Was sind Gallensteine?

Ein zufälliger Ultraschallbefund ist noch kein Grund für eine Operation. Gallensteine bleiben oft unbemerkt; blockieren sie den Gallenabfluss, können sie starke Schmerzen und Entzündungen auslösen. Entscheidend sind Lage und Beschwerden. [1]

Was sind Gallensteine?

Die Leber bildet Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung. Ein Teil wird in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf in den Darm abgegeben. Wenn Bestandteile auskristallisieren, entstehen Gallensteine. Meist enthalten sie überwiegend Cholesterin, seltener Gallenfarbstoffe. Sie können in der Gallenblase bleiben oder in einen Gallengang gelangen, also in einen der Gänge, über die die Galle zum Darm abfließt. [1]

Ein Stein ist nicht automatisch ein Hindernis. Beschwerden entstehen oft erst, wenn er den Ausgang der Gallenblase oder einen Gallengang blockiert. Wo er liegt, beeinflusst Risiko und Behandlung. [1]

Wen betrifft es?

Gallensteine sind häufig: Schätzungen zufolge betreffen sie etwa 5 bis 25 Prozent der Bevölkerung [1]. Eine deutsche Bevölkerungsstudie fand 2013 Gallenblasensteine bei etwa 15 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer; das war eine regionale Stichprobe, keine aktuelle bundesweite Zählung. [2]

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit; Frauen sind häufiger betroffen, auch rund um die Lebensmitte. Familiäre Veranlagung, Schwangerschaft und hormonelle Einflüsse können eine Rolle spielen. Starkes Übergewicht und sehr schneller Gewichtsverlust erhöhen das Risiko ebenfalls; daraus folgt weder eine Schuldfrage noch eine sichere Vorhersage für den Einzelfall. [1]

Welche Beschwerden sind typisch?

Die meisten Steine bleiben „stumm“ und fallen nur zufällig bei einer Untersuchung auf; laut Leitlinie entwickeln pro Jahr nur etwa 1 bis 4 von 100 Menschen mit stummen Steinen Beschwerden. Eine Gallenkolik dagegen ist eine deutliche Schmerzattacke im rechten oder mittleren Oberbauch. Sie kann in Rücken oder rechte Schulter ziehen und Übelkeit oder Erbrechen auslösen. Auch eine abgeklungene Attacke sollte ärztlich beurteilt werden, denn laut Leitlinie folgen bei mehr als der Hälfte der Betroffenen weitere Schmerzattacken. [1] [3]

Beschwerden können nach dem Essen auftreten, doch Blähungen, Völlegefühl oder Sodbrennen sind nicht steintypisch. Bei länger blockiertem Gallengang können Haut oder Augenweiß gelb werden; dunkler Urin und heller Stuhl sind weitere Warnzeichen. Anhaltende starke Schmerzen oder Fieber können auf eine Entzündung hinweisen. [1] [3]

Wie wird die Diagnose gestellt?

Nach dem Gespräch über die Schmerzen folgen körperliche Untersuchung und meist ein Ultraschall des Bauchs. Gallenblasensteine sind damit sehr zuverlässig erkennbar; bei Verdacht auf Gallengangsteine oder eine Entzündung können Blutwerte und weitere Bildgebung nötig sein. Ein Ultraschallbefund erklärt unspezifische Beschwerden nicht zwingend. [4] [3]

Wann wird behandelt?

Beschwerdefreie Gallenblasensteine werden meist nicht entfernt. Die deutsche S3-Leitlinie nennt Ausnahmen, in denen wegen eines erhöhten Krebsrisikos eine Operation empfohlen oder erwogen wird, etwa bei verkalkter Gallenblasenwand, Steinen über drei Zentimeter oder Gallenblasenpolypen ab einem Zentimeter. Bei Steinen im Gallengang kann auch ohne Beschwerden eine Entfernung erwogen werden. Die deutsche Leitlinie stammt von 2018; ihre Gültigkeit ist abgelaufen, eine Überarbeitung läuft. [3] [5]

Bei typischen Schmerzen durch Gallenblasensteine empfiehlt die Leitlinie die Entfernung der Gallenblase, meist mittels Bauchspiegelung. Bei einer Kolik können zunächst Schmerzmittel helfen, ohne die Ursache zu beseitigen. Gallengangsteine lassen sich häufig mit einem biegsamen Schlauch durch den Mund entfernen. Entzündungen oder ein blockierter Gang können rasche Behandlung erfordern. Die Entscheidung berücksichtigt Beschwerden, Begleiterkrankungen und persönliche Prioritäten. [3] [1]

Eine neuere kontrollierte Studie verglich Operation und Abwarten bei unkomplizierten, aber symptomatischen Gallensteinen. Über 18 Monate fand sie beim allgemeinen Schmerzmaß keinen Unterschied; bei gallenspezifischen Beschwerden schnitt die Operationsgruppe besser ab. Etwa ein Viertel der zunächst abwartenden Personen wurde innerhalb dieser Zeit doch operiert. Die Ergebnisse unterstützen eine gemeinsame Entscheidung, gelten aber nicht für akute Komplikationen. [6]

Evidenz-Kompass

  • Belegt: Stumme Gallenblasensteine brauchen meist keine Behandlung; typische Koliken und Gallengangsteine werden dagegen in der Regel behandelt. [3]
  • Umstritten: Ob Blähungen und Völlegefühl bei gleichzeitig gefundenen Steinen tatsächlich von ihnen stammen, lässt sich nicht allein aus dem Ultraschall ableiten. [3]
  • Offen: Welche Strategie bei unkomplizierten Beschwerden für eine bestimmte Person langfristig am besten ist, lässt sich aus der verfügbaren Vergleichsstudie nicht pauschal ableiten. [6]

Wann zum Arzt? Warnzeichen

  • Erstmals auftretende oder wiederkehrende kolikartige Oberbauchschmerzen: zeitnah ärztlich abklären lassen, auch wenn sie nachlassen. [1] [3]
  • Bauchschmerzen, die länger als 30 Minuten anhalten, oder anhaltend starke Schmerzen: dringend medizinisch beurteilen lassen. [7]
  • Fieber, Schüttelfrost oder deutliches Krankheitsgefühl zusammen mit Bauchschmerzen: sofort medizinische Hilfe suchen. [7]
  • Gelbe Haut oder gelbes Augenweiß, besonders mit dunklem Urin oder hellem Stuhl: sofort medizinische Hilfe suchen. [1] [7]
  • Plötzlich sehr starke Bauchschmerzen oder Schmerzen bis in den Rücken mit Erbrechen: notfallmäßig Hilfe holen. [7]

Fazit

Gallensteine sind häufig und oft harmlos, solange sie keine Beschwerden machen und in der Gallenblase bleiben. Eine Gallenkolik verdient Abklärung; Warnzeichen für einen blockierten Gallengang oder eine Entzündung verlangen rasche Hilfe. Ob Abwarten oder ein Eingriff passt, entscheidet sich am Befund und am individuellen Verlauf. [1] [3]

FAQ – Häufige Fragen zu Gallensteinen

Müssen Gallensteine immer entfernt werden?
Nein. Zufällig entdeckte Gallenblasensteine ohne Beschwerden bleiben meist unbehandelt; bei typischen Schmerzen, Gallengangsteinen oder Komplikationen wird die Behandlung individuell geprüft. [3]

Wie fühlt sich eine Gallenkolik an?
Typisch ist ein starker Schmerz im rechten oder mittleren Oberbauch, der in Rücken oder rechte Schulter ausstrahlen kann. Übelkeit oder Erbrechen können dazukommen. Auch eine abgeklungene erste Attacke sollte ärztlich beurteilt werden. [1] [3]

Kann man ohne Gallenblase leben?
Ja. Die Leber bildet weiterhin Galle, die dann ohne Zwischenspeicherung in den Darm fließt. Die Entfernung der Gallenblase ist eine Behandlung für passende Beschwerden oder Komplikationen, nicht für jeden zufälligen Stein. [1] [3]

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Bundesministerium für Gesundheit. Gallensteine. gesund.bund.de. 2021 (abgerufen 01.10.2026). https://gesund.bund.de/gallensteine
  2. Kratzer W et al. Gallbladder stone incidence and prevalence in Germany: a population-based study. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2021. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-1401-2170
  3. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV); Gutt C, Jenssen C, Barreiros AP et al. Aktualisierte S3-Leitlinie zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen. AWMF-Register-Nr. 021-008. Zeitschrift für Gastroenterologie 56: 912–966. 2018. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-0644-2972
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Gallensteine. gesundheitsinformation.de. 2023. https://www.gesundheitsinformation.de/gallensteine.html
  5. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Gallensteinleiden: Leitlinie wird aktualisiert. DGVS. 2026 (Abruf 01.10.2026). https://www.dgvs.de/leitlinien/leber-galle-pankreas/gallensteinleiden/
  6. Ahmed I et al. Effectiveness of conservative management versus laparoscopic cholecystectomy in the prevention of recurrent symptoms and complications in adults with uncomplicated symptomatic gallstone disease (C-GALL trial): pragmatic, multicentre randomised controlled trial. BMJ. 2023. https://www.bmj.com/content/383/bmj-2023-075383
  7. National Health Service (NHS). Gallstones. NHS. 2025. https://www.nhs.uk/conditions/gallstones/