Akupunktur

Feine Nadeln gegen Rückenschmerzen, Migräne oder Hitzewallungen. Wie Akupunktur funktioniert, bei welchen Beschwerden ein Nutzen belegt ist, wo nicht und warum Scheinakupunktur in Studien oft fast so gut abschneidet.

STECKBRIEF

  • Herkunft: chinesische Medizin, in irgendeiner Form seit mindestens 2.500 Jahren; im Westen verbreitet seit den 1970er-Jahren
  • Ablauf: Dünne sterile Einmalnadeln werden an ausgewählten Körperstellen gesetzt und bleiben meist rund 30 Minuten liegen, oft zehn Sitzungen in wenigen Wochen.
  • Wer bietet an: Ärztinnen und Ärzte, für die Kassenleistung mit Zusatzbezeichnung Akupunktur; außerdem Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker
  • Kosten/Kasse: Kassenleistung nur bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken oder im Knie durch Arthrose; sonst Selbstzahlung, ärztlich rund 47 Euro je Sitzung plus Untersuchung
  • Studienlage: kleiner bis mäßiger Nutzen bei einigen chronischen Schmerzen und zur Migränevorbeugung; der Vorsprung vor Scheinakupunktur ist meist klein

Seit Monaten zieht es im unteren Rücken, die Physiotherapie hat wenig gebracht, und die Hausärztin schlägt Akupunktur vor. Andere denken an die Nadeln bei Migräne oder in den Wechseljahren. Akupunktur ist das bekannteste Verfahren der chinesischen Medizin und eines der am gründlichsten untersuchten der Komplementärmedizin [1].

Das Ergebnis ist zweigeteilt. Bei chronischen Kreuz- und Knieschmerzen und zur Vorbeugung von Migräne geht es vielen Behandelten besser als ohne Akupunktur [2] [3]. Eine Scheinbehandlung mit falsch platzierten oder kaum eindringenden Nadeln wirkt aber oft fast genauso gut. Klar ist auch, wo ein Nutzen fehlt. Bei der künstlichen Befruchtung und beim dauerhaften Rauchstopp brachte Akupunktur keinen sicheren Vorteil, bei Hitzewallungen in den natürlichen Wechseljahren wirkten echte Nadeln nicht besser als falsche [4] [5] [6].

Was belegt ist und was nicht

Solide

  • Chronischer Kreuzschmerz: besser als ohne Akupunktur, Vorsprung vor Schein klein [7] [8]
  • Kniearthrose: kurzfristig besser als übliche Versorgung, langfristig kaum Vorsprung vor Schein [9] [10]
  • Migräne vorbeugen: weniger Attacken, kleiner Vorsprung vor Schein [3]

Mittel

  • Chronische Nackenschmerzen, zusammen mit aktivierender Behandlung [11] [12]
  • Spannungskopfschmerz vorbeugen [13] [14]
  • Übelkeit nach Operationen vorbeugen: Reiz am Handgelenkpunkt PC6, mit Nadel oder Druck [15]
  • Hitzewallungen unter Antihormontherapie bei Brustkrebs: besser als ohne Akupunktur, nicht sicher besser als Schein [16] [17]
  • Regelschmerzen bei Endometriose: nur kurzfristig [18]
  • Heuschnupfen: nur kurzfristig [19]

Schwach

  • Fibromyalgie [20]
  • Regelschmerzen ohne erkennbare Ursache [21] [22]
  • Übelkeit bei Chemotherapie, nur zusätzlich zu Medikamenten [23]
  • Schwangerschaftsübelkeit [24]
  • Depression: Leitlinie spricht keine Empfehlung aus [25] [26]
  • Schlafstörungen: Leitlinie rät ab [27] [28]
  • Abnehmen mit Ohrakupunktur: weniger als ein Kilo Unterschied [29]

Kein Nutzen belegt

  • Hitzewallungen in den natürlichen Wechseljahren (gegenüber Schein) [6] [30]
  • Mehr Geburten nach künstlicher Befruchtung [4] [31]
  • Dauerhafter Rauchstopp [5]

Echte und falsche Nadeln: was die Studien zeigen

Wer Akupunkturstudien liest, stößt auf einen scheinbaren Widerspruch. Die große deutsche GERAC-Studie verglich bei 1.162 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen drei Behandlungen. Nach sechs Monaten ging es von je 100 Behandelten 48 mit echter Akupunktur deutlich besser, 44 mit Scheinakupunktur und 27 mit der üblichen Behandlung aus Medikamenten, Physiotherapie und Bewegung [8]. Beide Nadelgruppen lagen klar vorn. Untereinander unterschieden sie sich kaum.

Scheinakupunktur bedeutet in Studien: Nadeln an Stellen, die nach der Lehre keine Akupunkturpunkte sind, nur oberflächlich gestochen, oder stumpfe Nadeln, die die Haut gar nicht durchdringen [2]. Gedacht ist sie als Gegenstück zur Placebotablette. Ganz gelingt das nicht. Auch eine Scheinnadel reizt die Haut, und jede Sitzung bringt Zuwendung mit und die Erwartung, dass es hilft [1]. Zudem lässt sich Akupunktur schlecht verblinden: Die Behandelnden wissen immer, was sie tun, und manche Behandelte spüren den Unterschied [7].

Zwei Vergleiche beantworten deshalb zwei verschiedene Fragen. Der Vergleich mit Schein misst, was die genaue Nadeltechnik zusätzlich bringt. Der Vergleich mit keiner Akupunktur misst, was die Behandlung insgesamt bewirkt, Erwartung und Zuwendung eingeschlossen. Eine Auswertung der Einzeldaten aus 39 Studien mit gut 20.800 Schmerzpatientinnen und -patienten fand beides: Echte Akupunktur war der Scheinbehandlung überlegen und keiner Akupunktur deutlich überlegen, und der Effekt hielt nach einem Jahr noch weitgehend an [2]. Der Vorsprung vor Schein war allerdings viel kleiner als der vor gar keiner Behandlung.

Die Besserung ist also echt, auch wenn ein Teil davon nicht an der genauen Nadelstelle hängt. „Nur Placebo“ greift deshalb ebenso zu kurz wie die Behauptung, Studien hätten die Meridiane bewiesen. Auch die Herkunft einer Studie zählt: In chinesischsprachigen Studien fielen die Effekte im Schnitt größer aus, Mängel bei der Verblindung waren häufiger [32].

Wie Akupunktur wirken könnte

Die naturwissenschaftliche Forschung sucht Erklärungen im Gewebe und im Nervensystem. Bei Mäusen setzte das Nadeln im Gewebe den Botenstoff Adenosin frei, der dort Schmerzen dämpfte [33]. Schwacher Strom über Nadeln an einem Beinpunkt aktivierte bei Mäusen über bestimmte Nervenfasern eine entzündungshemmende Achse aus Vagusnerv und Nebenniere [34]. Beim Menschen zeigen Studien veränderte Nervenaktivität und örtliche Gewebereaktionen. Wie Akupunktur wirkt, ist nach Einschätzung der US-Gesundheitsbehörde NCCIH aber nicht vollständig verstanden [1]. Ein Mechanismus im Tierversuch belegt außerdem keinen Nutzen bei einer Krankheit des Menschen.

Das traditionelle Erklärungsmodell

Nach der traditionellen chinesischen Medizin durchströmt eine Lebenskraft, das Qi, den Körper in festen Leitbahnen, den Meridianen. Beschwerden gelten als Stau oder Ungleichgewicht dieses Flusses. Auf den Meridianen liegen die Akupunkturpunkte. Die Behandelnden wählen sie nach einer eigenen Diagnose, die das Gesamtbild der Beschwerden erfasst, und setzen die Nadeln, um den Fluss wieder ins Lot zu bringen. Mit demselben Begriff arbeitet auch das Bewegungsverfahren Qigong, beschrieben im Eintrag „Qigong“. Das Modell ist über Jahrhunderte gewachsen und gibt der Behandlung ihre innere Logik. Es ist eine Deutung, keine Anatomie. Qi und Meridiane lassen sich naturwissenschaftlich nicht messen, und Studien prüfen, ob positiv oder negativ, nicht, ob das Modell zutrifft [1].

Formen: Körper, Ohr, Strom, Druck

Die klassische Form ist die Körperakupunktur mit Nadeln, die von Hand bewegt werden können. Nur sie zahlt die Kasse [35]. Bei der Elektroakupunktur fließt schwacher Strom durch die Nadeln. Die Ohrakupunktur behandelt Punkte an der Ohrmuschel, die als Abbild des ganzen Körpers gilt. Eine chinesische Ohrkarte ist für 1888 belegt, die heute verbreitete Karte des französischen Arztes Paul Nogier stammt von 1957; beide sind Modelle, keine nachgewiesene Verbindung zu den Organen [36]. Studien zur Körperakupunktur lassen sich nicht auf das Ohr übertragen.

Laserakupunktur reizt die Punkte mit Licht statt Nadeln; bei Knieschmerzen wirkte sie nicht besser als ein Scheinlaser [37]. Akupressur arbeitet mit Druck, etwa als Armband am Handgelenkpunkt PC6. Vor Operationen gesetzt, verringerte der Nadelreiz an diesem Punkt die Übelkeit danach etwa um die Hälfte, der Druck um ein Drittel, jeweils verglichen mit Schein und bei unsicherer Beweislage [15]. Dry Needling, die Nadelung verhärteter Muskelstellen, nutzt ähnliche Nadeln, beruht aber auf einer anderen Theorie [38].

Rücken, Knie, Nacken

Chronischer Kreuzschmerz (Evidenz: Solide). Gegenüber keiner Behandlung sank der Schmerz direkt nach der Serie um rund 20 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100. Gegenüber Scheinakupunktur waren es rund 9 Punkte, weniger als die Schwelle, die als klinisch bedeutsam gilt [7]. Wie lange die Wirkung anhält, ist kaum untersucht. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz ist abgelaufen und wird überarbeitet [39].

Kniearthrose (Evidenz: Solide). Kurzfristig lindert Akupunktur Knieschmerzen besser als die übliche Versorgung allein. Einen Zusatznutzen zu Bewegungstherapie zeigen die Studien nicht [9]. Gegen Schein war nach einem halben Jahr kein nennenswerter Vorsprung mehr messbar [10]. Mit intensiver Elektroakupunktur sprachen in einer chinesischen Studie nach acht Wochen 60 von 100 Behandelten an, mit Schein 47 [40]. Die deutsche S3-Leitlinie formuliert vorsichtig, Akupunktur „kann zur Therapie der Gonarthrose erwogen werden“ [41].

Nackenschmerzen (Evidenz: Mittel). Laut S3-Leitlinie von 2025 kann Akupunktur bei chronischen, nicht-spezifischen Nackenschmerzen „in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen eingesetzt werden“ [12]. Einen dauerhaften Vorsprung vor Schein fand eine Übersicht von 2024 nicht [11]. Kassenleistung ist Akupunktur am Nacken nicht.

Migräne und Spannungskopfschmerz

Migräne (Evidenz: Solide). Ein Cochrane-Review, eine systematische Zusammenfassung aller verwertbaren Studien, wertete 22 Studien mit fast 5.000 Teilnehmenden aus. Mit Akupunktur halbierte sich die Zahl der Kopfschmerztage bei 41 von 100 Menschen, ohne Akupunktur bei 17. Gegenüber Scheinakupunktur stand es 50 zu 41 [3]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sah 2026 einen Anhaltspunkt, die schwächste seiner Nutzenstufen, dass Akupunktur mehr nützt als die älteren Vorbeugemittel Flunarizin und Topiramat. Vergleiche mit Betablockern oder neueren Mitteln fehlen [42].

Spannungskopfschmerz (Evidenz: Mittel). Nach drei bis vier Monaten halbierten sich die Kopfschmerztage bei 52 von 100 Behandelten mit echter und bei 43 mit Scheinakupunktur [13]. Die deutsche Leitlinie nennt die Studienlage uneinheitlich. Akupunktur „kann insbesondere dann versucht werden, wenn medikamentöse Therapieverfahren nicht gewünscht werden oder nicht wirksam sind“ [14].

Hitzewallungen: Wechseljahre und Brustkrebs

Gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren wird Akupunktur häufig angeboten. Die bislang aussagekräftigste Studie behandelte 327 Frauen mit zehn Sitzungen in acht Wochen. Echte Akupunktur verringerte die Wallungen nicht stärker als eine Scheinbehandlung mit stumpfen, nicht eindringenden Nadeln [6]. Gegenüber gar keiner Behandlung wurden die Wallungen in kleineren Studien seltener, die Belege sind aber unsicher [30]. Die nordamerikanische Menopause-Gesellschaft rät von Akupunktur gegen Hitzewallungen ab [43]. Der Entwurf der neuen deutschen S3-Leitlinie zu den Wechseljahren, noch nicht verabschiedet, nennt Akupunktur als mögliches Angebot bei Schlafstörungen und gedrückter oder ängstlicher Stimmung in der Perimenopause, nicht bei Hitzewallungen [44].

Anders ist die Lage bei Frauen, die nach Brustkrebs eine Antihormontherapie erhalten und dadurch Hitzewallungen bekommen. In einer gemeinsamen Auswertung zweier Studien mit 158 Patientinnen ging es nach zehn Wochen Akupunktur besser als mit der üblichen Versorgung allein [16]. Gegen Scheinakupunktur ist ein Vorteil nicht gesichert [17]. Die deutsche S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Onkologie spricht laut Krebsinformationsdienst weder für noch gegen Akupunktur bei Hitzewallungen eine Empfehlung aus [45]. Akupunktur kann hier eine Ergänzung sein. Die Antihormontherapie ersetzt sie nicht.

Welche Wege es sonst ohne Hormone gibt, zeigt der Beitrag „Was hilft wirklich? Wechseljahresbeschwerden ohne Hormone“; zu pflanzlichen Mitteln informieren die Einträge Traubensilberkerze und Soja-Isoflavone.

Wo kein Nutzen belegt ist

Manche Hoffnungen erfüllen sich nicht. In der größten Studie zur künstlichen Befruchtung mit rund 850 Frauen bekamen mit echter wie mit Scheinakupunktur je etwa 18 von 100 ein Kind [4]. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin empfiehlt Akupunktur dafür nicht [31]. Beim Rauchstopp halfen die Nadeln kurzfristig ein wenig; nach sechs Monaten war gegenüber Schein kein Vorteil mehr gesichert [5]. Bei Schlafstörungen verfehlte die größte verblindete Studie ihr Hauptziel [27], und die deutsche S3-Leitlinie sagt: Die Behandlung mit Akupunktur „soll nicht empfohlen werden“ [28]. Zur Depression verzichtet die Nationale VersorgungsLeitlinie wegen wenig belastbarer Daten auf eine Empfehlung [26]. Beim Abnehmen mit Ohrakupunktur betrug der Unterschied im Schnitt weniger als ein Kilo [29].

Ablauf einer Behandlung

Vor der ersten Sitzung stehen die Diagnose und ein Gespräch über Vorerkrankungen, Medikamente, eine mögliche Schwangerschaft und Implantate wie Herzschrittmacher [1]. Dann wird die Haut gereinigt, und die Nadeln werden gesetzt. In der GERAC-Studie waren es 14 bis 20 Nadeln für jeweils 30 Minuten [8]. Danach können kleine Blutergüsse oder eine leichte Druckempfindlichkeit bleiben [46]. Studien prüften meist zehn bis fünfzehn Sitzungen in sechs bis zwölf Wochen. Eine Erfolgsgarantie folgt daraus nicht.

Kassenleistung, Qualifikation, Kosten

Seit 2007 zahlt die gesetzliche Krankenversicherung Akupunktur bei zwei Beschwerden: chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und chronischen Knieschmerzen durch Arthrose, jeweils seit mindestens sechs Monaten [47]. Die Richtlinie gilt in der Fassung vom September 2026 unverändert [35]. Bezahlt werden nur Nadeln ohne Strom, eingebettet in ein Gesamtkonzept der Schmerzbehandlung: bis zu zehn Sitzungen in sechs Wochen, in begründeten Fällen bis zu fünfzehn in zwölf Wochen, je mindestens 30 Minuten. Eine neue Serie ist frühestens nach zwölf Monaten möglich. Den Ausschlag für die Zulassung gab, dass beide Nadelformen in den Modellstudien deutlich besser abschnitten als die Standardtherapie, obwohl echte und Scheinakupunktur fast gleich lagen [48]. Ob Akupunktur zur Migränevorbeugung hinzukommt, prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) derzeit [49].

Abrechnen dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzweiterbildung Akupunktur und je 80 Stunden Fortbildung in psychosomatischer Grundversorgung und Schmerztherapie [35]. Die Zusatzbezeichnung setzt unter anderem 200 Kursstunden voraus [50]. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker brauchen eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz; ein Kurszertifikat allein berechtigt nicht zur Behandlung [51].

Wer selbst zahlt, bekommt in der Arztpraxis eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte: für eine Akupunktur von mindestens 20 Minuten zum üblichen Satz rund 47 Euro, dazu Untersuchung und Beratung [52]. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif. Eine Zusage vorab schützt vor Überraschungen.

WICHTIG ZUR SICHERHEIT

  • Häufige, meist harmlose Nebenwirkungen: In einer Auswertung vorausschauender Studien hatten etwa 9 von 100 Behandelten während einer Serie mindestens eine Beschwerde, meist Blutergüsse, Schmerz an der Einstichstelle oder Kreislaufschwäche [53]. In einer deutschen Beobachtung mit 229.230 Behandelten bekamen 6 von 100 eine kleine Blutung oder einen Bluterguss [46].
  • Seltene schwere Folgen: etwa eine bei 10.000 Behandelten, zum Beispiel ein Lungenkollaps nach Nadeln am Brustkorb oder eine Infektion [53] [46]. Plötzliche Atemnot nach einer Sitzung ist ein Notfall.
  • Gerinnungshemmer: vorher angeben. In einer Übersicht trat unter fast 4.000 Behandlungen bei Menschen mit Blutverdünnern eine mittelschwere Blutung auf; völlige Sicherheit belegt das nicht [54].
  • Schwangerschaft: nicht grundsätzlich ausgeschlossen, Nutzen und Nadelstellen aber mit der Frauenarztpraxis abstimmen; starkes Erbrechen zuerst ärztlich abklären [55].
  • Strom und Implantate: Elektroakupunktur bei Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator nur nach Rücksprache; keine Nadeln in entzündete Haut [1].
  • Keine Abklärung ersetzt: Akupunktur lindert Beschwerden, klärt aber keine Ursache. Neue, zunehmende oder ungeklärte Schmerzen, Rückenschmerzen mit Lähmungen, Taubheit oder Fieber und sehr starke Regelschmerzen gehören zuerst in ärztliche Hand. Akupunktur ersetzt weder Krebstherapie noch Mittel gegen Übelkeit bei Chemotherapie noch eine Depressionsbehandlung [23] [26].

Woran geforscht wird

Der G-BA hat im September 2026 das Stellungnahmeverfahren zu Akupunktur bei Migräne eingeleitet; im Raum steht auch eine Erprobung in Studien [49]. Die neue S3-Leitlinie zu den Wechseljahren wird nach der Konsultation verabschiedet [44]. Eine deutsche Studie zu Ohrakupunktur gegen Hitzewallungen unter Antihormontherapie ist abgeschlossen [56]. Ergebnisse stehen noch aus. In Norwegen läuft eine kleine Studie zu Elektroakupunktur bei Beckenschmerzen und vermuteter Endometriose [57].

FAQ – Häufige Fragen

Wirkt Akupunktur besser als ein Placebo?
Etwas. Bei Migräne und chronischen Schmerzen schneidet echte Akupunktur besser ab als Scheinakupunktur, der Vorsprung ist aber klein. Deutlich größer ist der Unterschied zu gar keiner Behandlung. Einen Teil der Wirkung tragen Erwartung, Zuwendung und der Nadelreiz selbst.

Wann zahlt die gesetzliche Krankenkasse Akupunktur?
Bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken oder im Knie durch Arthrose, die seit mindestens sechs Monaten bestehen. Bezahlt werden bis zu zehn Sitzungen in sechs Wochen, ausnahmsweise fünfzehn, bei Ärztinnen und Ärzten mit besonderer Qualifikation.

Hilft Akupunktur gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren?
Bei natürlichen Wechseljahren wirkte echte Akupunktur in der besten Studie nicht besser als eine Scheinbehandlung. Bei Hitzewallungen durch Antihormontherapie nach Brustkrebs ging es Frauen mit Akupunktur besser als ohne, ein spezifischer Nadeleffekt ist aber nicht gesichert.

Wie viele Sitzungen sind nötig?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Studien prüften meist zehn bis fünfzehn Sitzungen von rund 30 Minuten über sechs bis zwölf Wochen. Bringt eine Serie keine Besserung, spricht wenig dafür, sie endlos zu verlängern.

Wie gefährlich ist Akupunktur?
Meist harmlos: Etwa jeder Zehnte bemerkt während einer Serie Blutergüsse, Schmerz an der Einstichstelle oder Kreislaufschwäche. Schwere Folgen wie ein Lungenkollaps sind selten, etwa eine bei 10.000 Behandelten. Sterile Einmalnadeln und eine gut ausgebildete Fachperson senken das Risiko.

Erhöht Akupunktur bei künstlicher Befruchtung die Chance auf ein Kind?
Nein. In der größten Studie bekamen mit echter wie mit Scheinakupunktur je etwa 18 von 100 Frauen ein Kind. Die europäische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin empfiehlt Akupunktur deshalb nicht.

Hilft Akupunktur beim Rauchstopp?
Kurzfristig vielleicht ein wenig, auf Dauer nicht nachweisbar: Nach sechs Monaten rauchten mit echter Akupunktur nicht sicher weniger Menschen als mit Scheinakupunktur. Sie ersetzt keine bewährte Entwöhnung mit Beratung und Medikamenten.

Recherchestand: 1. Oktober 2026 · Nächste Prüfung: Oktober 2027

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

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