Was ist Osteoporose?
Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer erhöhten Knochenfragilität und einem gesteigerten Frakturrisiko. Nach der operationalen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Osteoporose vor, wenn die Knochenmineraldichte in einer DXA-Messung (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) an der Lendenwirbelsäule oder am proximalen Femur um mindestens 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert einer 20- bis 29-jährigen gesunden Frau liegt [1]. Diese Definition wird auch in der aktuellen S3-Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) verwendet [2].
Die primäre Osteoporose macht etwa 60 Prozent der Fälle aus und tritt ohne erkennbare Grunderkrankung auf. Besonders relevant für Frauen ist die sogenannte Typ-I-Osteoporose (postmenopausale Osteoporose). Sie ist primär durch einen Östrogenmangel bedingt, der zu einem beschleunigten Knochenabbau führt. Hierbei ist vor allem der trabekuläre Knochen (Schwammknochen) betroffen, was typischerweise zu Wirbelkörperfrakturen führt [3]. Die Erkrankungshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter stark an. Während bei den 35- bis 49-Jährigen die Prävalenz unter einem Prozent liegt, sind bei den über 90-Jährigen fast 30 Prozent der Frauen betroffen [4].
Der Knochen unterliegt einem ständigen Umbauprozess, der durch das Zusammenspiel von knochenaufbauenden Osteoblasten und knochenabbauenden Osteoklasten reguliert wird. Bei der Osteoporose ist dieses Gleichgewicht gestört: Die Aktivität der Osteoklasten überwiegt die der Osteoblasten. Bei postmenopausalen Frauen spielt der Östrogenmangel eine zentrale Rolle, da Östrogene normalerweise die Knochenresorption hemmen. Ihr Wegfall führt zu einer massiv gesteigerten Osteoklastenaktivität und damit zu einem beschleunigten Knochenabbau [3].
Die Folgen der Osteoporose beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Osteoporose-assoziierte Frakturen führen zu akuten und chronischen Schmerzen sowie funktionellen Einschränkungen. Das Lebenszeitrisiko für Frakturen liegt für Frauen ab 50 Jahren bei 33 Prozent [5]. Besonders hüftnahe Frakturen wiegen schwer und sind mit einem signifikanten Verlust an Selbstständigkeit verbunden [6].
Was zeigt die Evidenz?
Die aktuelle DVO-Leitlinie 2023 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bringt wesentliche Neuerungen für die klinische Praxis. Eine zentrale Änderung ist die Umstellung der Risikobewertung vom 10-Jahres-Frakturrisiko auf das 3-Jahres-Frakturrisiko für Schenkelhals- und Wirbelkörperfrakturen [2].
Die Basisdiagnostik erfolgt weiterhin primär mittels Dual-Energy-X-ray-Absorptiometrie (DXA) an der Lendenwirbelsäule und am proximalen Femur. Neu ist, dass für die Indikation zur Basisdiagnostik keine feste Frakturrisikoschwelle mehr definiert wird. Stattdessen wird sie bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren oder generell bei Frauen ab 70 Jahren (bei therapeutischer Konsequenz) empfohlen [2]. Ergänzend zur DXA-Messung ist ein Basislabor obligatorisch, um sekundäre Osteoporoseformen auszuschließen [6].
Die Leitlinie definiert drei neue Therapieschwellen für eine spezifische osteologische Therapie, basierend auf dem 3-Jahres-Frakturrisiko. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach diesem Risiko. Bei einem moderaten Risiko werden antiresorptive Therapien (wie Bisphosphonate oder Denosumab) empfohlen. Bei einem hohen Risiko ab 10 Prozent ist primär eine osteoanabole Therapie (z. B. mit Teriparatid oder Romosozumab) indiziert, um den Knochenaufbau aktiv zu stimulieren [2].
Die Entstehung der Osteoporose ist multifaktoriell bedingt. Neben dem Östrogenmangel spielen genetische Prädisposition, ein geringes Körpergewicht sowie Lebensstilfaktoren eine entscheidende Rolle. Ein Mangel an körperlicher Bewegung trägt wesentlich zur Entstehung bei, da mechanische Belastung den Knochenaufbau stimuliert [7]. Ebenso sind Ernährungsmängel, insbesondere eine unzureichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, kritisch. Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind weitere modifizierbare Risikofaktoren, die den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen [8]. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere Glukokortikoide, erhöht das Risiko signifikant [9].
Die Prävention der Osteoporose basiert auf mehreren Säulen. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium (1.000 mg täglich) und Vitamin D (800 I.E. täglich) ist essenziell für die Knochengesundheit [9]. Der Körper kann den Großteil des benötigten Vitamin D durch Sonnenlicht in der Haut selbst bilden, was besonders in den Sommermonaten – passend zur nahenden Sommersonnenwende – durch regelmäßige Aufenthalte im Freien gefördert werden kann [10]. Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining, ist ein zentraler Bestandteil der Prävention, um die Muskulatur zu kräftigen und Stürze zu vermeiden [9].
Gerade in Zeiten, in denen Männergesundheit oft in den Fokus rückt, wie in der Woche der Männergesundheit, darf nicht vergessen werden, dass Osteoporose zwar primär Frauen betrifft, aber auch Männer im Alter ein signifikantes Frakturrisiko aufweisen. Eine ganzheitliche Betrachtung von Körper, Geist und Lebensstil ist der Schlüssel, um den Knochenschwund aufzuhalten und die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren.
Praxisbox
- Kalzium und Vitamin D: Achten Sie auf eine kalziumreiche Ernährung (z. B. durch Milchprodukte oder grünes Gemüse) und verbringen Sie täglich Zeit an der frischen Luft, um die Vitamin-D-Produktion anzuregen.
- Bewegung: Integrieren Sie regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining in Ihren Alltag, um Knochen und Muskeln zu stärken.
- Risikofaktoren minimieren: Verzichten Sie auf das Rauchen und konsumieren Sie Alkohol nur in Maßen.
- Frühzeitige Diagnostik: Sprechen Sie bei Vorliegen von Risikofaktoren oder familiärer Vorbelastung mit Ihrem Arzt über eine Knochendichtemessung.
Sicherheitsbox
- Sturzprophylaxe: Beseitigen Sie Stolperfallen im Haushalt und überprüfen Sie regelmäßig Ihre Sehkraft.
- Medikamenten-Check: Lassen Sie Ihre Medikamente (z. B. blutdrucksenkende Mittel) ärztlich überprüfen, falls diese Schwindel oder Müdigkeit verursachen.
- Schmerzen ernst nehmen: Suchen Sie bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen ärztlichen Rat, um mögliche Wirbelkörperfrakturen auszuschließen.
- Untergewicht vermeiden: Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, da ein zu geringes Gewicht das Osteoporoserisiko erhöht.
Fazit
Osteoporose ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die besonders Frauen nach der Menopause betrifft. Durch das Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen und Risikofaktoren können jedoch gezielte Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Eine Kombination aus knochengesunder Ernährung, ausreichender Vitamin-D-Versorgung und regelmäßiger körperlicher Aktivität bildet das Fundament. Die moderne Medizin bietet zudem differenzierte diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, um das Frakturrisiko individuell zu bewerten und effektiv zu senken. Ein bewusster Lebensstil und frühzeitiges Handeln sind entscheidend, um die Knochengesundheit langfristig zu erhalten.
FAQ – Häufige Fragen zu Osteoporose
Was ist Osteoporose genau?
Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt und die Knochenstruktur porös wird. Dadurch werden die Knochen instabil und das Risiko für Brüche, besonders an Wirbelsäule und Hüfte, steigt deutlich an.
Wie wirkt sich die Menopause auf die Knochen aus?
Nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel im Körper der Frau drastisch. Da Östrogen den Knochenabbau hemmt, führt dieser Mangel zu einem beschleunigten Verlust an Knochenmasse und erhöht das Osteoporoserisiko.
Wann sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden?
Eine DXA-Messung wird empfohlen, wenn spezifische Risikofaktoren wie frühere Brüche, Untergewicht oder die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Kortison) vorliegen, oder generell bei Frauen ab 70 Jahren.
Kann man Osteoporose heilen?
Osteoporose ist nicht vollständig heilbar, aber gut behandelbar. Durch eine Kombination aus Medikamenten, kalziumreicher Ernährung, Vitamin D und gezieltem Training kann der Knochenabbau gestoppt und das Bruchrisiko gesenkt werden.
Hilft Sport bei Osteoporose?
Ja, regelmäßige Bewegung ist essenziell. Kraft- und Gleichgewichtstraining stimulieren den Knochenaufbau durch mechanische Belastung, stärken die Muskulatur und helfen effektiv, gefährliche Stürze zu vermeiden.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- Bolster, MB. Osteoporose. MSD Manual Profi-Ausgabe. Juli 2025. URL: https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-des-rheumatischen-formenkreises-und-des-bewegungsapparats/osteoporose/osteoporose
- Dachverband Osteologie e.V. (DVO). S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr (AWMF-Registernummer: 183-001). AWMF online. 2023. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/183-001
- Osteoporosezentrum München. Einteilung der Osteoporose: Postmenopausale Osteoporose und Altersosteoporose (Typ-1-Osteoporose / Typ-2). URL: https://www.osteoporosezentrum.de/einteilung-der-osteoporose-postmenopausale-osteoporose-und-altersosteoporose-typ-1-osteoporose-typ-2/
- Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO). Gesundheitsatlas Osteoporose: Fast jede vierte hochaltrige Frau von Osteoporose betroffen. Pressemitteilung. 2025. URL: https://www.wido.de/news-presse/pressemitteilungen/2025/gesundheitsatlas-osteoporose/
- Dachverband Osteologie e.V. (DVO). DVO Leitlinie Osteoporose 2023: Kapitel 3. Prävalenz und Inzidenz der Osteoporose und ihrer Folgen, sozioökonomische Relevanz. 2023. URL: https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/3-praevalenz-und-inzidenz-der-osteoporose-und-ihrer-folgen-soziooekonomische-relevanz/
- Dachverband Osteologie e.V. (DVO). Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der OSTEOPOROSE bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50.Lebensjahr (Langfassung V 2.1). AWMF-Register-Nr.: 183/001. 2023. URL: https://leitlinien.dv-osteologie.org/wp-content/uploads/2024/02/DVO-Leitlinie-zur-Diagnostik-und-Therapie-der-Osteoporose-Version-2.1.-2023-002.pdf
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / Gesundheitsinformation.de. Osteoporose und Knochenbrüche. 2022. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/osteoporose-und-knochenbrueche.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / Gesundheitsinformation.de. Die Knochen stärken und Brüchen vorbeugen. 2022. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/die-knochen-staerken-und-bruechen-vorbeugen.html
- Dachverband Osteologie e.V. (DVO). Kurzfassung DVO-Leitlinie 2023 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. 2023. URL: https://rheumatologie.at/storage/app/media/pdf/leitlinien-behandlungsstandards/2023%20S3%20Leitlinie%20zur%20Diagnostik%20und%20Therapie%20der%20Osteoporose%20bei%20postmenopausalen%20Frauen%20und%20Maennern%20Kurzfassung.pdf
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Knochen stärken und Brüchen vorbeugen. Gesundheitsinformation.de. 2022. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/die-knochen-staerken-und-bruechen-vorbeugen.html