Was ist eine Sinusitis?
Eine Sinusitis ist eine Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen, den luftgefüllten Hohlräumen im Gesichtsschädel, die mit der Nasenhöhle verbunden sind. Da fast immer auch die Nasenschleimhaut selbst betroffen ist, sprechen Mediziner heute präziser von einer Rhinosinusitis [1]. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch und verursacht erhebliche Gesundheitskosten [1].
Man unterscheidet verschiedene Verlaufsformen:
- Akute Rhinosinusitis: Symptome dauern weniger als 12 Wochen an und heilen vollständig aus.
- Chronische Rhinosinusitis: Symptome halten länger als 12 Wochen an.
- Rezidivierende akute Rhinosinusitis: Mindestens vier Episoden pro Jahr, die jeweils vollständig ausheilen.
Die weitaus häufigste Ursache für eine akute Rhinosinusitis ist eine Virusinfektion im Rahmen einer Erkältung. Nur in etwa 0,5 bis 2 Prozent der Fälle entwickelt sich auf dem Boden der viralen Entzündung eine zusätzliche bakterielle Infektion [1]. Diese Unterscheidung ist entscheidend, da Antibiotika nur gegen Bakterien wirken und bei einer rein viralen Sinusitis nutzlos sind.
Was zeigt die Evidenz?
Die moderne Medizin betrachtet die Entstehung der Sinusitis als ein multifaktorielles Geschehen. Am Anfang steht meist eine Störung des Sekretabflusses aus den Nebenhöhlen. Anatomische Engstellen, wie eine verkrümmte Nasenscheidewand, oder eine durch Viren oder Allergien ausgelöste Schwellung der Schleimhäute führen zu einem Sekretstau. Dieser Stau schafft ein ideales Milieu für die Vermehrung von Krankheitserregern [2].
Die Diagnose einer akuten Rhinosinusitis wird in der Regel klinisch gestellt, basierend auf typischen Symptomen wie:
- Verstopfte Nase
- Gesichtsschmerz oder Druckgefühl, das sich beim Vorbeugen verstärkt
- Eitriger Nasenausfluss (oft gelb-grünlich)
- Verminderter Geruchssinn
Bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) sind nur bei Verdacht auf Komplikationen, bei chronischen Verläufen oder zur Operationsplanung notwendig [3].
Die Therapie der unkomplizierten akuten Rhinosinusitis ist primär symptomatisch. Die aktuellen deutschen S2k-Leitlinien, ergänzt durch neuere internationale Empfehlungen, betonen einen zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika [4] [5]. Als gut belegt gelten folgende Maßnahmen:
- Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol.
- Abschwellende Nasensprays: Kurzzeitige Anwendung (maximal 5-7 Tage) zur Verbesserung der Nasenatmung.
- Nasenspülungen: Saline Lösungen helfen, den Schleim zu lösen und die Schleimhäute zu befeuchten.
- Pflanzliche Arzneimittel: Bestimmte Phytotherapeutika, wie ein Extrakt aus fünf Heilpflanzen (BNO 1016), können die Symptome lindern und werden in den Leitlinien als Option genannt [4].
Ein Antibiotikum ist nur bei schweren Verläufen mit starken Schmerzen, hohem Fieber (>39°C) oder bei Anzeichen für Komplikationen indiziert [5].
Bei der chronischen Rhinosinusitis steht die Kontrolle der Entzündung im Vordergrund. Hier spielen neben anatomischen Faktoren und persistierenden Infektionen auch eine fehlgeleitete Immunreaktion des Körpers eine wesentliche Rolle [2]. Die Behandlung umfasst oft langzeitig angewendete kortisonhaltige Nasensprays und bei Therapieversagen eine funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie (FESS) [4].
Praxisbox: Was Sie selbst tun können
- Für freien Abfluss sorgen: Nutzen Sie Nasenspülungen mit Salzwasser und inhalieren Sie Wasserdampf, um den Schleim zu verflüssigen.
- Ausreichend trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Verflüssigung des Sekrets.
- Abschwellende Sprays mit Bedacht: Verwenden Sie abschwellende Nasensprays nur für wenige Tage, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.
- Pflanzliche Helfer nutzen: Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach evidenzbasierten pflanzlichen Präparaten zur Linderung der Symptome.
Sicherheitsbox: Wann zum Arzt?
Suchen Sie umgehend einen Arzt auf bei:
- Starken, unerträglichen Kopfschmerzen
- Hohem Fieber (über 39°C)
- Schwellung oder Rötung im Gesicht, insbesondere um die Augen
- Sehstörungen oder Schmerzen bei Augenbewegungen
- Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit
Diese Symptome können auf eine seltene, aber gefährliche Ausbreitung der Infektion in die Augenhöhle oder das Schädelinnere hindeuten [6].
Fazit
Die Sinusitis ist mehr als nur ein Schnupfen. Sie ist eine Entzündung, die durch eine Blockade des Sekretabflusses entsteht und meist viral bedingt ist. Ein Verständnis für die Ursachen und den typischen Verlauf hilft, die Erkrankung richtig einzuordnen und unnötige Antibiotika-Einnahmen zu vermeiden. Die Basis der Behandlung bilden einfache, aber wirksame Maßnahmen zur Symptomlinderung und zur Unterstützung der körpereigenen Heilungskräfte. Nur bei schweren Verläufen oder Anzeichen von Komplikationen ist eine ärztliche, gegebenenfalls antibiotische, Therapie erforderlich. Der bewusste Umgang mit den Symptomen und das Wissen um die Warnsignale sind der Schlüssel zu einem schnellen und unkomplizierten Neustart in ein freies Durchatmen.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- National Center for Biotechnology Information (NCBI) – StatPearls: Acute Sinusitis. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK547701/
- Lam, K., Schleimer, R., & Kern, R. C. (2015). The Etiology and Pathogenesis of Chronic Rhinosinusitis: a Review of Current Hypotheses. Current Allergy and Asthma Reports. URL: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4874491/
- National Center for Biotechnology Information (NCBI) – InformedHealth.org: Sinusitis: Overview. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK279485/
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. – Leitlinienregister: S2k-Leitlinie Rhinosinusitis. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/017-049
- Swiss Society for Infectious Diseases (SSI). Akute bakterielle Sinusitis. Guideline. URL: https://ssi.guidelines.ch/guideline/2410/de
- MSD Manual. Sinusitis. URL: https://www.msdmanuals.com/de/profi/hals-nasen-ohren-krankheiten/nasen-und-nasennebenh%C3%B6hlenst%C3%B6rungen/sinusitis