STECKBRIEF
- Was: Röntgenaufnahme der Brust, üblicherweise zwei Bilder je Seite
- Dauer und Belastung: etwa 15 Minuten; Strahlendosis der Brust im Mittel rund 2,7 Milligray je Untersuchung
- Im Früherkennungsprogramm: Frauen von 50 bis 75 Jahren ohne Beschwerden, alle zwei Jahre, freiwillig, Kassenleistung
- Bei Beschwerden oder Verdacht: Abklärung in jedem Alter, Kassenleistung
- Wer befundet: im Programm zwei Fachärztinnen oder Fachärzte unabhängig voneinander
- Studienlage: senkt in der Gruppe der Teilnehmerinnen die Zahl der Brustkrebstodesfälle; Fehlalarme und Überdiagnosen gehören zur Bilanz
Der Brief kommt mit fertigem Termin. Alle zwei Jahre lädt eine Zentrale Stelle jede Frau zwischen 50 und 75 Jahren zur Mammographie ein [1] [2]. Viele gehen hin, weil man eben hingeht. Andere zögern, weil sie von Fehlalarmen, Strahlung oder schmerzhaftem Zusammendrücken gehört haben.
Beides hat seinen Grund. Die Mammographie kann Tumoren finden, bevor sie tastbar sind, und rettet damit in der Gruppe der Teilnehmerinnen Leben. Sie findet aber auch Krebs, der nie Beschwerden gemacht hätte, und schlägt manchmal Alarm, wo nichts ist. Die Teilnahme ist freiwillig [2]. Eine gute Entscheidung beginnt mit den Zahlen.
Was die Untersuchung bringt und was sie kostet
Von 1.000 Frauen, die von 50 bis 75 Jahren regelmäßig am Screening teilnehmen (25 Jahre):
- Vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt: etwa 3 bis 8. Ohne Screening sterben in diesem Zeitraum etwa 24 von 1.000 Frauen an Brustkrebs, mit Screening etwa 16 bis 21 [3] [4]
- Überdiagnose mit unnötiger Behandlung: etwa 11 bis 15 [3]
- Zusätzliche Brustkrebserkrankung durch die Röntgenstrahlung: weniger als 1 (geschätzt etwa 0,3) [5]
Von 1.000 Frauen bei einer einzelnen Untersuchungsrunde:
- Verdachtsbefund, der sich als harmlos herausstellt: etwa 24 [3]
- Brustkrebs in den zwei Jahren bis zur nächsten Einladung trotz unauffälligem Befund: etwa 2 [3]
Die Zahlen sind Schätzungen für eine große Gruppe von Frauen, keine Vorhersage für die einzelne Frau. Sie stammen aus der Entscheidungshilfe, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit der Einladung verschickt.
Hinter den beiden Schäden stecken verschiedene Dinge. Ein Fehlalarm ist ein auffälliges Bild, das sich bei der Abklärung als harmlos erweist; er kostet Wochen der Sorge, manchmal eine Gewebeprobe. Eine Überdiagnose ist dagegen echter Krebs, nur einer, der zu Lebzeiten der Frau nie in Erscheinung getreten wäre [5]. Er wird trotzdem operiert, bestrahlt oder medikamentös behandelt, weil niemand im Einzelfall sagen kann, welcher Tumor harmlos geblieben wäre.
Wie groß der Nutzen ist, wird seit Jahrzehnten gestritten, auch weil die großen Studien alt und unterschiedlich gut sind. Ein Cochrane-Review, der nur die drei methodisch besten gelten lässt, fand nach 13 Jahren rund zehn Prozent weniger Brustkrebstodesfälle; der Unterschied war statistisch nicht sicher [6]. Ein unabhängiges britisches Gutachten wertete zehn von elf Studien aus und kam auf ein Fünftel weniger Brustkrebstodesfälle unter den eingeladenen Frauen [7]. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO hält den Nutzen für Frauen von 50 bis 69 Jahren für ausreichend belegt: In Beobachtungsstudien starben eingeladene Frauen im Schnitt zu knapp einem Viertel seltener an Brustkrebs, Frauen, die tatsächlich teilnahmen, um etwa 40 Prozent seltener [8].
Auch Deutschland hat sein Programm untersucht. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) senkte die Teilnahme bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in den Jahren 2009 bis 2018 das Risiko, innerhalb von zehn Jahren an Brustkrebs zu sterben, um 20 bis 30 Prozent [9]. Die Auswertung beruht auf Beobachtungsdaten. Eine Vergleichsgruppe ohne Programm gab es nicht, weil es bundesweit gleichzeitig startete [9].
Prozentwerte klingen größer als die absoluten Zahlen in der Box, doch beides stimmt: Ein Viertel weniger von einer kleinen Zahl bleibt eine kleine Zahl. Bei der Überdiagnose reichen die Schätzungen von 4 bis 11 Prozent in Studien mit langer Nachbeobachtung bis zu deutlich höheren Annahmen [8] [7] [6].
So läuft die Untersuchung ab
Am Untersuchungstag bleiben Deo und Cremes an Brust und Achseln möglichst weg; frühere Befunde kommen mit [10]. Eine medizinische Fachkraft legt die Brust auf eine Platte und drückt sie mit einer zweiten Platte flach. Je flacher die Brust, desto aussagekräftiger das Bild und desto geringer die Strahlung [10]. Üblich sind vier Aufnahmen, zwei je Seite: einmal von oben und einmal schräg von der Seite [10] [11]. Die Aufnahmen selbst dauern Sekunden, die ganze Untersuchung etwa eine Viertelstunde [10].
Das Zusammendrücken ist unangenehm, für manche Frauen schmerzhaft. In einzelnen Studien gab bis zu jede dritte Frau Schmerzen an [12]. Was hilft, ist nur in Einzelstudien untersucht: gute Information vorab und die Möglichkeit, den Druck in Grenzen selbst mitzusteuern [12].
Im Programm beurteilen zwei Fachärztinnen oder Fachärzte die Bilder unabhängig voneinander [5]. Das Ergebnis kommt in der Regel innerhalb von sieben Werktagen per Brief [13]. Ist etwas unklar, folgt eine Einladung zur Abklärung: weitere Röntgenbilder, ein Ultraschall und, wenn der Verdacht bleibt, eine Gewebeprobe mit einer Hohlnadel [13]. Erst diese Probe zeigt, ob eine Veränderung gutartig oder bösartig ist [10]. Ein Rückruf ist also keine Diagnose. Bei den meisten Frauen bestätigt sich der Verdacht nicht [3].
Praxisbox
Nicht auf den Brief warten.
Das Screening ist für Frauen ohne Beschwerden gedacht. Wer einen Knoten tastet oder eine andere neue Veränderung an der Brust bemerkt, lässt sie ärztlich abklären, auch zwischen zwei Einladungen und unabhängig vom Alter. Eine Mammographie zur Abklärung zahlt die gesetzliche Krankenversicherung auch Frauen unter 50 und über 75 Jahren [2]. Wie sich Veränderungen bemerken lassen, beschreibt der Beitrag „Die eigene Brust kennen“.
Wer eingeladen wird
Das deutsche Programm folgt festen Regeln. Den Umfang legt die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des G-BA fest, die Technik und Qualität eine eigene Verordnung [14] [15]. Wer dort befundet, beurteilt mindestens 5.000 Untersuchungen im Jahr [15]. Zwischen zwei Untersuchungen müssen mindestens 22 Monate liegen [15]. 2023 folgte rund die Hälfte der eingeladenen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren der Einladung [16].
Frauen von 50 bis 69 Jahren (Evidenz: Solide). Für diese Altersgruppe ist der Nutzen am besten untersucht [8] [9].
Frauen von 70 bis 75 Jahren (Evidenz: Mittel). Seit dem 1. Juli 2024 haben sie Anspruch, der mit dem 76. Geburtstag endet [17] [18]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stützte die Erweiterung auf nur zwei kontrollierte Studien mit rund 18.000 Frauen über 70 und auf Modellrechnungen [19]. Noch laden nicht alle Zentralen Stellen diese Altersgruppe von sich aus ein; wer keinen Brief bekommt, kann sich dort selbst anmelden [2].
Frauen von 45 bis 49 Jahren (Evidenz: Mittel). Laut IQWiG bewahrt das Screening in diesem Alter etwa 5 von 10.000 eingeladenen Frauen innerhalb von zehn Jahren vor dem Tod durch Brustkrebs [19]. Strahlenschutzrechtlich ist die Untersuchung zur Früherkennung seit dem 5. März 2026 ab 45 erlaubt [15] [20]. Eine Kassenleistung ist sie damit noch nicht: Der G-BA hat im Juli 2026 das Stellungnahmeverfahren eingeleitet und will im Oktober 2026 entscheiden [21] [1]. Bis dahin müssten jüngere Frauen eine Früherkennungs-Mammographie selbst bezahlen [2].
Ab 76 Jahren endet der Anspruch auf das Programm [18]. Belastbare Zahlen zum Nutzen eines Reihen-Screenings in diesem Alter fehlen [19].
Was das Bild zeigt und was es übersieht
Auf dem Röntgenbild erscheinen Fett dunkel, Drüsen- und Bindegewebe hell. Tumoren sind ebenfalls hell. In einer Brust mit viel Drüsengewebe, einer dichten Brust, können sie deshalb verdeckt sein [22]. Die Dichte wird in vier Stufen von A (fast nur Fett) bis D (extrem dicht) eingeteilt; knapp die Hälfte der Frauen hat eine dichte Brust der Stufe C oder D, etwa jede zwölfte die Stufe D [22]. In einer großen US-Auswertung aus den 1990er-Jahren fand die Mammographie bei extrem dichter Brust knapp zwei Drittel der Tumoren, bei fast nur fetthaltiger Brust fast neun von zehn [23]. Mit dem Alter wurde die Untersuchung treffsicherer: Bei 40- bis 44-Jährigen fand sie rund sieben von zehn Tumoren, bei über 80-Jährigen mehr als acht von zehn. Eine Hormontherapie in den Wechseljahren kann die Brust dichter machen [23].
Ob ein Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) bei dichter Brust zusätzlich sinnvoll ist, beurteilen Fachgremien unterschiedlich. In einer niederländischen Studie mit rund 40.000 Frauen halbierte eine zusätzliche MRT die Zahl der Tumoren, die innerhalb von zwei Jahren zwischen den Runden auftraten, von 5 auf 2,5 je 1.000 Frauen. Zugleich gab es 80 Fehlalarme je 1.000 MRT-Untersuchungen, und ob weniger Frauen sterben, wurde nicht gemessen [24]. Die Europäische Gesellschaft für Brustbildgebung (EUSOBI) empfiehlt Frauen von 50 bis 70 Jahren mit extrem dichter Brust eine MRT alle zwei bis vier Jahre [22]; die Brustkrebs-Initiative der Europäischen Kommission riet 2019, das nur in Studien zu tun [25]. Im deutschen Programm ist eine zusätzliche Untersuchung wegen der Dichte nicht vorgesehen. Als reine Früherkennung ohne Beschwerden oder erhöhtes Risiko sind Ultraschall und MRT Selbstzahlerleistungen, deren Nutzen der IGeL-Monitor als unklar bewertet [26] [27]. Mehr dazu im Leitartikel „Dichtes Brustgewebe: Was es für die Früherkennung bedeutet“.
Eine Weiterentwicklung ist die Tomosynthese, eine Röntgentechnik, die die Brust in dünnen Schichten darstellt und so Überlagerungen verringert [28]. In der deutschen Studie TOSYMA mit rund 100.000 Frauen fand sie 7,1 statt 4,8 invasive Tumoren je 1.000 untersuchte Frauen [29]. Ob das auch weniger Tumoren zwischen den Runden bedeutet, wird noch ausgewertet [29] [30]; eine gemeinsame Auswertung älterer Studien fand dafür keinen Unterschied [31].
Wenn die Situation anders ist
Erblich erhöhtes Risiko. Frauen mit einer krebsauslösenden Genveränderung oder einer stark belasteten Familie bekommen eine intensivierte Früherkennung über die Zentren des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Kern ist eine jährliche MRT; die Mammographie kommt ab 40 alle ein bis zwei Jahre ergänzend hinzu [32].
Brustimplantate sind kein Grund, nicht teilzunehmen. Meist werden je Brust vier statt zwei Aufnahmen gemacht, und ein Teil des Gewebes bleibt trotzdem verdeckt [33]. Wer Implantate hat, sagt es vor der Untersuchung.
Nach Brustkrebs gehört die Mammographie zur Nachsorge, außerhalb des Screening-Programms. Nach brusterhaltender Operation sieht die S3-Leitlinie die erste Kontrolle ein Jahr nach der ersten Mammographie vor, mindestens aber sechs Monate nach Ende der Bestrahlung [34]. Danach empfehlen die meisten Leitlinien eine jährliche Untersuchung beider Brüste [35].
Männer erkranken selten an Brustkrebs, ein Früherkennungsprogramm gibt es für sie nicht. Bei einem Verdacht ist die Mammographie die Untersuchung der ersten Wahl [36].
Strahlung, Schmerz und andere Sorgen
Die mittlere Strahlendosis der Brust liegt bei einer Untersuchung in zwei Ebenen bei etwa 2,7 Milligray [5]. Das BfS schätzt, dass bei regelmäßiger Teilnahme von 50 bis 75 Jahren weniger als eine von 1.000 Frauen zusätzlich wegen der Strahlung an Brustkrebs erkrankt [5]. Dem stehen 3 bis 8 von 1.000 Frauen gegenüber, die vor dem Brustkrebstod bewahrt werden [3]. Die Behauptung, die Strahlung verursache mehr Todesfälle, als das Screening verhindert, decken diese Zahlen nicht.
Hartnäckig hält sich die Sorge, das Zusammendrücken könne Krebszellen streuen. Dafür gibt es keinen Beleg. In einer kleinen schwedischen Studie mit 24 Frauen mit dringendem Krebsverdacht fanden sich nach der Mammographie nicht mehr Tumorzellen im Blut als vorher [37]. Ganz ausschließen lässt eine so kleine Studie seltene Folgen nicht.
Die Thermographie, eine Wärmebildaufnahme ohne Strahlung, wird als sanfte Alternative angeboten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt: Als alleiniger Test zur Früherkennung habe sie sich nicht bewährt [38]. Hohe Trefferquoten in Studien stammen überwiegend aus kleinen Gruppen von Frauen, bei denen schon ein verdächtiger Knoten bekannt war [39].
Regelmäßiges Abtasten ersetzt die Mammographie nicht (Evidenz: Kein Nutzen belegt). In zwei großen Studien mit zusammen fast 390.000 Frauen starben Frauen, die das Abtasten geübt hatten, nicht seltener an Brustkrebs; sie hatten aber fast doppelt so viele Gewebeproben mit gutartigem Ergebnis [40]. Die eigene Brust zu kennen und Veränderungen ernst zu nehmen, bleibt trotzdem sinnvoll [41].
Sicherheitsbox
WICHTIG ZUR SICHERHEIT
- Fehlalarm: Etwa 24 von 1.000 Frauen erhalten je Runde einen Verdacht, der sich als harmlos erweist [3]. Die Sorge kann anhalten; in einer dänischen Studie waren Frauen nach einem Fehlalarm noch Jahre später stärker belastet [42] [43], in einer US-Studie nach einem Jahr nicht mehr messbar [44].
- Überdiagnose: Ein Teil der gefundenen Tumoren wäre nie aufgefallen und wird trotzdem behandelt [5] [3].
- Übersehene Tumoren: Ein unauffälliger Befund schließt Krebs nicht sicher aus, besonders bei dichter Brust [23]. Neue Veränderungen zwischen zwei Terminen gehören in die ärztliche Praxis [2].
Strahlung: gering, aber nicht null. Röntgen-Früherkennung ist deshalb nur innerhalb der gesetzlich zugelassenen Altersgrenzen erlaubt [5] [15]. - Schmerz: Das Zusammendrücken kann wehtun. Es dauert nur Sekunden; Information vorab und ein in Grenzen selbst gesteuerter Druck können helfen [12].
- Implantate: vorher Bescheid sagen; mehr Aufnahmen sind nötig [33].
- Das Screening ersetzt keine Abklärung: Wer Beschwerden hat oder ein erblich erhöhtes Risiko, gehört in die ärztliche Versorgung, nicht ins Programm [5] [32].
Mammographie in der Lebensmitte
Der Oktober ist Brustkrebsmonat, und für viele Frauen fällt die erste Einladung mit 50 in die Wechseljahre. Am Programm ändert der Monat nichts: Anspruch und Takt bleiben gleich, die Teilnahme bleibt freiwillig [1] [2]. Für die Lebensmitte zählt vor allem die Brustdichte. Mit den Jahren wird die Mammographie meist treffsicherer, eine Hormontherapie kann die Brust aber dichter und das Bild schwerer lesbar machen [23]. Wer Hormone nimmt oder erwägt, kann das bei der Untersuchung angeben. Was die Hormontherapie sonst für die Brust bedeutet, behandelt der Leitartikel „Hormontherapie in den Wechseljahren“.
Für die Entscheidung gibt es Hilfe. Mit der Einladung kommt eine Broschüre des G-BA mit Ablauf, Vor- und Nachteilen in Zahlen [13] [3].
Woran geforscht wird
Künstliche Intelligenz soll Radiologinnen und Radiologen entlasten. In einer schwedischen Studie mit über 100.000 Frauen war ein von KI unterstütztes Lesen der Bilder ebenso sicher wie die übliche Doppelbefundung; es traten nicht mehr Tumoren zwischen den Runden auf [45]. In Deutschland fanden Screening-Einheiten mit KI-Unterstützung etwas mehr Tumoren, ohne mehr Frauen zurückzurufen; ob dadurch weniger Tumoren übersehen werden, ist noch offen [46]. Die Ergebnisse von TOSYMA zu Tumoren zwischen den Runden werden 2027 erwartet [30]. Zwei große Studien prüfen ein Screening, das sich nach dem persönlichen Risiko richtet statt nur nach dem Alter. In der US-Studie WISDOM traten damit nicht mehr fortgeschrittene Tumoren auf als mit jährlichem Screening [47]; die europäische Studie MyPeBS legt ihre Ergebnisse voraussichtlich 2028 vor [48]. Ob Frauen ab 45 ins Programm kommen, entscheidet der G-BA voraussichtlich im Oktober 2026 [1].
FAQ – Häufige Fragen
Ab welchem Alter gibt es die Mammographie kostenlos?
Frauen von 50 bis 75 Jahren können alle zwei Jahre kostenlos am Mammographie-Screening teilnehmen. Für Frauen von 45 bis 49 Jahren ist die Untersuchung seit März 2026 rechtlich erlaubt, aber noch keine Kassenleistung; der G-BA will im Oktober 2026 darüber entscheiden.
Was tun bei einem Knoten vor 50 oder nach 75?
Nicht auf eine Einladung warten, sondern ärztlich abklären lassen. Eine Mammographie zur Abklärung eines unklaren oder verdächtigen Befundes zahlt die gesetzliche Krankenversicherung in jedem Alter.
Tut die Mammographie weh?
Das Zusammendrücken der Brust ist unangenehm und kann schmerzen, dauert aber je Aufnahme nur Sekunden. Die ganze Untersuchung dauert etwa 15 Minuten. Es hilft, der Fachkraft Bescheid zu sagen, wenn es zu sehr drückt.
Bedeutet eine Einladung zur Abklärung, dass ich Krebs habe?
Nein. Bei den meisten Frauen, die zur Abklärung gebeten werden, erweist sich der Verdacht als harmlos. Erst weitere Bilder, Ultraschall und gegebenenfalls eine Gewebeprobe klären, ob eine Veränderung bösartig ist.
Kann die Mammographie Brustkrebs übersehen?
Ja. Bei etwa 2 von 1.000 Frauen wird in den zwei Jahren nach einem unauffälligen Befund Brustkrebs festgestellt. Besonders bei dichtem Brustgewebe kann ein Tumor im Röntgenbild verdeckt sein.
Wie gefährlich ist die Strahlung?
Die Dosis ist gering. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass bei regelmäßiger Teilnahme von 50 bis 75 Jahren weniger als eine von 1.000 Frauen zusätzlich wegen der Strahlung an Brustkrebs erkrankt.
Was ist eine Überdiagnose?
Eine Überdiagnose ist ein echter Brustkrebs, der ohne Screening zu Lebzeiten nie aufgefallen wäre. Weil sich das im Einzelfall nicht vorhersagen lässt, wird er trotzdem behandelt. Von 1.000 Frauen, die 25 Jahre teilnehmen, betrifft das etwa 11 bis 15.
Ist die Thermographie eine Alternative ohne Strahlung?
Nein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stellt fest, dass sich die Wärmebildaufnahme als alleinige Früherkennungsuntersuchung nicht bewährt hat. Einen Nachweis, dass sie Todesfälle durch Brustkrebs verhindert, gibt es nicht.
Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung.
Recherchestand: 1. Oktober 2026 · Nächste Prüfung: April 2027
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs: G-BA berät über Absenkung der Altersgrenze auf 45 Jahre. Pressemitteilung vom 16.04.2026. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1324/
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Mammographie-Screening (für alle Frauen von 50 bis 75 Jahren). Abgerufen 01.10.2026. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/m/mammographie-screening
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Mammographie-Screening – Eine Entscheidungshilfe. Fassung vom 19.12.2024. https://www.g-ba.de/downloads/17-98-2232/2024-12-19_G-BA_Entscheidungshilfe_Mammographie_bf.pdf
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Mehrstufige Überprüfung und Überarbeitung der Informationsmaterialien zum Mammografie-Screening-Programm (P22-03). Rapid Report, 27.09.2024. https://www.iqwig.de/projekte/p22-03.html
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Nutzen und Risiken des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland. Abgerufen 01.10.2026. https://www.bfs.de/DE/themen/ion/anwendung-medizin/diagnostik/roentgen/mammo-nutzen-risiko.html
- Gøtzsche PC, Jørgensen KJ. Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2013;6:CD001877. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001877.pub5
- Marmot MG, Altman DG, Cameron DA, et al. The benefits and harms of breast cancer screening: an independent review. British Journal of Cancer. 2013;108:2205–2240. https://doi.org/10.1038/bjc.2013.177
- Lauby-Secretan B, Scoccianti C, Loomis D, et al.; IARC Handbook Working Group. Breast-Cancer Screening – Viewpoint of the IARC Working Group. New England Journal of Medicine. 2015;372:2353–2358. https://doi.org/10.1056/NEJMsr1504363
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Evaluation der Brustkrebsmortalität im Deutschen Mammographie-Screening-Programm. Stand 09.07.2025. https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/medizin/abgeschlossen/mammographiescreening-mortalitaet.html
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Mammographie: Röntgenuntersuchung der Brust. Abgerufen 01.10.2026. https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchungen-bei-krebs/mammographie
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Brustkrebsfrüherkennung mittels Röntgenmammographie bei Frauen unter 50 Jahren. Wissenschaftliche Bewertung gemäß § 84 Abs. 3 StrlSchG. BfS-55/23. Oktober 2023. https://doris.bfs.de/jspui/bitstream/urn:nbn:de:0221-2023110840049/3/BfS-55-23.pdf
- Miller D, Livingstone V, Herbison P. Interventions for relieving the pain and discomfort of screening mammography. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2008;1:CD002942. https://doi.org/10.1002/14651858.CD002942.pub2
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Brustkrebs-Früherkennung – Mammographie-Screening-Programm. Abgerufen 01.10.2026. https://www.g-ba.de/mammographie-screening-70plus
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL). In Kraft getreten am 12.03.2026. https://www.g-ba.de/richtlinien/17/
- Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung (BrKrFrühErkV) vom 17.12.2018, zuletzt geändert durch Verordnung vom 27.02.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 53). https://www.gesetze-im-internet.de/brkrfr_herkv/BJNR266000018.html
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Bericht: 80 Prozent der im Mammographie-Screening entdeckten Tumore in frühen, prognostisch günstigen Stadien. PraxisNachrichten, 15.01.2026. https://www.kbv.de/praxis/tools-und-services/praxisnachrichten/2026/01-15/bericht-80-prozent-der-im-mammographie-screening-entdeckten-tumore-in-fruehen-prognostisch-guenstigen-stadien
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Krebsfrüherkennungs-Richtlinie: Erweiterung der oberen Altersgrenzen im Mammographie-Screening-Programm. Beschluss vom 21.09.2023, BAnz AT 14.03.2024 B5, in Kraft seit 01.07.2024. https://www.g-ba.de/beschluesse/6183/
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Mammographie-Screening ab 1. Juli auch für Frauen von 70 bis 75 Jahren. Pressemitteilung vom 26.06.2024. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1193/
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Mammografie-Screening-Programm: Das IQWiG empfiehlt, auch jüngere und ältere Frauen miteinzubeziehen. Pressemitteilung zum Abschlussbericht S21-01, 28.07.2022. https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_75008.html
- Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Brustkrebs-Früherkennung künftig für Frauen ab 45 zulässig. Pressemitteilung vom 04.03.2026. https://www.bundesumweltministerium.de/pressemitteilung/brustkrebs-frueherkennung-kuenftig-fuer-frauen-ab-45-zulaessig
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Erweiterung der unteren Altersgrenze im Mammographie-Screening sowie weitere Änderungen. Bewertungsverfahren, Stand 01.10.2026. https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/methodenbewertung/327/
- Mann RM, Athanasiou A, Baltzer PAT, et al. Breast cancer screening in women with extremely dense breasts: recommendations of the European Society of Breast Imaging (EUSOBI). European Radiology. 2022;32:4036–4045. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9122856/
- Carney PA, Miglioretti DL, Yankaskas BC, et al. Individual and combined effects of age, breast density, and hormone replacement therapy use on the accuracy of screening mammography. Annals of Internal Medicine. 2003;138(3):168–175. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12558355/
- Bakker MF, de Lange SV, Pijnappel RM, et al.; DENSE Trial Study Group. Supplemental MRI Screening for Women with Extremely Dense Breast Tissue. New England Journal of Medicine. 2019;381:2091–2102. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1903986
- European Commission Initiative on Breast Cancer (ECIBC). Tailored screening with MRI based on high mammographic breast density. Evidence-to-decision framework. European Commission, Joint Research Centre. 25.11.2019. https://healthcare-quality.jrc.ec.europa.eu/sites/default/files/Guidelines/EtDs/Updated/2020/ECIBC_GLs_EtD_dense_breast_MRI.pdf
- Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung. Evidenzbewertung 2025. https://www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/ultraschall-der-brust-zur-krebsfrueherkennung.html
- Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. MRT der Brust zur Krebsfrüherkennung. Evidenzbewertung 2025. https://www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/mrt-der-brust-zur-krebsfrueherkennung.html
- Gao Y, Moy L, Heller SL. Digital Breast Tomosynthesis: Update on Technology, Evidence, and Clinical Practice. RadioGraphics. 2021;41:321–337. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8170874/
- Heindel W, Weigel S, Gerß J, et al. Digital breast tomosynthesis plus synthesised mammography versus digital screening mammography for the detection of invasive breast cancer (TOSYMA): a multicentre, open-label, randomised, controlled, superiority trial. Lancet Oncology. 2022;23(5):601–611. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(22)00194-2
- ClinicalTrials.gov. Breast Cancer Screening: Digital Breast Tomosynthesis Versus Digital 2D Mammography (TOSYMA), NCT03377036. Abgerufen 01.10.2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT03377036
- Houssami N, Hofvind S, Bernardi D, et al. Interval breast cancer rates for digital breast tomosynthesis versus digital mammography population screening: an individual participant data meta-analysis. eClinicalMedicine. 2021;34:100804. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8102709/
- Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Intensivierte Früherkennung. Abgerufen 01.10.2026. https://www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de/betreuungskonzept/praevention/intensivierte-frueherkennung/
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Ist eine Mammographie mit Implantaten möglich? 24.07.2023. https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/ist-eine-mammographie-mit-implantaten-moeglich
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 5.1, AWMF-Registernummer 032-045OL. Juni 2026. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom/
- Swinnen J, Keupers M, Soens J, et al. Breast imaging surveillance after curative treatment for primary non-metastasised breast cancer in non-high-risk women: a systematic review. Insights into Imaging. 2018;9:959–970. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6269345/
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Mammakarzinom des Mannes. Onkopedia-Leitlinie, Stand August 2016. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-des-mannes
- Förnvik D, Andersson I, Dustler M, et al. No evidence for shedding of circulating tumor cells to the peripheral venous blood as a result of mammographic breast compression. Breast Cancer Research and Treatment. 2013;141(2):187–195. https://doi.org/10.1007/s10549-013-2674-z
- U.S. Food and Drug Administration (FDA). Breast Cancer Screening: Thermogram No Substitute for Mammogram. Consumer Update, 06.10.2023. https://www.fda.gov/consumers/consumer-updates/breast-cancer-screening-thermogram-no-substitute-mammogram
- Goñi-Arana A, Pérez-Martín J, Díez FJ. Breast thermography: a systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews. 2024;13:239. https://doi.org/10.1186/s13643-024-02708-9
- Kösters JP, Gøtzsche PC. Regular self-examination or clinical examination for early detection of breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2003;(2):CD003373. https://doi.org/10.1002/14651858.CD003373
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Brustkrebs: Früherkennung. Abgerufen 01.10.2026. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/frueherkennung
- Brodersen J, Siersma VD. Long-Term Psychosocial Consequences of False-Positive Screening Mammography. Annals of Family Medicine. 2013;11(2):106–115. https://doi.org/10.1370/afm.1466
- Gram EG, Siersma VD, Brodersen J. Long-term psychosocial consequences of false-positive screening mammography: a cohort study with follow-up of 12–14 years in Denmark. BMJ Open. 2023;13:e072188. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2022-072188
- Tosteson ANA, Fryback DG, Hammond CS, et al. Consequences of False-Positive Screening Mammograms. JAMA Internal Medicine. 2014;174(6):954–961. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2014.1384
- Gommers J, Hernström V, Josefsson V, et al. Interval cancer, sensitivity, and specificity comparing AI-supported mammography screening with standard double reading without AI in the MASAI study. The Lancet. 2026;407(10527):505–514. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41620232/
- Eisemann N, Bunk S, Mukama T, et al. Nationwide real-world implementation of AI for cancer detection in population-based mammography screening. Nature Medicine. 2025;31:917–924. https://doi.org/10.1038/s41591-024-03408-6
- Esserman LJ, Fiscalini AS, Naeim A, et al. Risk-Based vs Annual Breast Cancer Screening: The WISDOM Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026;335(9):763–774. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2842903
- ClinicalTrials.gov. My Personalized Breast Screening (MyPeBS), NCT03672331. Abgerufen 01.10.2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT03672331