Weißdorn

Weißdorn gilt als die Heilpflanze fürs Herz. Was Blätter und Blüten nach Studienlage leisten, warum Herzschwäche nicht in Eigenregie behandelt wird und was neben Herzmedikamenten zu beachten ist.

STECKBRIEF

  • Was: getrocknete Zweigspitzen mit Blättern und Blüten, vor allem von Crataegus monogyna und C. laevigata; die EU-Bewertung gilt nur für Blätter mit Blüten [1], nicht für die Früchte
  • Inhaltsstoffe: Flavonoide sowie oligomere und polymere Procyanidine (OPC) [2]
  • Übliche Anwendung: Tee, Pulver, Trocken- oder Flüssigextrakt zum Einnehmen; die Menge hängt von der Zubereitung ab und steht in der EU-Monografie bzw. Packungsbeilage
  • Grenze: ärztlicher Rat, wenn Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten [3]; bei Herzbeschwerden nicht unter 18 Jahren
  • Rechtsstatus: in der EU als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bewertet; in Deutschland daneben einzelne zugelassene Extrakte sowie Tees und Nahrungsergänzungsmittel
  • Studienlage: ältere kleine Studien mit leichten Effekten auf Beschwerden bei Herzschwäche; die größte Studie fand keinen Vorteil bei Herzereignissen [4]

Weißdorn wächst an fast jedem Feldrand, und kaum eine Heilpflanze hat einen so festen Ruf: Sie soll das Herz stärken, den Blutdruck senken und den Takt beruhigen. In Apotheke und Drogerie stehen Tees, Tropfen und Dragees nebeneinander, oft mit dem Versprechen eines „starken Herzens“.

Die Belege sind schmaler. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt Weißdorn bei vorübergehenden nervösen Herzbeschwerden an, aber ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung [3]. Für Studien, die einen Nutzen sicher zeigen, reichen die klinischen Daten nach EMA-Einschätzung nicht [1]. Bei Herzschwäche, die heute gut behandelbar ist, zeigte die größte Studie keinen Vorteil. Wer an einer Herzerkrankung leidet, nimmt Weißdorn deshalb höchstens ergänzend und nur nach ärztlicher Rücksprache.

Was belegt ist und was nicht

Die Stufen zeigen, wie gut die Studienlage ist. „Mittel“: mehrere kontrollierte Studien, aber mit Schwächen oder uneinheitlich. „Schwach“: zu wenige oder zu schlechte Studien. „Kein Nutzen belegt“: gute Studien ohne Unterschied. „Traditionell“: anerkannt wegen langer Anwendung, nicht wegen Studien.

EVIDENZ-ÜBERSICHT

Traditionell

  • Vorübergehende nervöse Herzbeschwerden wie Herzklopfen, nach ärztlichem Ausschluss ernster Ursachen: anerkannt aufgrund langer Anwendung, nicht aufgrund von Studien [3]
  • Leichte Stresssymptome und Unterstützung beim Einschlafen: ebenfalls nur als traditionelle Anwendung bewertet [1]

Mittel

  • Bluthochdruck: in sechs kleinen Studien oberer Wert leicht niedriger als unter Scheinmittel, unterer nicht sicher [5]

Schwach

  • Beschwerden und Belastbarkeit bei Herzschwäche: ältere kurze Studien mit kleinen Effekten [6]; unter heutiger Standardtherapie ohne Vorteil
  • Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen: nur eine Auswertung von Verordnungsdaten, keine Behandlungsstudie [7]
  • Angst und innere Unruhe: positive Daten nur für eine Pflanzen-Magnesium-Kombination [8]

Kein Nutzen belegt

  • Herzschwäche, Krankenhausaufenthalte und Herzereignisse: große Placebostudie über zwei Jahre ohne Unterschied [4]

Nicht untersucht

  • Leistungsfähigkeit gesunder älterer Menschen, Vorbeugung von Herzkrankheiten bei Gesunden: keine Studien gefunden

Herzschwäche: viel versprochen, wenig gezeigt

Kurz gesagt: Ältere kleine Studien fanden leichte Besserungen, neuere und größere Studien nicht.

Beschwerden und Belastbarkeit (Evidenz: Schwach). Bei Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, pumpt das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper. Ein Cochrane-Review, also eine Zusammenfassung aller verwertbaren Studien nach festen Regeln, wertete 14 Placebostudien mit zusammen 1.110 Menschen [6] aus. Mit Weißdorn-Extrakten schafften die Teilnehmenden auf einem Trainingsfahrrad etwas mehr Leistung, im Mittel gut 5 Watt. Das ist ein kleiner Unterschied. Atemnot und Erschöpfung besserten sich etwas. Die Studien liefen aber nur 3 bis 16 Wochen, und viele waren methodisch schwach. Der Review ist seit 2013 nicht mehr aktualisiert worden.

Neuere Daten bestätigen den Effekt nicht. In der amerikanischen Studie HERB-CHF nahmen 120 Menschen mit Herzschwäche sechs Monate lang Extrakt oder Placebo, jeweils zusätzlich zu ihren Herzmedikamenten. Die Gehstrecke in sechs Minuten unterschied sich nicht [9]. Die Autorinnen und Autoren fassten zusammen, dass Weißdorn unter Standardtherapie keinen Vorteil für Beschwerden oder Leistungsfähigkeit bringe.

Herzereignisse und Lebenserwartung (Evidenz: Kein Nutzen belegt). Die bislang größte Studie heißt SPICE. Sie schloss 2.681 Menschen mit mittelschwerer Herzschwäche ein, die zwei Jahre lang 900 Milligramm eines Trockenextrakts aus Blättern und Blüten oder ein Scheinmittel nahmen. Der genau festgelegte Extrakt trägt die Laborbezeichnung WS 1442. Gemessen wurde, wie viele einen Herztod, einen Herzinfarkt oder eine Klinikeinweisung wegen Herzschwäche erlitten. Das traf auf 27,9 gegenüber 28,9 Prozent zu [4], ein Unterschied, der im Zufallsbereich liegt. Auch bei der Sterblichkeit gab es keinen gesicherten Unterschied.

Oft zitiert wird ein Nebenbefund: In einer Untergruppe mit weniger stark eingeschränkter Pumpleistung traten weniger plötzliche Herztode auf. Die Forschenden hatten diese Frage aber nicht vorab als Hauptfrage festgelegt und nannten die Auswertung deshalb „explorativ“. Wer nachträglich viele Untergruppen durchsieht, stößt leicht auf zufällige Auffälligkeiten. Der Befund zeigt eine Spur, keinen Beweis.

Fast alle Teilnehmenden nahmen schon mehrere Herzmedikamente. SPICE prüfte also, ob Weißdorn zusätzlich etwas bringt. Ob er Medikamente ersetzen oder ihre Menge verringern kann, hat keine Studie untersucht.

Die EMA zieht daraus eine klare Folgerung. Weil Herzschwäche behandelt werden muss und eine Wirkung von Weißdorn dabei nicht belegt ist, bewertet sie Nutzen und Risiken für diese Anwendung negativ, bereits im leichteren Stadium NYHA II [2]. NYHA II heißt: Beschwerden erst bei stärkerer Alltagsbelastung. Gemeint ist nicht, dass die Pflanze giftig wäre. Gemeint ist, dass eine wirksame Behandlung nicht durch eine unbelegte ersetzt werden darf.

Praxisbox

Herzschwäche nie in Eigenregie behandeln

Atemnot bei Belastung oder im Liegen, geschwollene Knöchel, rasche Gewichtszunahme und nachlassende Kraft können auf eine Herzschwäche hinweisen. Sie gehört in ärztliche Behandlung. Wer bereits Herzmedikamente nimmt, setzt sie nicht eigenmächtig ab; die Leitlinie warnt ausdrücklich vor eigenmächtigem Absetzen [10]. Weißdorn kommt allenfalls ergänzend infrage, und nur nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.

Herzklopfen und nervöse Herzbeschwerden

Nervöse Herzbeschwerden (Evidenz: Traditionell). Das ist die eigentliche, in der EU anerkannte Anwendung. Die EMA nennt vorübergehende nervöse Herzbeschwerden wie Herzklopfen bei leichter Angst [3]. Entscheidend ist die Bedingung dahinter: Ernste Ursachen müssen vorher ärztlich ausgeschlossen sein. Herzklopfen kann harmlos sein, aber auch Zeichen einer Rhythmusstörung, einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Herzerkrankung.

Die EMA vermerkt ausdrücklich einen Mangel an klinischen Studien [1]. Die Anerkennung beruht darauf, dass Weißdorn seit Jahrzehnten so genutzt wird und unter den genannten Bedingungen als unbedenklich gilt.

Blutdruck

Bluthochdruck (Evidenz: Mittel). Eine Auswertung von 2025 fasste sechs Placebostudien mit 428 Menschen zusammen. Der obere, systolische Wert sank im Mittel um knapp 7 mmHg stärker als unter Placebo [5]; der untere Wert sank nicht statistisch gesichert. Nur eine der Studien hatte ein geringes Verzerrungsrisiko, und Zubereitungen, Mengen und Dauer unterschieden sich stark. Deshalb reicht es nur für die Stufe „Mittel“. Eine Blutdruck-Anwendung sieht die EU-Monografie nicht vor.

Bluthochdruck erhöht das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Ob Weißdorn diese Folgen verringert, ist nicht untersucht. Wer Blutdrucksenker nimmt, sollte Weißdorn nicht ohne Rücksprache dazunehmen, weil sich die Wirkungen addieren könnten.

Herzrhythmus und Vorhofflimmern

Rhythmusstörungen (Evidenz: Schwach). Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Im November stehen die Herzwochen der Deutschen Herzstiftung unter dem Motto „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ [15]. Eine Behandlungsstudie mit Weißdorn bei Vorhofflimmern gibt es nicht.

Eine Auswertung deutscher Praxisdaten von 2024 verglich Menschen, denen der Extrakt WS 1442 verordnet wurde, mit Menschen, die ein Magnesium-Kalium-Präparat bekamen. Vorhofflimmern oder -flattern wurde in der Weißdorn-Gruppe seltener erfasst, bei knapp 11 von 100 gegenüber gut 16 von 100 [7]. Weil die Verordnung von vielen Umständen abhing und EKG-Befunde fehlten, zeigen diese Daten nur einen Zusammenhang, keinen nachgewiesenen Nutzen. Eine kleine Studie mit 20 Gesunden fand nach einer Einzeldosis keine Veränderung im EKG [16].

Die aktuelle europäische Leitlinie zu Vorhofflimmern nennt Weißdorn nicht. Sie empfiehlt bei erhöhtem Schlaganfallrisiko Gerinnungshemmer zur Vorbeugung von Schlaganfällen [17]. Wer unregelmäßigen Herzschlag spürt, braucht deshalb zuerst ein EKG und eine ärztliche Einschätzung, nicht ein Pflanzenmittel. Unbehandeltes Vorhofflimmern kann zu Schlaganfällen führen, auch wenn es kaum Beschwerden macht.

Stress, Unruhe und Schlaf

Stress und Schlaf (Evidenz: Traditionell). Als zweite Anwendung führt die EMA leichte Stresssymptome und Unterstützung beim Einschlafen, ebenfalls nur aufgrund langer Anwendung.

Angst und Unruhe (Evidenz: Schwach). Eine französische Studie mit 264 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Angststörung prüfte eine Tablette aus Weißdorn, Kalifornischem Mohn und Magnesium. Die Angstwerte sanken stärker als unter Placebo [8]. Welcher Bestandteil wirkte, lässt sich nicht sagen. In einer britischen Studie mit Weißdorn allein zeigte sich bei Angst kein Unterschied zum Scheinmittel [18].

Wie soll das wirken?

Blätter und Blüten enthalten Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Procyanidine. Im Labor zog sich Herzmuskelgewebe mit Extrakt kräftiger zusammen, und Gefäße weiteten sich. Daher stammt das Bild vom „herzstärkenden“ Weißdorn. Ein Laborbefund zeigt nur eine Möglichkeit, keinen Nutzen am Menschen. Die EMA hält fest, dass sich keine Aussage zur Aufnahme im Körper treffen lässt [2]: Welcher Stoff in welcher Menge im Blut ankommt, ist unbekannt. Aus Sicht der Energiemedizin liegt zu Weißdorn nichts Belegtes vor.

Arzneimittel, Tee oder Nahrungsergänzung?

Weißdorn gibt es in drei Welten. Als zugelassenes Arzneimittel muss ein Präparat seine Wirksamkeit in Studien belegen. Für eine Registrierung als „traditionelles pflanzliches Arzneimittel“ ist ein solcher Nachweis nicht nötig. Es reichen 30 Jahre medizinische Verwendung, davon 15 Jahre in der EU [19]; geprüft werden Qualität und Unbedenklichkeit. So kann ein Mittel offiziell registriert sein, ohne dass seine Wirkung bewiesen ist. Daneben gibt es Präparate, die als traditionelles Mittel zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Funktion [20] registriert sind.

Nahrungsergänzungsmittel und Tees aus dem Lebensmittelregal durchlaufen keine solche Prüfung. Die Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz ist nicht gleichbedeutend mit einer Zulassung [21]. Mit der Behandlung von Krankheiten dürfen Lebensmittel nicht werben, auch nicht in der Aufmachung [22].

Die Studien nutzten genau beschriebene Extrakte aus Blättern mit Blüten. Für Früchte, wie sie in manchen Nahrungsergänzungsmitteln stecken, gelten diese Ergebnisse nicht.

Traditionell heißt nicht unwirksam, aber auch nicht bewiesen

Die EU unterscheidet zwei Wege. Bei „gut etablierter Anwendung“ müssen Studien die Wirksamkeit zeigen. Bei „traditioneller Anwendung“ genügen ausreichende Sicherheitsdaten und eine aufgrund langer Erfahrung plausible Wirksamkeit [14]. Weißdorn ist in der EU nur auf dem zweiten Weg bewertet. Das wertet die Tradition nicht ab. Es sagt nur, dass Studien den Nutzen nicht gesichert haben.

Anwendung nach der EU-Monografie

Für Tee nennt die Monografie 1 bis 2 Gramm in 150 Millilitern kochendem Wasser [3], bis zu viermal täglich, höchstens 6 Gramm am Tag. Für Pulver, Extrakte, Presssäfte und Tinktur gelten eigene Mengen je Zubereitung; maßgeblich ist die Packungsbeilage. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an oder verschlimmern sie sich, ist ärztlicher Rat nötig.

Wie verträglich ist Weißdorn?

In Studien vertrugen die meisten Menschen Weißdorn gut. Eine Auswertung von 24 Studien mit über 5.500 ausgewerteten Teilnehmenden zählte 166 unerwünschte Ereignisse, meist leicht bis mittelschwer [23]. Am häufigsten waren Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Herzklopfen und Kopfschmerzen. Die gültige EU-Monografie führt keine bekannten Nebenwirkungen [3] auf. „Völlig nebenwirkungsfrei“ heißt das nicht. Der Entwurf zur Überarbeitung nennt Bauchschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag und Juckreiz [24], mit unbekannter Häufigkeit.

Wechselwirkungen meldet die Monografie keine. Ausgeschlossen sind sie damit nicht, und gerade bei Herzpatienten zählt das. Am besten untersucht ist Digoxin. Bei diesem Herzmittel liegt die Menge, die wirkt, nahe an der Menge, die vergiften kann. Bei acht Gesunden veränderten drei Wochen Extrakt WS 1442 die Menge an Digoxin im Blut nicht nennenswert [25]. Für andere Zubereitungen, längere Einnahme oder Menschen mit Herzschwäche sagt das wenig. Zu Betablockern, Nitraten und Blutdrucksenkern gibt es keine gezielten Wechselwirkungsstudien; in SPICE nahmen die meisten solche Mittel ohne auffällige Häufung von Nebenwirkungen. Kurz: Nachgewiesen ist keine Wechselwirkung, gründlich untersucht aber auch kaum eine. Die kanadische Gesundheitsbehörde verlangt deshalb vorsorglich einen Hinweis, vor der Einnahme ärztlich zu fragen, wer Digoxin, Blutdruck- oder Herzmedikamente [26] nimmt.

Ein offenes Signal betrifft Operationen. In einer kleinen Beobachtungsstudie mussten Menschen, die vor einer Herzoperation Weißdorn genommen hatten, häufiger wegen Nachblutungen erneut operiert werden. Die EMA hält die Aussagekraft für unklar; Belege für Wechselwirkungen mit Blutverdünnern beim Menschen gibt es nicht [27]. Vor Operationen gehört Weißdorn trotzdem auf die Liste der eingenommenen Mittel.

Sicherheitsbox

  • Sofort ärztlich abklären: geschwollene Knöchel oder Beine, Schmerzen in der Herzgegend [3], die in Arme, Oberbauch oder Hals ausstrahlen können, sowie Atemnot. Bei starkem Brustschmerz den Notruf 112 wählen.
  • Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Vorhofflimmern: keine Selbstbehandlung; ernste Ursachen müssen vorher ärztlich ausgeschlossen sein [3]. Verordnete Herzmedikamente nie eigenmächtig absetzen oder verringern.
  • Herzmedikamente: Wer Digoxin, Betablocker, Nitrate oder Blutdrucksenker nimmt, fragt vor der Einnahme ärztlich nach [26]. Wechselwirkungen sind nicht bewiesen, aber kaum untersucht.
  • Gerinnungshemmer und Operationen: Einnahme angeben; ein Blutungssignal aus einer kleinen Studie ist in seiner klinischen Bedeutung unklar [27].
  • Gegenanzeige: Überempfindlichkeit gegen Weißdorn [3].
  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder: Sicherheit nicht belegt, Anwendung nicht empfohlen [3]; bei Herzbeschwerden nicht unter 18 Jahren.
  • Dauer: Beschwerden über zwei Wochen oder eine Verschlechterung während der Einnahme ärztlich abklären lassen.
  • Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Hautausschlag; Häufigkeit unbekannt.

Woher die Pflanze kommt

Weißdorn ist ein dorniger Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Rosengewächse, verbreitet in Hecken und an Waldrändern Europas. Im Mai trägt er weiße Blütendolden, im Herbst rote Früchte. Als Herzmittel bekannt wurde er erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts [2].

Woran geforscht wird

Offen bleibt die Kernfrage: Ob ein bestimmter Extrakt Menschen unter heutiger Herztherapie spürbar hilft, hat bislang keine überzeugende Studie gezeigt. In Studienregistern ist eine kleine Studie zu Weißdorn bei Herzschwäche eingetragen, mit 45 geplanten Teilnehmenden und Abschluss 2029 [28].

Die EMA überarbeitet ihre Monografie. Ein Entwurf lag 2025 zur öffentlichen Stellungnahme aus; die Konsultation endete am 15. Juli 2025 [1]. Verabschiedet ist eine Neufassung bisher nicht; gültig bleibt die Fassung von 2016. Auch der Entwurf stuft Weißdorn als traditionelles Arzneimittel ein.

Häufige Fragen zu Weissdorn

Stärkt Weißdorn das Herz?
So pauschal ist das nicht belegt. Die EU erkennt Weißdorn nur bei vorübergehenden nervösen Herzbeschwerden an, und zwar aufgrund langer Anwendung. Bei Herzschwäche zeigte die größte Studie keinen Vorteil bei Herzereignissen.

Kann Weißdorn Herzmedikamente ersetzen?
Nein. Alle großen Studien prüften Weißdorn nur zusätzlich zu Herzmedikamenten. Ob man Medikamente damit verringern kann, wurde nie untersucht. Verordnete Herzmittel nicht eigenmächtig absetzen.

Senkt Weißdorn den Blutdruck?
Möglicherweise leicht. Sechs kleine Studien zeigten im Mittel einen etwas niedrigeren oberen Wert, die Qualität ist aber begrenzt. Eine Blutdruck-Anwendung ist in der EU nicht anerkannt, und Blutdrucksenker ersetzt Weißdorn nicht.

Hilft Weißdorn bei Vorhofflimmern?
Dafür gibt es keine Behandlungsstudie, nur eine Auswertung von Verordnungsdaten. Unregelmäßiger Herzschlag gehört ärztlich mit EKG abgeklärt, weil Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko erhöht.

Ist Weißdorn nebenwirkungsfrei?
Nein, aber meist gut verträglich. Beschrieben sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen und Hautausschlag. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Weißdorn nicht empfohlen.

Darf ich Weißdorn mit Herzmedikamenten nehmen?
Nur nach Rücksprache. Bei Digoxin zeigte eine kleine Studie keine Veränderung der Blutspiegel, zu anderen Herzmitteln gibt es kaum Daten. Ärztin oder Arzt sollten wissen, dass Sie Weißdorn nehmen.

Woran merke ich, ob Weißdorn hilft, und wie lange darf ich ihn ohne ärztlichen Rat nehmen?
Ein verlässliches Zeichen gibt es nicht, Studien dazu fehlen. Als Grenze gilt: Halten Beschwerden länger als zwei Wochen an oder werden sie schlimmer, sollte eine Ärztin oder ein Arzt draufschauen. Bei Brustschmerz, Atemnot oder geschwollenen Beinen sofort.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

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  2. European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159076/2014, Final, 05.04.2016. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-report/final-assessment-report-crataegus-spp-folium-cum-flore_en.pdf
  3. European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014, Final, angenommen 05.04.2016. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-crataegus-spp-folium-cum-flore_en.pdf
  4. Holubarsch CJF, Colucci WS, Meinertz T, Gaus W, Tendera M; SPICE Trial Study Group. The efficacy and safety of Crataegus extract WS 1442 in patients with heart failure: the SPICE trial. European Journal of Heart Failure. 2008;10(12):1255–1263. https://doi.org/10.1016/j.ejheart.2008.10.004
  5. Szikora Z, Mátyus RO, Szabó BV, Csupor D, Tóth B. Hawthorn (Crataegus spp.) Clinically Significantly Reduces Blood Pressure in Hypertension: A Meta-Analysis of Randomized Placebo-Controlled Clinical Trials. Pharmaceuticals. 2025;18(7):1027. https://doi.org/10.3390/ph18071027
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  11. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF). NVL Chronische Herzinsuffizienz, Version 4, Themenseite mit Gültigkeitshinweis. Stand der Seite 22.09.2026, abgerufen 19.10.2026. https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz
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