Reisemedizin: Sicher im Urlaub

Impfungen, Mückenschutz & Co.: So bleibst du auf Reisen gesund.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem weißen Sandstrand, die Sonne wärmt Ihre Haut, das Rauschen der Wellen beruhigt den Geist – und plötzlich durchbricht ein stechender Schmerz im Bauch oder ein plötzlicher Fieberschub die Idylle. Krankheit im Urlaub ist der Albtraum jedes Reisenden. Gerade jetzt, in der Hochsaison des Sommers, wenn die Koffer gepackt und die Vorfreude am größten ist, rückt die Reisemedizin in den Fokus. Doch Reisemedizin ist mehr als nur das Abhaken einer Impfliste; sie ist die Kunst, sich in fremden Umgebungen sicher zu bewegen, ohne die Neugier auf die Welt zu verlieren. Sie verbindet die Vorbereitung auf mikrobiologische Herausforderungen mit dem bewussten Umgang mit Hitze, Sonne und der eigenen Konstitution.

Die Basis der Prävention: Impfschutz für globale Entdecker

Der erste Schritt in eine sichere Reise beginnt oft Wochen vor dem eigentlichen Abflug. Die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) betonen die Wichtigkeit einer individuellen Risikoabschätzung [1]. Diese hängt maßgeblich von Reiseroute, Reisedauer und dem persönlichen Reisestil ab. Für viele Fernreiseziele, aber auch für Regionen am Mittelmeer, ist ein Schutz gegen Hepatitis A essenziell. Gerade vor dem Hintergrund des Welt-Hepatitis-Tages Ende Juli wird deutlich, dass Prävention hier der beste Schutz ist. Das Hepatitis-A-Virus wird primär fäkal-oral übertragen, was in Ländern mit unzureichenden Hygienestandards ein hohes Risiko darstellt [2]. Für bestimmte Regionen in Afrika und Lateinamerika ist zudem die Gelbfieberimpfung nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern oft eine zwingende Einreisevoraussetzung [3]. Interessanterweise zeigt sich, dass auch bei vermeintlich bekannten Erregern wie Typhus eine zunehmende Resistenzproblematik auftritt, was die Bedeutung eines aktuellen Impfschutzes unterstreicht [1].

Der unsichtbare Feind: Mücken als Überträger

Ein oft unterschätztes Risiko auf Reisen sind vektorübertragene Krankheiten. Mücken sind nicht nur lästig, sondern fungieren als Überträger für Malaria, Dengue-, Zika- und Chikungunya-Fieber. Die Expositionsprophylaxe, also der direkte Schutz vor Mückenstichen, bildet hier die wichtigste Verteidigungslinie. Repellents auf Basis von DEET oder Icaridin, in Kombination mit heller, langer Kleidung und dem Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen, sind unerlässlich [4]. Bei Reisen in Hochrisikogebiete für Malaria ist zusätzlich eine medikamentöse Chemoprophylaxe in Erwägung zu ziehen. Die Resistenzlage der Erreger, insbesondere bei Plasmodium falciparum, erfordert eine sorgfältige und aktuelle Beratung durch einen Tropenmediziner [4]. Es ist eine faszinierende, wenn auch beunruhigende Dynamik, wie sich Erreger und Überträger anpassen, was eine ständige Wachsamkeit der Reisenden erfordert.

Mikrobiom auf Reisen: Wenn der Magen streikt

Reisedurchfall ist der unangefochtene Spitzenreiter unter den reiseassoziierten Erkrankungen. Bis zu 70 Prozent der Reisenden machen während eines zweiwöchigen Aufenthalts Bekanntschaft mit diesem unangenehmen Begleiter [5]. Die Ursache liegt meist in bakteriellen Infektionen, ausgelöst durch enterotoxische Escherichia coli (ETEC) oder Campylobacter jejuni, seltener durch Noroviren [6]. Die alte Regel „Cook it, boil it, peel it or forget it“ hat zwar nicht an Gültigkeit verloren, doch zeigt die Praxis, dass auch bei Vorsicht ein Restrisiko bleibt. Die Therapie der Wahl ist die orale Rehydratation – der Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten [5]. Der präventive Einsatz von Antibiotika wird heute aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung kritisch gesehen und ist Ausnahmefällen vorbehalten [6]. Hier zeigt sich ein Paradigmenwechsel: Weg von der prophylaktischen Antibiose, hin zur Stärkung der eigenen Resilienz und gezielten symptomatischen Behandlung.

Gefahren vor der Haustür: Zecken und FSME

Man muss nicht in die Tropen reisen, um gesundheitlichen Risiken zu begegnen. Die Ausbreitung von Risikogebieten für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Deutschland und Europa ist ein deutliches Signal. Die Fallzahlen verharren auf einem hohen Niveau, und die Risikogebiete dehnen sich kontinuierlich nach Norden aus [7]. Eine FSME-Impfung wird für Personen in diesen Regionen dringend empfohlen, zumal die Impfquoten, besonders bei älteren Menschen, unzureichend sind [7]. Neben FSME übertragen Zecken auch die Lyme-Borreliose, gegen die keine Impfung existiert. Hier hilft nur die schnelle Entfernung der Zecke, da die Übertragung der Bakterien erst nach einigen Stunden des Saugens erfolgt [8]. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Selbstbeobachtung nach Aufenthalten in der Natur.

Klima im Wandel: Hitze und UV-Strahlung

Die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre haben die Bedingungen für Reisende spürbar verändert. Hitzeperioden und extreme UV-Strahlung sind keine Randphänomene mehr, sondern zentrale Herausforderungen, insbesondere im Hochsommer. Der Schutz vor Hitzeschäden wie Dehydration oder Sonnenstich erfordert eine bewusste Anpassung des Verhaltens: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das Meiden der Mittagssonne und eine angemessene Akklimatisierungsphase sind essenziell [9]. Ebenso wichtig ist der konsequente UV-Schutz zur Prävention von Hautkrebs, einer Erkrankung, deren Inzidenz in Deutschland weiter steigt [10]. Dermatologen mahnen zu einem großzügigen Umgang mit Sonnencreme und textilen Schutzmaßnahmen [10]. Die Reisemedizin der Zukunft wird sich verstärkt mit diesen umweltbedingten Stressoren auseinandersetzen müssen.

Die natürliche Reiseapotheke: Vorsorge im Gepäck

Eine gut durchdachte Reiseapotheke ist der Anker in der medizinischen Selbstversorgung. Sie sollte individuell auf das Reiseziel und die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt sein. Neben Schmerzmitteln, Medikamenten gegen Durchfall und Verbandsmaterialien rückt zunehmend das Konzept der „nachhaltigen Reiseapotheke“ in den Fokus [11]. Dies bedeutet, Bestände zu prüfen, unnötigen Verwurf zu vermeiden und Abfälle fachgerecht zu entsorgen. Für chronisch Kranke ist die Mitnahme einer ausreichenden Menge an Dauermedikation sowie eines mehrsprachigen Medikationsplans unerlässlich [12].

Vorbereitung als Schlüssel zur Gelassenheit

Die Komplexität reisemedizinischer Fragestellungen erfordert eine frühzeitige und fundierte Beratung. Idealerweise sollte diese vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt erfolgen, um Impfzyklen abschließen zu können [13]. Die Reisemedizin lehrt uns, dass Sicherheit nicht in der Vermeidung von Unbekanntem liegt, sondern in der kompetenten Vorbereitung darauf. Wer die Risiken kennt und sich entsprechend schützt, kann die Welt mit offeneren Augen und einem beruhigten Geist entdecken. Wahre Erholung beginnt mit dem Wissen, für die kleinen und großen Herausforderungen des Weges gerüstet zu sein.

FAQ – Häufige Fragen zu Reisemedizin

Was ist die wichtigste Maßnahme gegen Reisedurchfall?
Die wichtigste Maßnahme ist die Einhaltung der Lebensmittelhygiene nach der Regel „Cook it, boil it, peel it or forget it“. Bei einer Erkrankung steht der Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten (orale Rehydratation) im Vordergrund.

Wann sollte man mit der Impfplanung für eine Fernreise beginnen?
Idealerweise sollte die reisemedizinische Beratung und Impfplanung 4 bis 6 Wochen vor der Abreise beginnen. So bleibt ausreichend Zeit, um auch mehrteilige Impfzyklen abzuschließen.

Hilft die FSME-Impfung auch gegen Borreliose?
Nein, die FSME-Impfung schützt nur vor der durch Viren ausgelösten Frühsommer-Meningoenzephalitis. Gegen die bakteriell verursachte Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung; hier hilft nur das schnelle Entfernen der Zecke.

Wie wirkt Mückenschutz am besten in den Tropen?
Am effektivsten ist die Kombination aus Repellents mit DEET (30-50%) oder Icaridin (ab 20%) auf der Haut, dem Tragen von heller, langer Kleidung und dem Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Hepatitis A und B auf Reisen?
Hepatitis A wird primär über verunreinigte Lebensmittel und Wasser übertragen, während Hepatitis B über infektiöse Körperflüssigkeiten (z.B. bei ungeschütztem Sex oder medizinischen Eingriffen) weitergegeben wird. Gegen beide Formen gibt es wirksame Impfungen.

Kann man Medikamente problemlos ins Ausland mitnehmen?
Für den Eigenbedarf ist die Mitnahme meist unproblematisch. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, insbesondere solchen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, sind jedoch ein ärztlicher Medikationsplan und länderspezifische Einfuhrbestimmungen zu beachten.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. STIKO und DTG. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epidemiologisches Bulletin 14/2025. 2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/14_25.pdf?__blob=publicationFile
  2. Centrum für Reisemedizin (CRM). Pressemeldung: Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2024 – Mit vereinten Kräften gegen Virushepatitis. 2024. https://crm.de/wp-content/uploads/PM-CRM_Welt-Hepatitis-Tag-Juli-2024_F.pdf
  3. Auswärtiges Amt. Reisen und Gesundheit – Gelbfieber. auswaertiges-amt.de. 2023. https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/reise-gesundheit/gelbfieber-2562864
  4. Rothe C et al. Empfehlungen zur Malariaprophylaxe. Flug u Reisemed. 2024. https://www.dtg.org/images/Startseite-Download-Box/2024_DTG_Empfehlungen_Malaria.pdf
  5. Connor BA, Leung DT. Travelers‘ Diarrhea. CDC Yellow Book: Health Information for International Travel. 2026. https://www.cdc.gov/yellow-book/hcp/preparing-international-travelers/travelers-diarrhea.html
  6. Manthey CF, Epple HJ, Keller KM, et al. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). AWMF-Registernummer: 021-024. 2023. https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-024l_S2k_Gastrointestinale_Infektionen_2023-11_1.pdf
  7. Robert Koch-Institut (RKI). FSME-Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2026). Epidemiologisches Bulletin 9/2026. 2026. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/09_26.pdf
  8. Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber Lyme-Borreliose. RKI-Ratgeber. 2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_LymeBorreliose.html
  9. Robert Koch-Institut (RKI). FAQ zu Klimawandel und Gesundheit sowie Gefährdung durch Hitze. RKI Website. 2026. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Klimawandel-und-Gesundheit/FAQ-Klimawandel.html
  10. Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) & Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Hautkrebsmonat Mai: Prävention beginnt mit der richtigen Anwendung von Sonnencreme. derma.de. 2025. https://derma.de/presse/hautkrebsmonat-mai-praevention-beginnt-mit-der-richtigen-anwendung-von-sonnencreme
  11. Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG). Nachhaltige Reiseapotheke. dtg.org. 2024. https://dtg.org/aktuelles/nachhaltige-reiseapotheke.html
  12. ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Checkliste Reiseapotheke. abda.de. o.J. https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Oeffentlichkeitsarbeit/Reiseapotheke/Checkliste_Reiseapotheke.pdf
  13. CRM Centrum für Reisemedizin. Startseite und Fachinformationen. crm.de. 2026. https://crm.de/