aabenhus R, Llor C, Fournaise A, Olsen O, Jørgensen KJ. Biomarkers as point-of-care tests to guide prescription of antibiotics in people with acute respiratory infections in primary care. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2022;10:CD010130. https://doi.org/10.1002/14651858.CD010130.pub3
  3. van Vugt SF, Broekhuizen BDL, Lammens C, et al. Use of serum C reactive protein and procalcitonin concentrations in addition to symptoms and signs to predict pneumonia in patients presenting to primary care with acute cough: diagnostic study. BMJ. 2013;346:f2450. https://www.bmj.com/content/346/bmj.f2450
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