Was hilft wirklich bei Schuppenflechte?

Welche Psoriasis-Behandlungen helfen nachweislich, was leisten Ernährung und Hausmittel – und was bleibt bei Schuppenflechte offen? Ein ehrlicher Evidenzvergleich.

Zum Welt-Psoriasis-Tag rückt eine Erkrankung in den Blick, die mehr als die Haut betrifft. Bei Cremes, Ernährungstipps und Therapieversprechen zählt vor allem die wissenschaftliche Evidenz.

Bei leichter Schuppenflechte helfen äußerliche Wirkstoffe; bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung gehören Licht- und innerliche Therapien zur leitliniengerechten Behandlung [1]. Ernährung, Gewichtsabnahme und psychologische Unterstützung können ergänzen. Schuppenflechte ist nicht heilbar, aber behandelbar [2].

Worum es geht

Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis, ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die in Ländern wie Deutschland ungefähr 2 % der Bevölkerung betrifft [2]. Neben der Haut können Gelenke entzündet sein; Depressionen und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren kommen häufiger vor und gehören zur Versorgung dazu [1].

Infektionen können Schübe auslösen oder verstärken [2].

Für die Schweregrade zählen Hautausdehnung, Hautschwere und Lebensqualität. Leicht ist die Erkrankung laut Leitlinie nur, wenn alle drei Werte niedrig sind; bei höherer Belastung oder an besonders belastenden Stellen wie Händen, Kopfhaut, Genitalbereich oder Nägeln kann sie als mittelschwer bis schwer gelten [1].

Vereinfacht gesagt: Ist mehr als ein Zehntel der Hautoberfläche betroffen und beeinträchtigt die Erkrankung den Alltag deutlich, gilt sie laut Leitlinie als mittelschwer bis schwer [1].

Wann Hautarztpraxis und wann innerlich behandeln

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, eine Systemtherapie einzuleiten, also eine Behandlung mit Arzneimitteln, die im ganzen Körper wirken. Die Auswahl berücksichtigt Begleiterkrankungen, Infektionsrisiken, Lebenssituation und Präferenzen [1].

Bei einem Termin werden Hautbefund und Belastung erfasst sowie nach Gelenkbeschwerden, psychischer Belastung und weiteren Risiken gefragt. Vor einer innerlichen Therapie gehören je nach Wirkstoffgruppe die Krankengeschichte, Untersuchungen und passende Sicherheitsdiagnostik dazu [1].

Eine Hautarztbeurteilung ist besonders bei anhaltenden Beschwerden, großer Alltagsbelastung oder unzureichender Wirkung der bisherigen Behandlung sinnvoll [1]. In einer bundesweiten Erhebung in Hautarztpraxen und -kliniken aus den Jahren 2016/17 erhielt mehr als die Hälfte der Menschen mit besonders ausgeprägter Schuppenflechte zum Zeitpunkt der Befragung keine innerliche Therapie. Das weist auf eine Versorgungslücke hin, beweist aber nicht, dass diese Menschen jahrelang nur mit Cremes behandelt wurden [3].

Wann Hautarztpraxis und wann innerlich behandeln

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, eine Systemtherapie einzuleiten, also eine Behandlung mit Arzneimitteln, die im ganzen Körper wirken. Die Auswahl berücksichtigt Begleiterkrankungen, Infektionsrisiken, Lebenssituation und Präferenzen [1].

Bei einem Termin werden Hautbefund und Belastung erfasst sowie nach Gelenkbeschwerden, psychischer Belastung und weiteren Risiken gefragt. Vor einer innerlichen Therapie gehören je nach Wirkstoffgruppe die Krankengeschichte, Untersuchungen und passende Sicherheitsdiagnostik dazu [1].

Eine Hautarztbeurteilung ist besonders bei anhaltenden Beschwerden, großer Alltagsbelastung oder unzureichender Wirkung der bisherigen Behandlung sinnvoll [1]. In einer bundesweiten Erhebung in Hautarztpraxen und -kliniken aus den Jahren 2016/17 erhielt mehr als die Hälfte der Menschen mit besonders ausgeprägter Schuppenflechte zum Zeitpunkt der Befragung keine innerliche Therapie. Das weist auf eine Versorgungslücke hin, beweist aber nicht, dass diese Menschen jahrelang nur mit Cremes behandelt wurden [3].

Was bei leichter Schuppenflechte hilft

Belegt – Cremes und Salben: Hochwirksame äußerliche Kortikosteroide und Vitamin-D-Analoga sind zentrale Optionen zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Psoriasis; ihre Kombination kann in der Anfangsphase besonders wirksam sein. Die Auswahl muss zur Körperstelle passen; der Beitrag „Was ist eine Cortison-Creme?“ erklärt diese Wirkstoffgruppe [1].

Belegt – Hautpflege: Rückfettende, reizarm gewählte Pflege unterstützt die Hautbarriere und kann Schuppung oder Spannungsgefühl lindern. Sie ist eine Begleitung, keine Ersatzbehandlung für entzündete Hautherde [1].

Was bei ausgeprägter Schuppenflechte hilft

Belegt – Lichttherapie: Ist die Schuppenflechte mittelschwer bis schwer und großflächig, kommen Bestrahlungen mit UV-B-Licht oder PUVA infrage, um einen Schub zurückzudrängen; bei PUVA macht ein zusätzlicher Wirkstoff die Haut lichtempfindlicher. Erste Wahl ist Schmalspektrum-UV-B, ein eng begrenzter Ausschnitt des UV-B-Lichts; wegen der sich summierenden UV-Belastung ist Lichttherapie jedoch nicht als Dauertherapie gedacht [1]. Mehr dazu im Methoden-Eintrag „Lichttherapie“.

Belegt – innerliche Therapien: Klassische innerliche Arzneimittel, neuere zielgerichtete Tabletten und Biologika, biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe gegen Entzündungsbotenstoffe, können die Haut stark bessern. Je nach Gruppe sind unter anderem Infektionen, Veränderungen von Blutbild oder Organwerten und Risiken in einer Schwangerschaft zu berücksichtigen; Auswahl und Verlaufskontrollen erfolgen individuell [1]. Ein Cochrane-Review fand, dass alle untersuchten innerlichen Wirkstoffgruppen die Haut in den ersten Behandlungsmonaten deutlich stärker bessern als ein Scheinmedikament, Biologika am stärksten; ob schwere Nebenwirkungen häufiger auftreten, ließ sich wegen weniger Ereignisse nicht sicher sagen, und Langzeitdaten fehlen [9].

Selbsthilfe und Ernährung im Vergleich

Belegt – Gewichtsabnahme bei Übergewicht: Eine kalorienreduzierte Gewichtsabnahme zusätzlich zur Standardtherapie verbesserte in kontrollierten Studien die Hautschwere bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen. Für Normalgewichtige gibt es dafür keine Belege [4].

Belegt für die allgemeine Gesundheit – Rauchstopp und Bewegung: Sie gehören zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sind aber keine belegte alleinige Psoriasistherapie. Umstritten als Hautbehandlung – Alkoholreduktion und Stressbewältigung: Individuelle Belastungen können bei der Betreuung berücksichtigt werden, ohne daraus eine verlässliche Hautbesserung zu versprechen [1].

Umstritten – mediterrane Ernährung: In einer kleinen kontrollierten Studie verbesserte eine begleitete mediterrane Ernährung zusätzlich zu stabiler äußerlicher Therapie die Hautbefunde über sechzehn Wochen. Das ist ein begrenzter Zusatzbefund, kein Behandlungsersatz [5].

Offen – Heilfasten: Fasten ist keine etablierte Psoriasistherapie. Belegt bei Zöliakie, umstritten ohne sie – glutenfreie Ernährung: Bei nachgewiesener Zöliakie, einer echten Glutenunverträglichkeit, ist Glutenverzicht angezeigt. Zeigen Bluttests nur Hinweise auf eine Glutenempfindlichkeit, kommt höchstens ein zeitlich begrenzter Versuch infrage; ohne solche Befunde wird glutenfreie Ernährung nicht empfohlen [4].

Umstritten – Nahrungsergänzung: Omega-3-Präparate, Vitamin D zum Einnehmen und konzentrierte Curcumin-Präparate überzeugen zur Behandlung der Hautpsoriasis nicht verlässlich [4] [6]. Vitamin-D-Analoga zum Auftragen sind davon klar zu unterscheiden: Sie sind Arzneimittel mit belegter Rolle in der äußerlichen Behandlung [1] [4].

Komplementäre Verfahren ehrlich eingeordnet

Belegt – ärztlich geleitete Balneophototherapie: Für mittelschwere bis schwere Psoriasis ist die Balneophototherapie seit 2008 eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen; sie verbindet ein Sole- oder Wirkstoffbad mit zeitnaher, ärztlich geleiteter Lichtbehandlung. Ein Aufenthalt am Toten Meer ist nicht dasselbe und lässt sich daraus weder als Kassenleistung noch als gleichwertige Therapie ableiten [7].

Umstritten – Totes Meer, Pflanzensalben und Akupunktur: Für Klimatherapie am Toten Meer gibt es Hinweise auf kurzfristige Besserung; sie ist nicht mit einem Salzbad zu Hause gleichzusetzen und bringt UV-Risiken mit sich [1]. Salben mit Mahonie, Aloe oder Indigo naturalis zeigen in kleinen, methodisch schwachen Studien mögliche Wirkungen [8]. Ebenfalls umstritten – Akupunktur: Positive Studien rechtfertigen wegen ihrer Grenzen kein verlässliches Behandlungsversprechen [6].

Offen – Homöopathie: Ein belastbarer psoriasis-spezifischer Wirksamkeitsnachweis wurde in dieser Recherche nicht gefunden. Auch für energiemedizinische Angebote fehlt eine belegte Stimme; sie erhalten deshalb keinen eigenen Abschnitt.

Seele und Alltag gehören dazu

Belegt als Versorgungsbestandteil – psychologische Unterstützung: Sichtbare Hautveränderungen können Scham und Rückzug fördern; Psoriasis ist dadurch nicht psychisch verursacht. Schulungen vermitteln Wissen und Bewältigungsstrategien. Umstritten – Entspannung und Meditation als Hautbehandlung: Sie zeigen nur begrenzte Zusatzwirkungen; solche Angebote ersetzen weder Hauttherapie noch die Behandlung einer Depression [1] [6].

Evidenz-Kompass

  • Belegt: Ärztlich ausgewählte äußerliche Wirkstoffe, Lichttherapie und bei entsprechender Schwere innerliche Therapien sind die tragenden Behandlungswege. Gewichtsabnahme hilft als Zusatz bei Übergewicht; Balneophototherapie ist klar geregelt.
  • Umstritten: Mediterrane Ernährung, Pflanzenmittel, Akupunktur und Nahrungsergänzungen liefern allenfalls begrenzte oder uneinheitliche Zusatzsignale.
  • Offen: Eine bundesweit repräsentative Quote dazu, wie vielen Menschen eine Systemtherapie nach Leitlinienkriterien angezeigt ist und wie viele sie nicht erhalten, gibt es nicht. Für Heilfasten fehlen überzeugende kontrollierte Belege; die langfristige Wirkung mediterraner Ernährung und vieler Komplementärverfahren bleibt ungeklärt.

Woran geforscht wird

Forschung untersucht, wie sich zielgerichtete Therapien langfristig bewähren und welche Ernährungsmuster zusätzlich helfen. Versorgungsstudien erfassen Hautbefund, Lebensqualität und tatsächlich erhaltene Behandlung gemeinsam [1] [3] [5].

Sicherheitsbox

  • Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit sollten rheumatologisch abgeklärt werden, weil eine Psoriasis-Arthritis früh erkannt werden soll [1].
  • Äußerliches Kortison sollte nicht dauerhaft ohne ärztliche Begleitung genutzt, aber auch nicht aus Angst vorab weggelassen werden [1].
  • Innerliche Therapien sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden; Infektzeichen gehören während der Behandlung in die ärztliche Rücksprache [1].
  • Indigo naturalis und andere Mittel aus dem Internet sind nicht automatisch harmlos: Bei pflanzlichen Hautmitteln sind unter anderem Reizungen möglich; kleine Studien sind keine Garantie für Nebenwirkungsfreiheit [8].

Merkpunkte

  • Schuppenflechte ist behandelbar, doch der passende Weg hängt von Hautbefund, Belastung und Begleiterkrankungen ab.
  • Bei leichter Psoriasis sind äußerliche Wirkstoffgruppen zentral; bei ausgeprägter Erkrankung gehören Licht- und Systemtherapien in die Abwägung.
  • Die vorhandenen Versorgungsdaten zeigen eine mögliche Lücke, erlauben aber keine Beurteilung einzelner Behandlungen.
  • Ergänzungen können unterstützen; welche zu Ihren Zielen und Ihrer Lebenssituation passen, bleibt eine persönliche Entscheidung mit medizinischer Orientierung.

Häufige Fragen zu Schuppenflechte

Hilft eine Ernährungsumstellung bei Schuppenflechte?
Eine mediterrane Ernährung kann als begleitender Ansatz sinnvoll sein; eine kleine kontrollierte Studie zeigte eine kurzfristige Besserung zusätzlich zur äußerlichen Therapie. Bei Übergewicht ist kalorienreduzierte Gewichtsabnahme als Ergänzung besser belegt als einzelne Diäten oder Nahrungsergänzungen.

Welche Creme hilft bei Schuppenflechte?
Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis gehören hochwirksame äußerliche Kortikosteroide, Vitamin-D-Analoga und ihre Kombinationen zu den belegten Optionen. Die Auswahl hängt von Körperstelle, Ausdehnung und Sicherheitsaspekten ab.

Sollte ich bei Schuppenflechte fasten oder glutenfrei essen?
Fasten ist keine belegte Psoriasistherapie. Glutenfreie Ernährung ist bei gesicherter Zöliakie medizinisch erforderlich; ohne diesen Befund ist sie keine allgemein belegte Standardbehandlung der Schuppenflechte.

Wann kommt bei Schuppenflechte eine Systemtherapie infrage?
Sie wird bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis nach einer individuellen ärztlichen Abwägung empfohlen. Entscheidend sind nicht nur die Hautfläche, sondern auch Lebensqualität, besonders belastende Körperstellen, Gelenkbeschwerden und persönliche Risiken.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. S3-Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“. AWMF-Registernummer 013-001, Langfassung, Version 8.0, Stand 23.07.2025. 2025; einschließlich Appendix A, 2025 (fortgeführte Empfehlungen von 2015). https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2025-08.pdf ; Appendix A: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013_D_Dermatologische_Ges/013-001a1_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2025-08.pdf
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Schuppenflechte (Psoriasis). Gesundheitsinformation.de. 2021. https://www.gesundheitsinformation.de/schuppenflechte-psoriasis.html
  3. Langenbruch A, Mohr N, Kirsten N, et al. Quality of psoriasis care in Germany – results from the nationwide health care studies PsoHealth 2004–2017. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2021;35:1536–1542. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jdv.17220
  4. Ford AR, Siegel M, Bagel J, et al. Dietary Recommendations for Adults With Psoriasis or Psoriatic Arthritis From the Medical Board of the National Psoriasis Foundation: A Systematic Review. JAMA Dermatology. 2018;154:934–950. https://doi.org/10.1001/jamadermatol.2018.1412
  5. Pérez-Bootello J, Berna-Rico E, Abbad-Jaime de Aragón C, et al. Mediterranean Diet and Patients With Psoriasis: The MEDIPSO Randomized Clinical Trial. JAMA Dermatology. 2025;161:1215–1223. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/fullarticle/2839013
  6. Gamret AC, Price A, Fertig RM, Lev-Tov H, Nichols AJ. Complementary and Alternative Medicine Therapies for Psoriasis: A Systematic Review. JAMA Dermatology. 2018;154:1330–1337. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/fullarticle/2698668
  7. Gemeinsamer Bundesausschuss. Beschlüsse zur Balneophototherapie bei Psoriasis vulgaris vom 13. März 2008 und zur asynchronen Photosoletherapie im Vollbad vom 20. Mai 2010. Gemeinsamer Bundesausschuss. 2008/2010. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-645/2008-03-13-RMvV-Balneophototherapie_BAnz.pdf und https://www.g-ba.de/downloads/40-268-1303/2010-05-20-asynchrone-BPT-Vollbad_AB.pdf
  8. Deng S, May BH, Zhang AL, Lu C, Xue CCL. Plant extracts for the topical management of psoriasis: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Dermatology. 2013;169:769–782. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjd.12557
  9. Sbidian E, Chaimani A, Guelimi R, et al. Systemic pharmacological treatments for chronic plaque psoriasis: a network meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2023;(7):CD011535. https://doi.org/10.1002/14651858.CD011535.pub6