Praxis: Den eigenen Puls messen

Den Puls richtig fühlen und zählen: Anleitung fürs Handgelenk, Orientierung zum Ruhepuls und Hinweise, wann ein unregelmäßiger Puls abgeklärt werden sollte.

Abends im Sessel scheint das Herz kurz zu stolpern. Oder die Smartwatch meldet einen unregelmäßigen Rhythmus, obwohl Sie sich wohlfühlen: Muss man sich Sorgen machen?

Zum Pulsmessen reichen die Finger der anderen Hand und eine Uhr mit Sekundenanzeige. Am Handgelenk können Sie feststellen, wie schnell und wie gleichmäßig Ihr Herz schlägt [1]; eine Auffälligkeit ist ein Hinweis zur Abklärung, keine Diagnose [2].

Worum es geht

Ein unregelmäßiger Puls kann auf Vorhofflimmern hinweisen, eine Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfallrisiko erhöht und auch ohne Beschwerden vorkommt [2]. Wie daraus eine gesicherte Diagnose und gegebenenfalls eine Behandlung werden, erklärt der Leitartikel „Vorhofflimmern: Smartwatch, EKG, Blutverdünner – was vor dem Schlaganfall schützt“ vom 09.11.

Bevor es losgeht

Die Herzstiftung rät, vor dem Pulstasten fünf Minuten ruhig zu sitzen [1]. Wählen Sie für Vergleichsmessungen möglichst ähnliche Bedingungen, legen Sie den Unterarm entspannt ab und drehen Sie die Handfläche nach oben.

Direkt nach Treppensteigen oder bei Aufregung lässt sich kein vergleichbarer Ruhepuls erwarten. Auch Fieber und manche Medikamente beeinflussen die Herzfrequenz [3], also die Zahl der Herzschläge pro Minute.

So geht es

  1. Die Stelle finden. Legen Sie Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand auf die Innenseite des Handgelenks, an den Rand auf der Daumenseite direkt unterhalb der Daumenwurzel.
  2. Behutsam fühlen. Drücken Sie leicht, bis Sie die Schläge spüren; verschieben Sie die Finger bei Bedarf etwas. Der Daumen eignet sich nicht, weil sein eigener Puls stören kann.
  3. In Ruhe zählen. Zählen Sie möglichst 60 Sekunden lang. Bei eindeutig regelmäßigem Puls können Sie alternativ 15 Sekunden zählen und das Ergebnis mit vier multiplizieren; bei Unregelmäßigkeit zählt immer die ganze Minute.
  4. Den Takt beachten. Folgen die Schläge gleichmäßig, oder gibt es Pausen und wechselnde Abstände? Notieren Sie auch, wenn einzelne Schläge deutlich schwächer oder stärker wirken; eine Ursache lässt sich daraus nicht selbst ableiten.
  5. Das Ergebnis festhalten. Schreiben Sie Datum, Uhrzeit, Pulsschläge pro Minute, regelmäßig oder unregelmäßig sowie mögliche Beschwerden auf [1]. Für ein Gespräch in der Praxis sind auch Begleitumstände wie Bewegung oder Aufregung hilfreich [3].

Was die Werte bedeuten

Die American Heart Association nennt für ruhende, wache Erwachsene einen Orientierungsbereich von 60 bis 100 Schlägen pro Minute [3]; die Herzstiftung nennt mit einer Obergrenze von 80 einen engeren typischen Bereich [1]. Entscheidend sind auch Ihr gewohnter Puls, Trainingszustand und Medikamente: Ein niedriger Wert allein bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung.

Einzelne zusätzliche Herzschläge, sogenannte Extrasystolen, können harmlos sein [4]. Ein anhaltend unregelmäßiger Puls kann aber auch auf Vorhofflimmern hinweisen; das Tasten unterscheidet beides nicht sicher, und ein unauffälliger Moment schließt anfallsartige Störungen nicht aus [2].

Blutdruck- und Pulsmessgeräte zeigen meist die Frequenz, manche zusätzlich eine Rhythmuswarnung. Smartwatches können Auffälligkeiten erfassen; optische Pulsmessung ist jedoch kein EKG [5], eine Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität, und Fehlalarme sind möglich.

Laut S3-Leitlinie muss Vorhofflimmern durch ein ärztlich beurteiltes EKG bestätigt werden [2], auch wenn eine Uhr eine EKG-Funktion besitzt. Für nur zeitweise auftretende Auffälligkeiten kann eine längere Aufzeichnung sinnvoll sein [4]; der Methoden-Eintrag „Langzeit-EKG“ erklärt das Verfahren, der Beitrag „Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät“ die weitere Einordnung.

Für wen regelmäßiges Prüfen sinnvoll ist

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt, bei Menschen ab 65 Jahren bei Arztbesuchen routinemäßig den Herzrhythmus zu prüfen [5], etwa durch Pulstasten. Das ist keine Aufforderung, den eigenen Puls ständig zu überwachen.

Die deutsche S3-Leitlinie sieht zusätzlich vor, dass Menschen ab 75 Jahren oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko mindestens einmal ein EKG erhalten [2]. Ein allgemeines Dauerscreening mit Smartwatches empfiehlt sie nicht; Selbsttasten ersetzt die gezielte Untersuchung nicht.

Evidenz-Kompass

  • Belegt: Gezielte Früherkennung entdeckt mehr Vorhofflimmern; eine Gesamtauswertung zeigt einen kleinen Rückgang von Schlaganfällen oder Gefäßverschlüssen [6]. Sie umfasst allerdings auch implantierte Überwachungsgeräte.
  • Umstritten: Mehr Überwachung kann auch mehr Fehlalarme und zusätzliche Untersuchungen bedeuten [5]. Die Zurückhaltung gegenüber allgemeinem Dauerscreening [2] ist deshalb kein Widerspruch zur gezielten Abklärung auffälliger Befunde.
  • Offen: Ob regelmäßiges Selbsttasten oder die Dauermessung per Smartwatch Menschen ohne Beschwerden unterm Strich mehr nützt als schadet, etwa durch Fehlalarme, ist nicht ausreichend geklärt [6]. Auch die US-Präventionsbehörde sieht dafür keine ausreichende Datengrundlage [7].

Sicherheitsbox

  • Ein wiederholt unregelmäßiger Puls sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden [2], ebenso eine auffällige Veränderung Ihres gewohnten Ruhepulses [3].
  • Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls zusammen mit Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht ist ein Notfall [3]: Wählen Sie 112 [8].
  • Plötzliche Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen sind mögliche Schlaganfallzeichen [8]: Wählen Sie ebenfalls 112, auch wenn sie nachlassen.
  • Verordnete Herzmedikamente sollten Sie nicht anhand eigener Messwerte verändern [3]; Anpassungen gehören in ärztliche Hände.

Merkpunkte

  • Das Handgelenk ist eine gut zugängliche Stelle, um den eigenen Puls zu fühlen.
  • Zur Beobachtung gehören Geschwindigkeit und Gleichmäßigkeit, nicht nur eine Zahl.
  • Auffälligkeiten brauchen gegebenenfalls ein EKG statt einer Selbstdiagnose.
  • Sie können mit Ihrer Arztpraxis vereinbaren, ob und wie oft Messungen für Sie hilfreich sind, statt den Puls ständig kontrollieren zu müssen.

Häufige Fragen zum Pulsmessen

Wie erkenne ich einen unregelmäßigen Puls?
Achten Sie beim Tasten auf wechselnde Abstände zwischen den Schlägen. Wiederholt auftretende Unregelmäßigkeiten gehören ärztlich geprüft; eine sichere Zuordnung gelingt nur mit einer passenden EKG-Aufzeichnung [2].

Kann ich Vorhofflimmern selbst erkennen?
Ein unregelmäßiger Puls kann einen Verdacht wecken. Er beweist Vorhofflimmern nicht, und ein regelmäßiger Puls schließt eine zeitweise auftretende Episode nicht aus [2].

Was mache ich nach einer Smartwatch-Warnung?
Bewahren Sie eine vorhandene Aufzeichnung auf und besprechen Sie wiederkehrende Warnungen mit Ihrer Arztpraxis [5]. Bei begleitenden Notfallzeichen zählt sofortige Hilfe [3], nicht eine weitere Gerätemessung.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Deutsche Herzstiftung. #PULSEDAY: Puls messen und vor Risiken durch Herzrhythmusstörungen schützen. Pressemitteilung vom 25. Februar 2025. 2025. https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/puls-messen-herzrhythmusstoerungen
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie; Eckardt L, Willems S (Koordination). S3-Leitlinie Vorhofflimmern. AWMF-Register 019-014, Version 1.1, Stand 14. April 2025. 2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/019-014l_S3_Vorhofflimmern_2025-07.pdf
  3. American Heart Association. All About Heart Rate. Patienteninformation. Ohne ausgewiesenes Publikationsjahr in der geprüften Seitenfassung; Abruf 24. Oktober 2026. https://www.heart.org/en/health-topics/high-blood-pressure/the-facts-about-high-blood-pressure/all-about-heart-rate-pulse
  4. Deutsche Herzstiftung. Extrasystolen sind häufig harmlos. Patienteninformation, fachlich begleitet von Ellen Hoffmann. Ohne ausgewiesenes Publikationsjahr; Abruf 24. Oktober 2026. https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/extrasystolen
  5. Van Gelder IC et al.; European Society of Cardiology. 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). European Heart Journal. 2024;45:3314–3414. https://academic.oup.com/eurheartj/article/45/36/3314/7738779
  6. Langén V et al. Clinical outcomes of atrial fibrillation screening: a meta-analysis of randomized controlled trials. Annals of Medicine. 2025;57:2457522. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12161479/
  7. US Preventive Services Task Force. Atrial Fibrillation: Screening. Final Recommendation Statement vom 25. Januar 2022. 2022. https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/atrial-fibrillation-screening
  8. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Verhalten im Notfall. Patienteninformation. Ohne ausgewiesenes Publikationsjahr; Abruf 24. Oktober 2026. https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/verstehen-vermeiden/verhalten-im-notfall