Coenzym Q10

Coenzym Q10 wird als Energiespender, Herzschutz und Begleiter zu Cholesterinsenkern beworben. Was der Stoff im Körper tut, wann eine Einnahme ärztlich diskutiert wird und was Studien zu Herzschwäche, Statinen und Migräne tatsächlich zeigen.

STECKBRIEF

  • Was: fettlöslicher, vitaminähnlicher Stoff, den der Körper selbst herstellt; er arbeitet in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, und schützt Zellhüllen vor Oxidation
  • Quellen: vor allem die körpereigene Bildung; mit dem Essen nimmt man im Schnitt 3 bis 6 Milligramm am Tag auf, meist aus Fleisch, Fisch, Nüssen und einigen Ölen (BfR)
  • Bedarf: kein amtlicher Referenzwert; laut BfR bilden Gesunde genug, eine zusätzliche Zufuhr ist nicht notwendig
  • Grenzen: keine Höchstmenge in der EU; bis 300 mg am Tag gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, darüber ist die Sicherheit nicht erforscht (BfR)
  • Rechtsstatus: als Nahrungsergänzungsmittel im Handel; die beantragten Gesundheitsaussagen, etwa zum Energiestoffwechsel, sah die EFSA nicht als belegt an
  • Studienlage: bei Herzschwäche ein ermutigendes, aber unbestätigtes Ergebnis aus einer großen Studie, bei Migräne wenige kleine Studien; für mehr Energie bei Gesunden und gegen Muskelschmerzen unter Statinen fehlt ein überzeugender Beleg

Das Rezept für den Cholesterinsenker liegt noch auf dem Küchentisch, da kommt schon der gut gemeinte Rat: Nimm dazu Q10, das Statin raubt es dem Körper. Im Regal daneben verspricht eine Packung „Energie ab 40“, eine andere „Power fürs Herz“. Für viele klingt das logisch. Q10 steckt schließlich in jeder Zelle und hilft, Energie zu gewinnen.

Die Biologie stimmt, die Schlussfolgerung nicht. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt ein gesunder Körper genug Q10 selbst her [1]. Gegen Muskelschmerzen unter Statinen half Q10 in der strengsten Studie nicht [2], und die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) rät davon ab [3]. Ernsthaft diskutiert wird Q10 vor allem bei Herzschwäche, zusätzlich zur üblichen Behandlung, und bei Migräne.

EVIDENZ-ÜBERSICHT

So sind die Stufen gemeint: „Solide“ heißt, eine maßgebliche Leitlinie oder Behörde empfiehlt es, oder mehrere gute Studien stimmen überein. „Mittel“: Es gibt gute Studien, aber mit uneinheitlichen oder noch nicht bestätigten Ergebnissen. „Schwach“: Es gibt Studien, aber zu wenige oder zu kleine. „Kein Nutzen belegt“: Gute Studien fanden keinen Unterschied zum Scheinmittel (Placebo). „Nicht untersucht“: Es gibt keine Studie. Für „Solide“ reicht bei Q10 derzeit kein Anwendungsgebiet. Die meisten Anwendungen fallen unter „Schwach“.

Mittel

  • Herzschwäche (chronische Herzinsuffizienz), zusätzlich zur üblichen Behandlung: eine große Studie mit weniger schweren Ereignissen [4], nicht unabhängig bestätigt [5]
  • Seltener angeborener (primärer) Q10-Mangel [6], in spezialärztlicher Behandlung: ein Sonderfall, denn für die sehr seltene Krankheit fehlen kontrollierte Studien; das Ansprechen auf Q10 ist aber dokumentiert [7]

Schwach

  • Migräne vorbeugen: wenige kleine Studien [8], die Leitlinie nennt die Belege gering [9]
  • Muskelbeschwerden unter Statinen: widersprüchliche kleine Studien [10], die strengste fand keinen Nutzen [2]
  • Leichte Müdigkeit bei sonst Gesunden [12]: eine kleine, vom Hersteller finanzierte Studie [11]
  • Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS): nur Kombinationen mit NADH geprüft, ohne Unterschied zum Scheinmittel in der größten Studie [13]
  • Vorhofflimmern nach Herzoperationen und bei Herzschwäche: kleine Studien [15], nach Operationen kein Unterschied [14]
  • Angeborene Erkrankungen der Mitochondrien (ohne Q10-Mangel): eine kleine Studie ohne klinische Besserung [16]
  • Fruchtbarkeit bei Männern [17] und bei künstlicher Befruchtung [18]: Laborwerte verändert, Schwangerschaften nicht sicher häufiger
  • Blutzucker bei Diabetes: geringe Laborveränderungen, Folgeerkrankungen nicht untersucht [19]
  • Parodontitis, zusätzlich zur Zahnreinigung: sehr unsichere Belege [20]
  • Faltige Haut: eine kleine Kurzzeitstudie [21]
  • Körperliche Leistungsfähigkeit ab 40: kein gesicherter Effekt [22]

Kein Nutzen belegt

  • Bluthochdruck senken [23]
  • Fortschreiten einer frühen Parkinson-Krankheit bremsen [24]

Nicht untersucht

  • Herz schützen bei Gesunden [5]
  • Länger jung bleiben, „Anti-Aging“ [25]
  • Q10 „ab 40“ nachfüllen, weil der Körper zu wenig bilde [1]
  • Wechseljahresbeschwerden [26]
  • Einnahme allein wegen eines niedrigen Blutwerts [27]

Was Q10 im Körper tut

Coenzym Q10 heißt auch Ubichinon. Der Name verrät, dass es fast überall vorkommt: Ubiquitär bedeutet allgegenwärtig. In den Mitochondrien hilft es, den Energieträger der Zellen zu bilden, das ATP. Dafür reicht es Elektronen, winzige elektrisch geladene Teilchen, von einem Eiweißkomplex zum nächsten weiter [25]. Eine zweite Form von Q10 heißt Ubichinol. Sie schützt Zellhüllen und Blutfette vor Schäden durch Sauerstoff.

Der Körper baut Q10 selbst, über denselben Stoffwechselweg, über den er auch Cholesterin herstellt [25]. Hinzu kommt etwas aus der Nahrung. Laut BfR sind es im Schnitt 3 bis 6 Milligramm am Tag [1], vor allem aus Fleisch; auch Fisch, Nüsse und einige Öle liefern nennenswerte Mengen. Besonders reich sind Herz, Hering und Forelle [25]. Einen amtlichen Bedarfswert gibt es nicht. Q10 ist kein Vitamin, weil der Körper nicht auf die Zufuhr angewiesen ist.

Daraus leiten Werbetexte ab, zusätzliches Q10 schenke mehr Energie. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat genau diese Aussage geprüft. Ein Zusammenhang zwischen Q10-Einnahme und normalem Energiestoffwechsel ist nach ihrem Urteil nicht belegt [28]; dasselbe gilt für Blutdruck, Cholesterin und Ausdauer.

Ein Wirkmechanismus ist noch kein Wirknachweis

Q10 ist für die Energiegewinnung unverzichtbar. Daraus folgt nicht, dass mehr davon mehr Energie bringt. Ein Auto braucht Öl; doppelt so viel Öl macht es nicht schneller. Ob eine zusätzliche Menge etwas bewirkt, zeigen nur Studien, die Menschen mit und ohne Q10 vergleichen.

Mehr Energie ab 40?

Ab 40, so ein verbreitetes Werbeversprechen, bilde der Körper zu wenig Q10. Eine Studie, die eine solche Altersgrenze belegt, gibt es nicht. Beim Menschen sinken die Q10-Werte mit dem Alter in manchen Geweben, aber nicht in allen; ob das beim Altern eine Rolle spielt, ist unbekannt [25]. Eine Übersichtsarbeit zum Altern kommt zu dem Schluss, dass die Belege für Q10 als Anti-Aging-Mittel nicht ausreichen [25].

Die orthomolekulare Medizin, die mit hoch dosierten Nährstoffen arbeitet, sieht das anders. Eine Übersicht aus diesem Feld hält die körpereigene Menge im Alter für zu gering für „optimale Gesundheit“ [29]. Sie stützt sich jedoch nicht auf Langzeitstudien. Das BfR findet bei Gesunden keine Hinweise auf eine Unterversorgung [1].

Bei der Müdigkeit lohnt der genaue Blick. Eine Auswertung von 13 Studien mit gut 1.100 Teilnehmenden fand unter Q10 etwas geringere Müdigkeit, vor allem bei Kranken [12]. Bei gesunden Teilnehmenden ließ sich der Unterschied nicht vom Zufall trennen. Eine japanische Studie mit 62 bereits leicht erschöpften Gesunden berichtete nach zwölf Wochen weniger Müdigkeit [11]. Sie wurde von einem Hersteller finanziert. Für Menschen ohne Beschwerden sagt sie nichts.

Statine: Raubt der Cholesterinsenker Q10?

Der Gedanke hat einen wahren Kern: Statine bremsen ein Enzym am Anfang des gemeinsamen Bildungswegs von Cholesterin und Q10 [25]. Unter Statinen sinkt der Q10-Wert im Blut, das zeigt eine Auswertung kontrollierter Studien [30]. Ein großer Teil des Q10 im Blut wird allerdings zusammen mit dem LDL-Cholesterin transportiert [27]. Senkt das Statin das LDL, sinkt der Blutwert deshalb ohnehin mit. Ob dadurch die Muskeln zu wenig Q10 haben, folgt daraus nicht.

Muskelbeschwerden unter Statinen (Evidenz: Schwach). Die strengste Studie stammt aus den USA [2]. Zuerst prüfte sie bei 120 Menschen mit früheren Beschwerden in einem verblindeten Test, ob die Schmerzen wirklich vom Statin kamen. Nur 41 von ihnen bekamen Schmerzen mit Statin, aber nicht mit Scheinmittel. Diese 41 nahmen acht Wochen lang zum Statin 600 Milligramm Ubichinol oder ein Scheinmittel. Der Q10-Wert im Blut stieg auf etwa das Vierfache, die Schmerzen blieben gleich. Ausgewertet wurden am Ende 38 Menschen: Mit Q10 klagten 14 von 20 über Schmerzen, ohne Q10 7 von 18.

Die Auswertungen mehrerer Studien widersprechen sich. Eine chinesische Analyse von zwölf kleinen Studien fand weniger Schmerzen, bei sehr unterschiedlichen Einzelergebnissen [31]. Eine britische Analyse fand keinen Unterschied, weder bei Schmerzen noch darin, wie viele das Statin weiter nahmen [32]. Die neueste Analyse von 2025 fand insgesamt einen kleinen Effekt. In den Studien, die klar festgelegt hatten, was als Statin-Muskelbeschwerden gilt, zeigte er sich nicht [10]. Die EAS empfiehlt Q10 weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung [3].

Eine Sorge lässt sich ausräumen: In der US-Studie senkte das Statin das LDL mit und ohne Q10 gleich stark [2].

Herzschwäche: eine große Studie, viele offene Fragen

Chronische Herzinsuffizienz (Evidenz: Mittel). Bei Herzschwäche pumpt das Herz zu wenig Blut. Die Studie Q-SYMBIO gab 420 Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Herzschwäche zwei Jahre lang dreimal täglich 100 Milligramm Q10 oder ein Scheinmittel, jeweils zusätzlich zur üblichen Behandlung [4].

Die folgenden Zahlen zeigen, wie viele in zwei Jahren ein schweres Ereignis hatten, also einen Krankenhausaufenthalt wegen Herzschwäche, den Tod aus Herzgründen, ein Herzunterstützungssystem oder eine dringliche Transplantation:

  • mit Q10: 15 von 100
  • ohne Q10: 26 von 100
  • gestorben, gleich aus welchem Grund: 10 von 100 mit Q10, 18 von 100 ohne

Nach den ersten 16 Wochen hatte die Studie allerdings keinen Unterschied bei Beschwerden, Gehstrecke oder einem Blutwert für die Herzbelastung gefunden [4].

Die Cochrane-Übersicht von 2021, eine systematische Zusammenfassung nach festen Regeln, fasst elf Studien mit knapp 1.600 Teilnehmenden zusammen [5]. Ihr Ergebnis hat zwei Seiten. Nach dieser Übersicht senkt Q10 wahrscheinlich Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte. Die Aussage zur Sterblichkeit stammt aber allein aus Q-SYMBIO. Deshalb reichen die Belege aus Sicht der Autorinnen und Autoren nicht aus, um belastbare Schlüsse über Nutzen und Sicherheit zu ziehen. Eine spätere Auswertung europäischer Teilnehmender stammt aus derselben Studie und ist keine Bestätigung [33]. Ermutigend, aber unbestätigt: Das meint hier die Einstufung „Mittel“.

In Leitlinien hat sich das nicht niedergeschlagen. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sieht 2021 keine klare Rolle für die routinemäßige Einnahme von Mikronährstoffen und nennt Q10 nicht eigens [34]. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie erwähnt Q10 nicht; ihre nicht-medikamentösen Kapitel werden derzeit überarbeitet [35]. Herzmedikamente ersetzt Q10 nicht.

Für das Herz von Gesunden gibt es keine Studie. Der Blutdruck sank in einer Cochrane-Auswertung nicht verlässlich, im Mittel um knapp 4 mmHg beim oberen Wert, nicht vom Zufall zu unterscheiden [23]. Vor Vorhofflimmern nach einer Herzoperation schützte Q10 in kleinen Studien nicht [14].

Die unbequeme Frage: Wer hat die Studien bezahlt?

Q-SYMBIO ist das stärkste Argument für Q10. Sie wurde von Q10-Herstellern unterstützt [36], und eine zweite, unabhängige Studie dieser Größe gibt es bisher nicht. Das macht das Ergebnis nicht falsch. Es macht eine Bestätigung umso wichtiger.

Ein einfaches Muster zeigt sich trotzdem nicht. Die beiden öffentlich finanzierten Studien, die US-Statinstudie [2] und die große Parkinson-Studie, fanden keinen Nutzen [24]. Eine vom Hersteller mitfinanzierte Studie zu ME/CFS fand ebenfalls keinen Unterschied zum Scheinmittel [13]. Bei den Statin-Muskelbeschwerden hing der günstige Effekt einer Auswertung an einer einzigen, industrieunterstützten Studie mit Q10 und Selen. Ohne diese Studie verschwand er [32]. Das beweist keinen Einfluss des Geldgebers, zeigt aber, wie dünn die Datenlage ist.

Hinzu kommt: Viele Studien messen nur Blutwerte, Spermienqualität oder Hautfeuchtigkeit. Ob Menschen länger leben oder sich besser fühlen, prüfen die wenigsten.

Migräne

Migräne vorbeugen (Evidenz: Schwach). Eine Auswertung von sechs kleinen Studien mit 371 Erwachsenen fand unter Q10 etwa anderthalb Migräneattacken weniger pro Monat [8]. Die Attacken dauerten im Mittel gut zehn Minuten kürzer. Wie stark die Schmerzen waren, änderte sich nicht verlässlich. In einer belgischen Studie mit 42 Erwachsenen halbierte sich bei 48 von 100 Menschen mit dreimal 100 Milligramm am Tag die Zahl der Attacken, gegenüber 14 von 100 mit Scheinmittel [37].

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hält fest, dass die meisten Nahrungsergänzungsmittel Migräne nicht vorbeugen [9]. Q10 nennt sie unter den wenigen Ausnahmen, schränkt aber ein: „Die wissenschaftliche Evidenz ist aber gering.“ Bei Kindern und Jugendlichen war Q10 einem Scheinmittel nicht überlegen.

Niedriger Blutwert oder echter Mangel?

Ein niedriger Q10-Wert im Blut ist noch kein Mangel. Der Blutwert hängt davon ab, wie viel LDL-Cholesterin im Blut ist und was jemand gegessen hat [27]. Über die Versorgung von Muskeln oder Herz sagt er wenig [25]. Einen allgemein gültigen Grenzwert für die Selbstdiagnose gibt es nicht.

Davon zu trennen ist der primäre Q10-Mangel. Diese angeborene Stoffwechselkrankheit entsteht durch Veränderungen in Genen, die den Körper Q10 bauen lassen [6]. Sie ist sehr selten und trifft je nach Form Nieren, Nervensystem oder Muskeln. Gesichert wird sie mit einer Muskelprobe und Gentests [38]. Behandelt wird mit hoch dosiertem Q10 in spezialisierten Zentren. Kontrollierte Studien fehlen, aber vor allem bei Nierenbeteiligung ist ein Ansprechen dokumentiert [7].

Ubichinon oder Ubichinol?

Präparate enthalten Q10 als Ubichinon oder als Ubichinol. Beides ist derselbe Stoff in zwei Zuständen, die der Körper ständig ineinander umwandelt [25]. Ubichinol wird oft als „aktive Form“ beworben. In einer slowenischen Studie mit 21 älteren Gesunden stieg der Blutwert nach Ubichinol nicht verlässlich stärker als nach Ubichinon; eine wasserlösliche Zubereitung erreichte höhere Werte [39]. Ein höherer Blutwert ist aber noch keine bessere Wirkung. Das BfR sieht bei beiden Formen Kenntnislücken [1].

Nahrungsergänzungsmittel werden in Deutschland nur angezeigt, nicht behördlich geprüft. Für ihre Sicherheit sind die Hersteller verantwortlich [1].

Sicherheitsbox

  • Magen und Darm: Bis 300 Milligramm am Tag berichten Studien gelegentlich Übelkeit, Sodbrennen, Magenbeschwerden oder Durchfall, vereinzelt Hautausschlag. Ob höhere Mengen mehr Beschwerden machen, ist laut BfR nicht erforscht [1].
  • Gerinnungshemmer (Phenprocoumon, Warfarin): Ob Q10 die Wirkung dieser Vitamin-K-Gegenspieler verändert, ist unzureichend untersucht [1]. Ein Fallbericht beschreibt eine abgeschwächte Warfarin-Wirkung [40]; eine kleine kontrollierte Studie mit 100 Milligramm fand keinen Einfluss [41]. Zu Phenprocoumon gibt es keine Studie. Das BfR rät, vor mehr als 100 Milligramm am Tag ärztlichen Rat einzuholen.
  • Blutdrucksenker: Wechselwirkungen mit Blutdrucksenkern sind ebenfalls kaum untersucht. Auch hier rät das BfR, vor mehr als 100 Milligramm am Tag ärztlichen Rat einzuholen [1].
  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche: Ausreichende Untersuchungen fehlen. Das BfR rät, auf Präparate in relevanter Menge zu verzichten oder vorher ärztlich zu klären [1].
  • Krebsbehandlung: Ob Q10 Chemo- oder Strahlentherapie abschwächt, haben Studien nicht über längere Zeit geprüft [42]. Die Einnahme gehört mit dem Behandlungsteam besprochen.
  • Statine: Q10 ersetzt kein Statin und schützt nicht verlässlich vor Muskelschmerzen [3].

Praxisbox

Wann ärztlich abklären

Muskelschmerzen oder Schwäche unter einem Statin gehören in die Praxis, bevor man das Statin absetzt oder selbst behandelt [3]. Wer Phenprocoumon oder Warfarin nimmt und mit Q10 beginnen oder aufhören will, sagt das der Praxis, die die Gerinnungswerte kontrolliert [1]. Bei Herzschwäche wird eine Einnahme am besten in der kardiologischen Betreuung besprochen.

Weitere Anwendungen: Parkinson, ME/CFS, Kinderwunsch

Parkinson (Evidenz: Kein Nutzen belegt). Eine große US-Studie gab 600 Menschen mit früher Parkinson-Krankheit bis zu 16 Monate lang 1.200 oder 2.400 Milligramm Q10 am Tag [24]. Die Beschwerden nahmen mit Q10 genauso zu wie ohne. Die Studie wurde vorzeitig beendet, weil ein Nutzen nicht mehr zu erwarten war.

ME/CFS (Evidenz: Schwach). Bei dieser schweren Erschöpfungskrankheit wurde Q10 nur zusammen mit NADH geprüft, einem weiteren Stoff des Energiestoffwechsels. In der größten Studie mit 207 Teilnehmenden unterschieden sich Erschöpfung, Schlaf und Lebensqualität nach acht Wochen nicht vom Scheinmittel [13]. Die britische Leitlinie rät davon ab, Nahrungsergänzungsmittel als Heilmittel gegen ME/CFS zu empfehlen [43].

Kinderwunsch (Evidenz: Schwach). Bei Männern veränderte Q10 manche Spermienwerte, häufiger schwanger wurden die Partnerinnen nicht [17]. Studien bei künstlicher Befruchtung kombinierten Q10 oft mit anderen Stoffen und nannten keine Geburtenzahlen [18].

Woran geforscht wird

In Dänemark läuft die bislang größte Studie: Rund 4.000 Menschen mit Herzschwäche erhalten Q10, Selen, beides oder Scheinmittel, über zwei bis drei Jahre [44]. Gezählt werden Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche und Todesfälle aus Herzgründen. Damit lässt sich prüfen, ob sich das Ergebnis von Q-SYMBIO bestätigt. Eine weitere Studie mit 1.100 Teilnehmenden prüft Q10 und Selen nur in Kombination [45]. Eine geplante Studie vergleicht die beiden Q10-Formen Ubichinol und Ubichinon. Teilnehmen sollen Erwachsene zwischen 35 und 65 Jahren mit leicht erhöhtem LDL-Cholesterin, darunter Frauen nach den Wechseljahren. Gemessen wird allerdings nur die Gefäßfunktion [26].

Und der Rat am Küchentisch? Wer mit dem Statin Muskelschmerzen bekommt, findet die Antwort bisher in der Hausarztpraxis, nicht im Regal.

Häufige Fragen zu Coenzym Q10

Brauche ich zu Statinen zusätzlich Q10?
Nein, nach heutigem Wissen nicht. Statine senken zwar den Q10-Wert im Blut, doch in der strengsten Studie half Q10 nicht gegen Muskelschmerzen. Die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft empfiehlt es weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung. Muskelbeschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Gibt Q10 mehr Energie?
Für Gesunde ist das nicht belegt. Der Körper bildet laut BfR genug Q10 selbst, und die EFSA sah keinen Beleg für einen Einfluss auf den Energiestoffwechsel. Eine Altersgrenze wie „ab 40“, ab der Q10 fehlt, hat keine Studie gezeigt.

Hilft Q10 bei Herzschwäche?
Möglicherweise, zusätzlich zur üblichen Behandlung. In einer großen Studie hatten Menschen mit Q10 seltener schwere Herzereignisse. Bestätigt ist das nicht, und Leitlinien empfehlen Q10 bisher nicht. Herzmedikamente ersetzt es keinesfalls.

Kann Q10 Migräne vorbeugen?
In kleinen Studien hatten Erwachsene etwas seltener Attacken. Die deutsche Migräne-Leitlinie nennt Q10, stuft die Belege aber als gering ein. Bei Kindern und Jugendlichen wirkte es nicht besser als ein Scheinmittel.

Ist Ubichinol besser als Ubichinon?
Ein Vorteil bei Beschwerden ist nicht belegt. Beide Formen wandelt der Körper ineinander um. In einer Vergleichsstudie stieg der Blutwert nach Ubichinol nicht verlässlich stärker, und ein höherer Blutwert bedeutet noch keine bessere Wirkung.

Darf ich Q10 zusammen mit Phenprocoumon oder Warfarin nehmen?
Das ist unzureichend untersucht. Ein Fallbericht beschreibt eine schwächere Warfarin-Wirkung, eine kleine Studie fand keinen Einfluss. Das BfR rät, vor mehr als 100 Milligramm am Tag ärztlichen Rat einzuholen und die Gerinnungswerte im Blick zu behalten.

Bedeutet ein niedriger Q10-Blutwert einen Mangel?
Nein. Der Blutwert hängt vor allem vom LDL-Cholesterin und vom Essen ab und spiegelt nicht die Versorgung der Gewebe. Ein echter, angeborener Q10-Mangel ist sehr selten und wird mit Muskelprobe und Gentest gesichert.

Wie viel Q10 ist unbedenklich?
Eine Höchstmenge gibt es in der EU nicht. Bis 300 Milligramm am Tag beobachteten Studien gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden. Darüber ist die Sicherheit laut BfR nicht erforscht, ebenso bei Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Coenzym Q10: Was ist über gesundheitliche Risiken bekannt – und was nicht? Fragen und Antworten vom 10.11.2023. https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/coenzym-q10-was-ist-ueber-gesundheitliche-risiken-bekannt-und-was-nicht
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  3. Stroes ES, Thompson PD, Corsini A, et al.; European Atherosclerosis Society Consensus Panel. Statin-associated muscle symptoms: impact on statin therapy – European Atherosclerosis Society Consensus Panel Statement on Assessment, Aetiology and Management. European Heart Journal. 2015;36:1012–1022. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4416140/
  4. Mortensen SA, Rosenfeldt F, Kumar A, et al. The effect of coenzyme Q10 on morbidity and mortality in chronic heart failure: results from Q-SYMBIO: a randomized double-blind trial. JACC: Heart Failure. 2014;2:641–649. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25282031/
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  9. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030-057, Version 7.1, vollständig überarbeitet 08.08.2025, gültig bis 07.08.2028. https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-057l_S1_Therapie-der-Migraeneattacke-Prophylaxe-der-Migraene_2025-11.pdf
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