Eine Therapie, die Beschwerden lindern kann, wurde nach großen Studien lange vor allem als Risiko wahrgenommen. Was gilt heute als belegt, welche Zahlen helfen bei der Einordnung – und warum führt die Antwort weder zu einem pauschalen Ja noch zu einem pauschalen Nein?
Die eine Bekannte sagt, Hormone seien wegen Brustkrebs tabu. Eine andere berichtet, sie könne seit Beginn ihrer Behandlung wieder schlafen. Beide sprechen über Wechseljahre, aber womöglich über verschiedene Beschwerden, Präparate und Lebenssituationen. Die Schlagzeile „Hormone: gut oder schlecht?“ verdeckt solche Unterschiede.
Kurz gesagt: Gegen belastende Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen ist die systemische Hormontherapie – Hormone, die als Tablette, Pflaster oder Gel im ganzen Körper wirken – nach Einschätzung zweier großer Menopause-Fachgesellschaften die wirksamste Behandlung [1] [2]. Sie hat aber Risiken, und die hängen von der Anwendungsform, vom Alter und von der Vorgeschichte ab. Beginnt sie vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach der natürlichen Menopause, fällt die Bilanz im Allgemeinen günstiger aus als bei einem späteren Beginn [3]. Ob eine Behandlung passt, ist eine persönliche, freiwillige Entscheidung nach ärztlicher Beratung.
Wie die WHI-Studie die Debatte veränderte
Im Jahr 2002 wurde ein Teil der großen US-amerikanischen Women’s Health Initiative, kurz WHI, vorzeitig beendet. In dieser kontrollierten Studie entschied der Zufall, wer eine bestimmte Kombination aus Östrogen und Gestagen als Tablette bekam und wer ein Scheinpräparat erhielt. Unter der Kombination traten bei Frauen mit Gebärmutter mehr Brustkrebserkrankungen, Schlaganfälle, Blutgerinnsel in Venen und Herz-Kreislauf-Ereignisse auf, Knochenbrüche dagegen seltener. Die Studienleitung bewertete die Bilanz für die untersuchte Vorbeugung chronischer Krankheiten als ungünstig. Die Frauen waren beim Einstieg zwischen 50 und 79 Jahre alt, im Mittel etwa 63. Gezeigt hatte die WHI damit die Gefahren des geprüften Mittels, nicht zwangsläufig die jedes heutigen Behandlungsschemas [4].
Ein zweiter Zweig der Studie endete 2004. Hier erhielten ausschließlich Frauen ohne Gebärmutter ein bestimmtes Östrogen allein als Tablette. Einen belegten Schutz vor koronarer Herzkrankheit gab es nicht, dafür mehr Schlaganfälle und weniger Hüftbrüche. Beide Zweige untersuchten verschiedene Frauengruppen, nicht nur unterschiedliche Mittel [5]. Parallel meldete die britische Million Women Study einen Zusammenhang zwischen Hormontherapie und Brustkrebs, besonders bei Kombinationen. Sie war eine Beobachtungsstudie ohne Zufallszuteilung [6].
In Deutschland gingen die Verordnungen danach deutlich zurück. Eine große Auswertung gesetzlicher Krankenkassendaten fand für systemische Hormone von 2004 bis 2016 je nach Alter ein Minus von 55 bis 67 Prozent. Warum, ist unklar; neuere vergleichbare Bundesdaten fehlen [7]. Spätere WHI-Auswertungen zeichneten ein genaueres Bild: Nach mehr als zwei Jahrzehnten war Brustkrebs in der ursprünglichen Kombinationsgruppe häufiger, in der Östrogen-allein-Gruppe nach Gebärmutterentfernung dagegen seltener als unter Scheinpräparat. Ein allgemeiner Östrogenschutz folgt daraus nicht [8]. Dazu kommt die sogenannte Zeitfenster-Hypothese: Bei bestimmten Herzrisiken könnte ein früher Beginn nach der Menopause günstiger ausfallen als ein später. Analysen nach Alter und Abstand zur letzten Regelblutung stützen das. Für die eigene Entscheidung heißt das nur, dass der Zeitpunkt eine Rolle spielt; zur Vorbeugung von Herzkrankheiten begründet die Hypothese keine Hormontherapie [9].
Was eine Behandlung nachweislich leisten kann
Am besten belegt ist die Linderung belastender Hitzewallungen und nächtlichen Schwitzens durch eine systemische Hormontherapie. Die europäische endokrinologische Fachleitlinie rät, bei solchen Beschwerden Nutzen, Risiken und andere Wege individuell zu besprechen. Ein Beginn vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach der natürlichen Menopause hat dort im Allgemeinen die günstigere Bilanz. Die nordamerikanische Menopause Society und die International Menopause Society nennen die Hormontherapie die wirksamste Behandlung dieser Beschwerden. Behandlungspflicht gibt es nicht; sie bleibt freiwillig [3] [1] [2].
Auch in Deutschland ist die Leitlinie zu den Wechseljahren in Arbeit. Ein im Juni 2026 veröffentlichter Entwurf der AWMF, des Dachverbands der medizinischen Fachgesellschaften, befürwortet das Angebot einer Hormontherapie bei Hitzewallungen nach der Menopause, wenn die Frau aufgeklärt ist und keine Gegenanzeigen bestehen. Die endgültige Leitlinie steht noch aus [10].
Frauen mit alleiniger vaginaler Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr brauchen nicht automatisch eine systemische Behandlung: Niedrig dosierte, örtlich angewendete Östrogene können solche Beschwerden bessern, ohne Hitzewallungen zu behandeln [3]. Die WHI zeigte außerdem für die untersuchten systemischen Schemata weniger Knochenbrüche während der Anwendung. Nicht jede moderne Form ist gleich gut untersucht [11].
Beim Schlaf ist die Aussage kleiner: In zusammengefassten kontrollierten Studien verbesserte sich die subjektiv erlebte Schlafqualität geringfügig; objektive Schlafmessungen zeigten keinen klaren Nutzen. Weniger Nachtschweiß könnte mitwirken [12]. Eine kleine Studie fand bei ausgewählten Frauen in der frühen Umstellungsphase weniger neu auftretende depressive Symptome. Eine diagnostizierte Depression soll laut europäischer Leitlinie nicht routinemäßig so behandelt werden [13] [3]. Zur Verhütung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz ist eine Hormontherapie nicht empfohlen. In einer WHI-Zusatzstudie bei Frauen ab 65 Jahren trat unter der geprüften Kombination wahrscheinliche Demenz häufiger auf; für einen Beginn mit 50 gilt dies nicht automatisch [3] [14].
Das Brustkrebsrisiko: dieselbe Frage, verschiedene Zahlen
Eine große internationale Auswertung von Beobachtungsstudien, in denen Frauen über Jahre begleitet wurden, rechnete vor, was fünf Jahre systemische Behandlung ab dem 50. Geburtstag für Frauen durchschnittlichen Gewichts in Industrieländern bedeuten könnten. Von je 1.000 Frauen ohne Hormontherapie erkranken demnach zwischen 50 und 69 Jahren etwa 63 an Brustkrebs. Mit fünf Jahren Behandlung kämen rechnerisch etwa 5 Fälle hinzu bei Östrogen allein, etwa 14 bei Östrogen mit zeitweise gegebenem Gestagen und etwa 20 bei Östrogen mit täglich gegebenem Gestagen. Diese zusätzlichen Fälle verteilen sich auf das gesamte 20-jährige Diagnosefenster von 50 bis 69 Jahren, nicht auf die fünf Behandlungsjahre. Die Rechnung setzt einen überwiegend ursächlichen Zusammenhang voraus und ist keine persönliche Vorhersage [15].
Mit längerer Anwendung wächst der beobachtete Zusammenhang. Nach zehn statt fünf Jahren Behandlung könnte der geschätzte Überschuss ungefähr doppelt so groß sein. Nach dem Absetzen nimmt das zusätzliche Risiko ab, kann nach längerer Anwendung aber noch mehr als ein Jahrzehnt nachweisbar bleiben. Bei weniger als einem Jahr Anwendung war wenig Überschuss zu erkennen. Ausgangsrisiko und Körpergewicht beeinflussen die Übertragbarkeit [15].
Die kontrollierte WHI-Langzeitbeobachtung zeigt dasselbe Muster, aber mit einem anderen Bezugsrahmen, nämlich Fällen je Jahr statt je 20 Jahre: Unter oralem Östrogen mit Gestagen gab es über mehr als 20 Jahre mehr Brustkrebsdiagnosen als unter Scheinpräparat, unter Östrogen allein nach Gebärmutterentfernung weniger. Beide Zahlenreihen lassen sich nicht miteinander verrechnen. Das zweite Ergebnis bedeutet weder, dass jede Östrogenform vor Brustkrebs schützt, noch, dass Östrogen ohne Gestagen bei erhaltener Gebärmutter geeignet wäre [8].
Gerinnsel, Schlaganfall und Gebärmutter: Risiken haben einen Ort
Bei Blutgerinnseln in Venen, etwa einer tiefen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie, zählt das Ausgangsrisiko, und das steigt mit dem Alter deutlich. Eine britische Versorgungsstudie fand unter Tabletten mehr solcher Ereignisse, besonders in höherem Alter; für die Anwendung über die Haut zeigte sich kein klarer Anstieg. Der beobachtende Vergleich beweist keine Risikofreiheit. Dass das geprüfte orale WHI-Kombinationsschema Gerinnsel vermehrte, ist durch die kontrollierte Studie besser abgesichert [16] [4].
Beim Schlaganfall zeigt eine große britische Beobachtungsstudie ein ähnliches Bild: mehr Ereignisse unter Tabletten, bei niedrig dosierten Pflastern kein eindeutiger Anstieg, bei höher dosierten Pflastern aber ein Risikosignal. Direkte große Zufallsvergleiche zwischen Tablette und Pflaster fehlen [17] [3].
Bei vorhandener Gebärmutter kann systemisches Östrogen ohne ausreichenden Gestagenschutz die Schleimhaut verdicken; daraus kann sich auch Gebärmutterkrebs entwickeln. Ein aktueller Cochrane-Review fand unter Östrogen allein schon nach einem Jahr deutlich häufiger solche Verdickungen als unter Scheinpräparat. Das sind keine Krebsfälle; der Schutz kombinierter Schemata hängt von ihrer Anwendung ab [18]. Tabletten können zudem die Gallenblase belasten: In einer britischen Kohorte kamen über fünf Jahre mehr Frauen unter Tabletten wegen einer Gallenblasenerkrankung ins Krankenhaus als unter Anwendung über die Haut oder ohne Hormontherapie. Eine Prognose für die einzelne Frau ist das nicht [19].
Pflaster oder Tablette? Die Beobachtungsdaten sprechen bei Thrombosen, teils bei Schlaganfällen und bei der Gallenblase für die Anwendung über die Haut [16] [17] [19]. Der deutsche Leitlinienentwurf sieht vor, Frauen darüber aufzuklären, dass das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle bei Östrogen als Tablette deutlich höher ist als bei Anwendung über die Haut und mit der Dosis steigt [10]. Risikofrei ist aber auch die Haut nicht, und direkte Vergleichsstudien zu schweren Folgeerkrankungen fehlen [3].
Form, Zeitpunkt und Warnhinweise verändern die Bilanz
Für Frauen ohne Gebärmutter kommt systemisches Östrogen allein infrage. Mit Gebärmutter gehört ein ausreichend wirksames Gestagen dazu, ein Wirkstoff nach dem Vorbild des Gelbkörperhormons, der die Schleimhaut schützt. Lokale Vaginaltherapie ist eine andere Kategorie. Eine Möglichkeit ist Progesteron, das dem körpereigenen Hormon chemisch gleicht; seine Langzeitrisiken sind weniger gut durch große kontrollierte Studien geklärt als die des früheren WHI-Schemas. Tibolon ist ein anders wirkender hormoneller Wirkstoff, nicht einfach Östrogen plus Progesteron [3] [10].
Im November 2025 verlangte die US-Arzneimittelbehörde FDA, Aussagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und wahrscheinlicher Demenz aus den besonders hervorgehobenen Warnfeldern der Hormonprodukte zu entfernen; im Beipackzettel sollen sie bei systemischen Produkten stehen bleiben [20] [21]. Die Menopause Society erinnerte daran, dass „Warnung weg, Risiko weg“ falsch wäre [22]. In Deutschland gelten die US-Entscheidungen nicht automatisch: Die Deutsche Menopause Gesellschaft weist darauf hin, dass es hier kein vergleichbares Warnfeld-System gibt. Maßgeblich bleibt die aktuelle Fachinformation des erwogenen Mittels [23].
„Bioidentisch“ bedeutet lediglich, dass ein Molekül dem körpereigenen Hormon chemisch entspricht. Es gibt regulär zugelassene, standardisiert hergestellte Präparate mit solchen Wirkstoffen und daneben individuell in Apotheken gemischte Rezepturen. Aus der chemischen Gleichheit folgt keine bessere Langzeitsicherheit; für individuell gemischte Produkte fehlen nach der US-amerikanischen Fachgesellschaft ACOG hochwertige Wirksamkeits- und Sicherheitsvergleiche [24]. Niedrig dosiertes vaginales Östrogen hat bei üblichen lokalen Anwendungen eine deutlich geringere Wirkung auf den übrigen Körper; eine systematische Übersicht fand bis etwa ein Jahr keinen Hinweis auf ein erhöhtes Gebärmutterschleimhautrisiko, betonte aber fehlende Langzeitdaten [25].
Für wen die allgemeine Abwägung nicht ausreicht
Systemische Hormone sind bei einer eigenen Brustkrebserkrankung in der Vorgeschichte nach europäischer Fachleitlinie im Allgemeinen nicht anzuwenden. Eine Zusammenfassung kontrollierter Studien nach Brustkrebs fand mehr Rückfälle unter systemischer Hormonbehandlung; auch Tibolon ist nach Brustkrebs keine einfache Ausweichlösung [3] [26]. Eine frühere Thrombose, ein Schlaganfall, ungeklärte Blutungen oder erhebliche Gefäßrisiken gehören vor jeder Verordnung zur ärztlichen Prüfung [3] [27]. Nicht jeder Risikofaktor verbietet jedes Präparat: Bei früherer Venenthrombose nennt die europäische Leitlinie nach individueller Prüfung die Form über die Haut als möglichen Weg. Die jeweilige Fachinformation kann enger sein [3].
Nach Brustkrebs sind lokale, niedrig dosierte Vaginalöstrogene nicht mit systemischen Hormonen gleichzusetzen. Wenn nicht-hormonelle Möglichkeiten nicht reichen, kann ihr Einsatz bei starken Beschwerden nach onkologisch-gynäkologischer Abwägung erwogen werden; unter bestimmten Brustkrebsmedikamenten ist besondere Vorsicht geboten. Risikofreiheit ist nicht belegt [3] [28]. Ein eigener Fall ist das vorzeitige Versagen der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr. Internationale Fachgesellschaften empfehlen dann, falls keine Gegenanzeige besteht, einen Hormonersatz bis etwa zum üblichen Menopausealter, auch ohne Hitzewallungen. Diese starke Empfehlung beruht für langfristige Erkrankungs- und Sterblichkeitsziele auf Evidenz von sehr geringer Sicherheit; an der Vorsicht nach einer früheren Brustkrebserkrankung ändert sie nichts [29].
Im Versorgungsalltag braucht die Entscheidung zudem Zeit und Information. In einer deutschen Befragung aus dem Jahr 2020 fühlte sich die Hälfte der befragten Frauen zwischen 45 und 60 Jahren über Behandlungsmöglichkeiten höchstens mittelmäßig informiert; das ist eine Selbsteinschätzung, kein objektiver Qualitätstest [30]. Gesetzlich Versicherte können im Rahmen der geltenden Arzneimittelregeln erstattungsfähige verordnete Arzneimittel erhalten. Ob das für ein konkretes Hormonpräparat zutrifft, hängt von Zulassung, Verordnungsstatus und Regelungen ab und lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten [31].
Was umstritten ist – und wem die Entscheidung gehört
Die Kritik an einer Medikalisierung der Wechseljahre erinnert daran, dass ein normaler Lebensabschnitt keine Behandlungspflicht erzeugt. Umgekehrt ist starkes Leiden kein bloßes Missverständnis, das mit Durchhalten erledigt wäre. Zwischen beiden Verkürzungen steht die Frage, welche Beschwerden tatsächlich behandelt werden sollen und welcher Gewinn im eigenen Alltag zählt. Die europäische Leitlinie plädiert ausdrücklich für einen ganzheitlichen Blick statt eines ausschließlichen Fokus auf Hormone [3]. Auch Schlaf und Belastung gehören dazu.
Nicht-hormonelle Wege vertieft der Beitrag „Was hilft wirklich? Wechseljahresbeschwerden ohne Hormone“. Einzelne Mittel und Verfahren stellen die Stoffkunde-Einträge „Traubensilberkerze“ und „Soja-Isoflavone“ sowie der Methoden-Eintrag „Akupunktur“ vor; Grundlagen erklärt der Beitrag „Was ist eine Hitzewallung?“. Auch Nichtbehandlung bleibt eine Möglichkeit.
Uneinigkeit betrifft vor allem die Übertragung alter Studien auf heutige Formen, Unterschiede zwischen Gestagenen und die Sicherheit einer lange fortgesetzten Therapie. Finanzierung von Studien und Interessenkonflikte in Leitlinien verlangen Transparenz, beweisen aber keinen Fehler [3]. Eine Analyse historischer Meinungsbeiträge zeigte Einseitigkeit, nicht die Fehlerhaftigkeit heutiger Empfehlungen [32]. Fachgesellschaften empfehlen regelmäßige Neubewertung statt einer für alle gültigen starren Absetzfrist. Beim Absetzen können Beschwerden wiederkehren; ob Ausschleichen gegenüber einem direkten Ende Vorteile hat, ist nicht überzeugend belegt [3] [1]. Im Gespräch zählen Beschwerden, Vorerkrankungen und der fortbestehende Nutzen.
Evidenz-Kompass
Belegt: Systemische Hormone lindern belastende Hitzewallungen; niedrig dosiertes lokales Östrogen kann vaginale Beschwerden bessern. Die geprüften systemischen Behandlungsschemata verminderten während der Anwendung Knochenbrüche, hatten aber auch konkrete Risiken [4] [3] [11].
Umstritten: Wie groß der Vorteil neuerer Anwendungsformen und verschiedener Gestagene bei schweren Langzeitereignissen gegenüber älteren oralen Schemata ist; Beobachtungsdaten ersetzen hierfür keinen direkten Zufallsvergleich [3].
Offen: Die langfristige Bilanz vieler heute gebräuchlicher Kombinationen nach mehr als fünf bis sieben Jahren und bei individuellem Risikoprofil [3].
Sicherheitsbox
- Blutungen nach der Menopause oder unerklärliche Blutungen während einer Behandlung ärztlich abklären lassen [27].
- Hormone nur mit ärztlicher Begleitung anwenden – auch bei frei erhältlichen, individuell gemischten oder im Ausland bezogenen Mitteln [3] [24].
- Wirkung, Nebenwirkungen und fortbestehenden Bedarf regelmäßig gemeinsam überprüfen; die europäische Leitlinie sieht eine frühe Kontrolle nach etwa drei Monaten vor [3].
- Die altersgerechte Brustkrebs-Früherkennung auch unter Behandlung weiter wahrnehmen [3].
Woran geforscht wird
Die europäische Leitlinie nennt direkte Langzeitvergleiche von Anwendungswegen und Gestagenen sowie Folgen für Brust, Gefäße und Gedächtnis als offene Fragen [3]. Zwei nicht-hormonelle Wirkstoffe, die einen Signalweg im Gehirn (den Neurokinin-Signalweg) hemmen, besitzen in der EU bereits Zulassungen gegen belastende Hitzewallungen. Sie sind ein Ausblick auf Arzneimittel ohne Hormone, keine Antwort auf die Langzeitfragen der Hormontherapie [33] [34].
FAQ – Häufige Fragen zur Hormontherapie in den Wechseljahren
Erhöht eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko?
Bei systemischer Östrogen-Gestagen-Therapie steigt es in Studien mit Dauer und Art der Kombination. Für Östrogen allein nach Gebärmutterentfernung ergeben Beobachtungsstudien und die kontrollierte WHI-Nachbeobachtung unterschiedliche Befunde; die individuelle Ausgangswahrscheinlichkeit zählt [8] [15].
Sind Pflaster und Gel sicherer als Tabletten?
Beobachtungsstudien finden für Östrogen über die Haut weniger Venenthrombosen als für Tabletten, teils auch weniger Schlaganfälle. Große direkte Zufallsvergleiche zu schweren Folgeerkrankungen fehlen; „über die Haut“ bedeutet nicht risikofrei [3] [16] [17].
Wie läuft das Gespräch bei der Frauenärztin ab?
Besprochen werden Beschwerden, Nutzen, Risiken und Alternativen. Eine frühere Brustkrebserkrankung, Thrombose, ein Schlaganfall, ungeklärte Blutungen oder Gefäßrisiken sind vor jeder Verordnung ärztlich zu prüfen. Nach etwa drei Monaten sieht die europäische Leitlinie eine Kontrolle vor. Welche Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, klärt die Ärztin [3] [27].
Muss eine Hormontherapie nach fünf Jahren enden?
Eine allgemeine starre Fünfjahresgrenze ist nicht belegt. Fortdauer und Beendigung werden anhand der Beschwerden, Risiken und Präferenzen wiederholt geprüft; für viele moderne Schemata fehlen verlässliche Langzeitdaten [3] [1].
Was ist bei vorzeitigem Ausfall der Eierstockfunktion anders?
Lässt die Eierstockfunktion schon vor dem 40. Lebensjahr nach, empfehlen internationale Fachgesellschaften meist Hormonersatz bis zum üblichen Menopausealter, sofern keine Gegenanzeige besteht. Das ist eine andere Ausgangslage als der Beginn einer Hormontherapie nach natürlicher Menopause [29].
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- The North American Menopause Society. The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2022;29:767–794. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35797481/
- Panay N et al. International Menopause Society (IMS) recommendations and key messages on women’s midlife health and menopause. Climacteric. 2025;28:634–656. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13697137.2025.2585487
- Lumsden MA et al. European Society of Endocrinology clinical practice guideline for evaluation and management of menopause and the perimenopause. European Journal of Endocrinology. 2025;193:G49–G81. https://academic.oup.com/ejendo/article/193/4/G49/8281862
- Writing Group for the Women’s Health Initiative Investigators; Rossouw JE et al. Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women. JAMA. 2002;288:321–333. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/195120
- Anderson GL et al. Effects of conjugated equine estrogen in postmenopausal women with hysterectomy. JAMA. 2004;291:1701–1712. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15082697/
- Beral V; Million Women Study Collaborators. Breast cancer and hormone-replacement therapy in the Million Women Study. The Lancet. 2003;362:419–427. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12927427/
- Heinig M, Braitmaier M, Haug U. Prescribing of menopausal hormone therapy in Germany: Current status and changes between 2004 and 2016. Pharmacoepidemiology and Drug Safety. 2021;30:462–471. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pds.5186
- Chlebowski RT et al. Association of Menopausal Hormone Therapy With Breast Cancer Incidence and Mortality During Long-term Follow-up of the Women’s Health Initiative Randomized Clinical Trials. JAMA. 2020;324:369–380. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7388026/
- Rossouw JE et al. Postmenopausal hormone therapy and risk of cardiovascular disease by age and years since menopause. JAMA. 2007;297:1465–1477. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/206404
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. Reg.-Nr. 015-062, Konsultationsfassung (DRAFT), Juni 2026; Konsultationsmeldung vom 10.06.2026. AWMF. 2026. https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-062l_S3_KF_Peri-und-Postmenopause-Diagnostik-Interventionen_2026-06.pdf ; https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/konsultationsfassung-peri-und-postmenopause-diagnostik-und-interventionen
- Cauley JA et al. Effects of estrogen plus progestin on risk of fracture and bone mineral density: the Women’s Health Initiative randomized trial. JAMA. 2003;290:1729–1738. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14519707/
- Pan Z et al. Different regimens of menopausal hormone therapy for improving sleep quality: a systematic review and meta-analysis. Menopause. 2022;29:627–635. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9060837/
- Gordon JL et al. Efficacy of transdermal estradiol and micronized progesterone in the prevention of depressive symptoms in the menopause transition. JAMA Psychiatry. 2018;75:149–157. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5838629/
- Shumaker SA et al. Estrogen plus progestin and the incidence of dementia and mild cognitive impairment in postmenopausal women. JAMA. 2003;289:2651–2662. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/196628
- Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of worldwide epidemiological evidence. The Lancet. 2019;394:1159–1168. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6891893/
- Vinogradova Y, Coupland C, Hippisley-Cox J. Use of hormone replacement therapy and risk of venous thromboembolism: nested case-control studies. BMJ. 2019;364:k4810. https://www.bmj.com/content/364/bmj.k4810
- Renoux C et al. Transdermal and oral hormone replacement therapy and the risk of stroke. BMJ. 2010;340:c2519. https://www.bmj.com/content/340/bmj.c2519
- Kim D et al. Hormone therapy in postmenopausal women and risk of endometrial hyperplasia or endometrial cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2025;10:CD000402. https://www.cochrane.org/evidence/CD000402_which-types-menopause-hormone-therapy-are-best-reducing-risk-thickening-and-cancer-womb-lining
- Liu B et al. Gallbladder disease and use of transdermal versus oral hormone replacement therapy in postmenopausal women: prospective cohort study. BMJ. 2008;337:a386. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2500203/
- U.S. Food and Drug Administration. FDA Requests Labeling Changes Related to Safety Information to Clarify the Benefit/Risk Considerations for Menopausal Hormone Therapies. FDA Drug Safety Communication. 10.11.2025. https://www.fda.gov/drugs/drug-alerts-and-statements/fda-requests-labeling-changes-related-safety-information-clarify-benefitrisk-considerations
- U.S. Food and Drug Administration. FDA Approves Labeling Changes to Menopausal Hormone Therapy Products. FDA News Release. 12.02.2026. https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-labeling-changes-menopausal-hormone-therapy-products
- The Menopause Society. The Menopause Society Comments on the FDA Announcement on Hormone Therapy. Stellungnahme. 10.11.2025. https://menopause.org/press-releases/the-menopause-society-comments-on-the-fda-announcement-on-hormone-therapy
- Deutsche Menopause Gesellschaft e.V. (DMG). US-Arzneimittelbehörde entfernt „Black-Box“-Warnhinweise auf Präparaten. Stellungnahme. 2025. https://www.menopause-gesellschaft.de/_files/ugd/cda2c3_49493eb7e5bf471d899cf1cbef6520f7.pdf
- American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Compounded Bioidentical Menopausal Hormone Therapy. Clinical Consensus No. 6. 2023. https://www.acog.org/clinical/clinical-guidance/clinical-consensus/articles/2023/11/compounded-bioidentical-menopausal-hormone-therapy
- Constantine GD et al. Endometrial safety of low-dose vaginal estrogens in menopausal women: a systematic evidence review. Menopause. 2019;26:800–807. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6636806/
- Poggio F et al. Safety of systemic hormone replacement therapy in breast cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Breast Cancer Research and Treatment. 2022;191:269–275. https://link.springer.com/article/10.1007/s10549-021-06436-9
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Menopause: identification and management (NG23), NICE guideline. NICE. 2015, aktualisiert November 2024. https://www.nice.org.uk/guidance/ng23/chapter/recommendations ; https://www.nice.org.uk/guidance/ng23/chapter/Update-information
- American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Treatment of Urogenital Symptoms in Individuals With a History of Estrogen-dependent Breast Cancer. Clinical Consensus No. 2. 2021. https://www.acog.org/clinical/clinical-guidance/clinical-consensus/articles/2021/12/treatment-of-urogenital-symptoms-in-individuals-with-a-history-of-estrogen-dependent-breast-cancer
- Panay N et al.; ESHRE/ASRM/IMS Guideline Group. Evidence-based guideline: premature ovarian insufficiency. Human Reproduction Open. 2024;2024:hoae065. https://academic.oup.com/hropen/article/2024/4/hoae065/7918369
- Stute P, Eversheim H, Ortius-Lechner D, May M, Feig C. Care reality of menopausal women in Germany: healthcare research using quantitative (SHI claims data) and qualitative (survey) data collection. Archives of Gynecology and Obstetrics. 2022;306:513–521. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9349310/
- Bundesministerium der Justiz/Bundesamt für Justiz. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch, § 31 Arznei- und Verbandmittel, Verordnungsermächtigung. Gesetz im Internet. Stand 2026. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html
- Tatsioni A, Siontis GCM, Ioannidis JPA. Partisan perspectives in the medical literature: a study of high frequency editorialists favoring hormone replacement therapy. Journal of General Internal Medicine. 2010;25:914–919. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2917671/
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Veoza (fezolinetant): EPAR – Medicine overview. EMA. EU-Zulassung seit 07.12.2023; Seitenstand 2026. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/veoza
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Lynkuet (elinzanetant): EPAR – Medicine overview. EMA. EU-Zulassung seit 17.11.2025; Seitenstand 2026. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/lynkuet
