STECKBRIEF
- Was: lebensnotwendiges Spurenelement (Zn); der Körper enthält insgesamt nur 1,5 bis 2,5 Gramm, vor allem in Muskeln und Knochen
- Gute Quellen: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkorn
- Bedarf Erwachsene: Frauen 7 bis 10 mg, Männer 11 bis 16 mg pro Tag aus der gesamten Ernährung, je nach Phytatgehalt der Kost (DGE)
- Grenzen: höchstens 6,5 mg pro Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels (BfR-Vorschlag); höchstens 25 mg pro Tag aus allen Quellen zusammen auf Dauer (EFSA, Erwachsene)
- Erhältlich als: Lebensmittelbestandteil, Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel; die Einstufung hängt vom einzelnen Produkt ab
- Studienlage: Einen nachgewiesenen Mangel auszugleichen ist gut begründet; bei Erkältungen sind die Ergebnisse uneinheitlich, vorbeugend schützt Zink nicht
Der Hals kratzt, die Nase läuft an, und im Kopf meldet sich der Rat aus der Werbung: jetzt Zink. Im Regal stehen Lutschtabletten, Kapseln und „Immun-Kombis“ mit Vitamin C. Manche nehmen Zink den ganzen Winter über, um gar nicht erst krank zu werden.
Zink ist tatsächlich unverzichtbar, auch für die Abwehr. Vor Erkältungen schützt eine zusätzliche Einnahme nach heutigem Wissen aber nicht [1]. Ob Zink eine begonnene Erkältung verkürzt, ist unter Fachleuten umstritten [2], und die Mengen aus den günstigen Studien liegen weit über dem, was Behörden für die dauerhafte Einnahme für unbedenklich halten [3].
Was belegt ist und was nicht
So sind die Stufen gemeint: „Solide“ heißt, eine maßgebliche Leitlinie oder Behörde empfiehlt es, oder mehrere gute Studien stimmen überein. „Mittel“: Es gibt gute Studien, aber mit uneinheitlichen Ergebnissen. „Schwach“: Es gibt Studien, aber zu wenige oder zu kleine. „Kein Nutzen belegt“: Gute Studien fanden keinen Unterschied zum Scheinmittel. „Nicht untersucht“: Es gibt keine Studie. Erkältung steht in mehreren Stufen, denn die Bewertung hängt davon ab, ob Erwachsene oder Kinder Zink nehmen und in welcher Form, etwa als Lutschtablette oder Nasengel.
Solide
- Nachgewiesenen Zinkmangel behandeln [4]
- Akuter Durchfall bei Kindern bis zehn Jahre: von der WHO empfohlen [5]
- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) mit bestimmten Vorstufen: Kombination mit Antioxidanzien bremst das Fortschreiten [6], verhindert aber nicht die Entstehung [7]
Mittel
- Erkältung bei Erwachsenen verkürzen, früh begonnene Lutschtabletten [2]: Studien uneinheitlich [1]
- Geschmacksstörungen ohne erkennbare Ursache [9] oder bei Zinkmangel [8]
- Lungenentzündung bei Kleinkindern vorbeugen, in Ländern mit verbreitetem Mangel [10]
Schwach
- Zink-Nasengel oder -spray bei Erkältung [11]: wenige, widersprüchliche Studien, dazu ein Sicherheitsrisiko [1]
- Vitamin C plus Zink bei Erkältung: zwei kleine Kombinationsstudien [12]
- Akne: kleine, sehr unterschiedliche Studien [13]
- Kreisrunder Haarausfall: kleine, widersprüchliche Studien [14]
- Depression, zusätzlich zu Antidepressiva [15]
- Riechstörung nach Kopfverletzung [9]
- Krebs vorbeugen: nur eine Kombinationsstudie mit uneinheitlichem Ergebnis [16]
Kein Nutzen belegt
- Erkältungen vorbeugen [1]
- Erkältung bei Kindern verkürzen, mit Lutschtabletten [17] oder Sirup [18]
- Lungenentzündung bei Kindern, zusätzlich zu Antibiotika [19]
- Riechstörung nach einem Infekt [9]
- COVID-19 [20]
- Beingeschwüre [21]
Nicht untersucht
- Kapseln oder Tabletten zum Schlucken bei Erkältung von Erwachsenen [1]
- Akute Nebenhöhlenentzündung [22]
Wofür der Körper Zink braucht
Zink steckt in Hunderten von Enzymen, also Eiweißen, die Stoffwechselvorgänge in Gang bringen. Es wird für die Bildung von Eiweiß und Erbgut gebraucht, für Zellteilung, Wundheilung und die Abwehr [23]. Auch Geschmack und Geruch hängen davon ab.
Auf Packungen steht oft: „Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.“ Dieser Satz ist in der EU zugelassen, ebenso Aussagen zu Haut, Haaren, Nägeln und Sehkraft [24]. Er beschreibt, wofür der Nährstoff gebraucht wird. Dass mehr Zink die Abwehr eines gut versorgten Menschen zusätzlich stärkt, folgt daraus nicht.
Wie viel nötig ist und woher es kommt
Die Ernährungsgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (D-A-CH) empfehlen Frauen 7 bis 10 Milligramm und Männern 11 bis 16 Milligramm am Tag [25]. Die Spanne hat einen Grund: Phytat, ein Pflanzenstoff aus Vollkorn und Hülsenfrüchten, bindet Zink im Darm. Wer viel davon isst, braucht mehr. Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen Phytat ab. In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf auf bis zu 13 beziehungsweise 14 Milligramm, Kinder brauchen je nach Alter 3 bis 14 Milligramm [25].
Gut verwertbar ist Zink aus Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Eiern und Milchprodukten [23]. In Deutschland liefert Brot am meisten, so die Nationale Verzehrsstudie II aus den Jahren 2005 bis 2007. Etwa jeder dritte Mann und jede fünfte Frau blieben damals unter dem Referenzwert [26]. Ein Mangel ist das nicht: Eine geringere Zufuhr erhöht laut DGE nur die Wahrscheinlichkeit einer Unterversorgung [27].
Wann ein Mangel vorliegt
Ein Zinkmangel zeigt sich unspezifisch. Bei Kindern fallen verzögertes Wachstum, Durchfall, Haarausfall und häufige Infekte auf, bei Erwachsenen ein gestörter Geschmacks- oder Geruchssinn und schlecht heilende Wunden, im Alter auch Veränderungen von Denken und Stimmung [23]. Keines dieser Zeichen beweist allein einen Mangel.
Auch der Bluttest hat Grenzen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH sprechen Werte unter 70 Mikrogramm pro Deziliter bei Frauen und unter 74 bei Männern [23] für eine unzureichende Versorgung. Doch der Wert schwankt mit der Tageszeit und sinkt bei jedem Infekt oder jeder Entzündung. Mitten in einer Erkältung gemessen, kann er einen Mangel vortäuschen. Ein Einzelwert reicht deshalb nicht; Ernährung, Krankheiten und Beschwerden gehören zur Beurteilung dazu.
Ein echtes Risiko haben vor allem Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn [23], mit Zöliakie, nach einer Magen-Darm-Operation zur Gewichtsabnahme oder mit Alkoholabhängigkeit. Wer vegetarisch oder vegan isst, kann gut versorgt sein; entscheidend sind Menge, Phytatgehalt und Zubereitung [23]. Höheres Alter allein bedeutet keinen Mangel [26]. Bei chronischer Nierenerkrankung raten US-Ernährungsleitlinien davon ab, Zink routinemäßig zu ergänzen [28].
Erkältung: was Zink leistet und was nicht
Bei Erkältungen hängt die Antwort davon ab, wer Zink in welcher Form nimmt.
Vorbeugen (Evidenz: Kein Nutzen belegt). Die Cochrane-Übersicht von 2024, eine systematische Zusammenfassung nach festen Regeln, wertete neun Studien mit knapp 1.450 Teilnehmenden aus. Wer regelmäßig Zink nahm, erkältete sich kaum oder gar nicht seltener [1].
Lutschtabletten bei Erwachsenen (Evidenz: Mittel). Die günstigsten Ergebnisse stammen aus Studien mit Lutschtabletten aus Zinkacetat oder Zinkgluconat, die langsam im Mund zergehen und meist innerhalb von 24 Stunden nach den ersten Beschwerden begonnen wurden [29]. Das US-Forschungszentrum für Komplementär- und Integrativmedizin (NCCIH) hält dann eine kürzere Erkältung für möglich [30]. Doch eine finnische Studie von 2020 mit frühem Beginn fand keinen Vorteil gegenüber Scheintabletten [31]. Warum ältere Studien günstiger ausfielen, ist offen.
Lutschtabletten und Sirup bei Kindern (Evidenz: Kein Nutzen belegt). In einer US-Studie mit 249 Schulkindern dauerte die Erkältung mit und ohne Zink-Lutschtabletten gleich lange, im Mittel neun Tage [17]. Auch Zinksirup verkürzte die Erkältung bei Kindern nicht [18].
Kapseln und Tabletten zum Schlucken (Evidenz: Nicht untersucht). Für Erwachsene fehlen Studien, die geschluckte Präparate allein zur Behandlung einer Erkältung geprüft haben [1]. Ein Nutzen ist damit weder gezeigt noch widerlegt. Das Ergebnis der Lutschtabletten lässt sich nicht übertragen, denn bei ihnen soll gerade die Wirkung im Rachen eine Rolle spielen [29].
Nasengel und Nasenspray (Evidenz: Schwach). Zwei Studien kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen [1]. Schwerer wiegt die Sicherheit: Zink in der Nase wurde mit schwerem, womöglich dauerhaftem Verlust des Geruchssinns in Verbindung gebracht [30]. 2009 warnte die US-Arzneimittelbehörde FDA vor mehreren solchen Produkten [32].
Unerwünschte Wirkungen sind häufig. Laut Cochrane hatten etwa 48 von 100 Menschen mit Zink leichte Beschwerden [1] wie schlechten Geschmack oder Übelkeit, gegenüber 36 von 100 ohne Zink.
Die unbequeme Frage: zwei Tage, ein halber Tag oder ein Drittel?
Wie stark Zink eine Erkältung verkürzt, hängt davon ab, welche Studien man zusammenrechnet. Die zwei Tage und der halbe Tag stammen aus der Cochrane-Übersicht, das Drittel aus einer Neuberechnung, die diese Übersicht kritisiert. Beide Seiten haben nachvollziehbare Gründe.
Die Cochrane-Übersicht von Nault und Kollegen stellt die breite Frage: Was bringt Zink bei Erkältung, egal in welcher Form? Sie fasst acht Behandlungsstudien mit knapp 1.000 Teilnehmenden zusammen, Lutschtabletten und Nasengel, Kinder und Erwachsene. Im Mittel waren die Erkältungen gut zwei Tage kürzer [1]. Die Ergebnisse der Einzelstudien gingen aber sehr weit auseinander, und die Autorinnen und Autoren stufen die Sicherheit dieser Zwei-Tage-Aussage als gering ein. Rechneten sie nur mit den drei methodisch saubersten Studien, schrumpfte der Unterschied auf etwa einen halben Tag [1] und ließ sich nicht mehr vom Zufall unterscheiden. Ein kleiner Nutzen bleibt damit möglich, belegt ist er nicht.
Harri Hemilä und Elizabeth Chalker halten diesen Ansatz für verfehlt [2]. Nasengel mit winzigen Zinkmengen und Lutschtabletten mit tausendfach höherer Menge seien nicht dasselbe Mittel, Kinder und Erwachsene gehörten getrennt. Zudem fehle in der Cochrane-Rechnung ohne Begründung eine positive Erwachsenenstudie. Ihre eigene Neuberechnung umfasst fünf Studien, in denen Erwachsene Lutschtabletten nahmen. Sie ergibt gut ein Drittel kürzere Erkältungen [2]. Bei einer Erkältung, die sonst eine Woche dauert, wären das rund zweieinhalb Tage. Hemilä hat einen großen Teil der günstigen Auswertungen zu Zink selbst verfasst [29]; finanzielle Interessen geben er und Chalker nicht an [2].
Die Neuberechnung beantwortet eine engere Frage, und ihre Zahl gilt nur für diese Auswahl. Sie stützt sich auf ältere, kleine Studien, die teils von Herstellern mitfinanziert waren [33]; ob das die Ergebnisse beeinflusst hat, lässt sich nicht prüfen. Hemiläs eigene neuere Studie fand keinen Vorteil [31]. Für Erwachsene, die früh zu Lutschtabletten greifen, ist eine kürzere Erkältung also möglich. Für alle anderen Formen und für Kinder spricht wenig dafür.
Fehlender Beleg ist kein Gegenbeweis
Wenn ein Unterschied „nicht vom Zufall zu unterscheiden“ ist, heißt das nicht, dass Zink sicher nichts bringt. Die Datenmenge reicht nur nicht, um einen kleinen Effekt nachzuweisen. Umgekehrt ist ein günstiger Mittelwert aus sehr unterschiedlichen Studien keine Zusage für den Einzelfall. Beides kann gleichzeitig stimmen.
Studienmengen und Höchstmengen: drei verschiedene Zahlen
In den günstigen Lutschtablettenstudien nahmen Erwachsene 80 bis 92 Milligramm Zink am Tag [29], höchstens zwei bis drei Wochen lang [34]. Diese Menge lässt sich an drei amtlichen Zahlen messen. Jede beantwortet eine andere Frage: Wie viel braucht der Körper täglich? Wie viel ist auf Dauer aus allen Quellen zusammen unbedenklich? Und wie viel sollte die Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels höchstens enthalten?
Der Referenzwert der DGE beschreibt, wie viel fast alle Gesunden täglich brauchen: 7 bis 16 Milligramm [25]. Die Studienmengen entsprechen dem Fünf- bis Dreizehnfachen. Die tolerierbare Höchstmenge der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt an, wie viel jemand dauerhaft aus allen Quellen zusammen ohne Risiko aufnehmen kann: 25 Milligramm für Erwachsene [3]. Die Studienmengen liegen beim Drei- bis Vierfachen, und das Essen kommt noch hinzu. Der Höchstmengenvorschlag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gilt nicht für die gesamte Zufuhr, sondern nur für die Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels: 6,5 Milligramm [35]. Er lässt Platz für das Zink aus dem Essen. Lutschtabletten aus den Studien erreichen das Zwölf- bis Vierzehnfache.
Enthält ein Präparat mehr als 3,5 Milligramm pro Tagesportion, sollte laut BfR auf der Packung stehen, keine weiteren zinkhaltigen Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. Ganz ohne Risiko ist auch der Vorschlag nicht: Junge Männer, die viel Zink essen, können zusammen mit einem Präparat über die Höchstmenge kommen. Das BfR hält das nach Abwägung für noch tolerierbar [35].
Bei Kindern ist der Abstand größer. Die EFSA-Höchstmenge liegt je nach Alter bei 7 bis 22 Milligramm [3], für Säuglinge gibt es keinen Wert. In der Kinderstudie mit Lutschtabletten bekamen Schulkinder 50 bis 60 Milligramm am Tag [17], bei einem Kind zwischen 7 und 10 Jahren etwa das Vier- bis Fünffache der Höchstmenge.
Eine kurze Überschreitung ist keine Vergiftung, und sie beweist auch keine Wirkung. Umgekehrt zeigen Studien von zwei Wochen nicht, dass solche Mengen länger unbedenklich sind. Eine eigene Schwelle für Nebenwirkungen nennt die NIH: Ab etwa 50 Milligramm täglich über mehrere Wochen kann Zink die Kupferaufnahme stören [23], die Abwehr schwächen und das „gute“ HDL-Cholesterin senken. Ein Fallbericht beschreibt einen Mann, der jahrelang zweimal täglich 50 Milligramm nahm und eine schwere Blutarmut entwickelte [36], die nach dem Absetzen verschwand.
Formen: Gluconat, Citrat, Oxid, Bisglycinat
Präparate enthalten Zink als Salz, etwa als Gluconat, Citrat, Oxid oder Bisglycinat. Dass eine dieser Formen bei Beschwerden besser wirkt, zeigt keine Studie. Die Formen unterscheiden sich im Zinkanteil und in der Aufnahme.
Mit Bedarf und Höchstmengen vergleichen lässt sich nur das elementare Zink, also der reine Metallanteil des Salzes: bei Gluconat etwa 14 Prozent, bei Oxid 80 Prozent [37]. In einer Schweizer Studie mit 15 jungen Erwachsenen nahm der Darm aus Citrat und Gluconat jeweils etwa 61 Prozent einer Einzeldosis auf [37], aus Oxid etwa 50 Prozent. Bisglycinat führte in einer kleinen Studie zu höheren Blutwerten als Gluconat [38].
Nahrungsergänzungsmittel werden vor dem Verkauf nur angezeigt; eine Behörde prüft weder Wirkung noch Zusammensetzung [39]. Zinkhaltige Arzneimittel dienen dagegen der Behandlung eines nachgewiesenen Mangels [4].
Sicherheitsbox
- Magen und Geschmack: Übelkeit und schlechter Geschmack sind unter Zink häufig [1], besonders bei Lutschtabletten [33].
- Keine Nasenprodukte: Zink in der Nase kann zu schwerem, womöglich dauerhaftem Verlust des Geruchssinns führen [30].
- Kupfermangel bei längerer Einnahme: Ab etwa 50 Milligramm täglich über Wochen kann Zink einen Kupfermangel [23] mit Blutarmut und zu wenigen weißen Blutkörperchen auslösen [36]. Länger hohe Mengen nur in ärztlicher Begleitung.
- Antibiotika: Zink bremst die Aufnahme von Tetrazyklinen und Chinolonen wie Ciprofloxacin. Das Antibiotikum mindestens zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach Zink einnehmen [23]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage.
- Weitere Arzneimittel: Zu Penicillamin mindestens eine Stunde Abstand; gleichzeitig genommene Eisenpräparate ab 25 Milligramm verringern die Zinkaufnahme [23].
Kinder, Schwangere, Stillende: keine hohen Mengen auf eigene Faust; für Säuglinge gibt es keine festgelegte Höchstmenge [3]. - Nierenerkrankung: keine Routineeinnahme, nur nach ärztlicher Rücksprache [28].
Praxisbox
Wann ärztlich abklären
Anhaltende Übelkeit, ein deutlich veränderter Geschmack [23], ungewöhnliche Müdigkeit, Blässe oder häufige Infekte unter längerer, hoch dosierter Einnahme [36] gehören in die Hausarztpraxis. Dort lässt sich auch klären, ob überhaupt ein Mangel vorliegt
Weitere Anwendungen: Auge, Durchfall, Haut
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) (Evidenz: Solide für die Kombination). Die US-Studie AREDS gab Menschen mit Vorstufen dieser Netzhauterkrankung rund sechs Jahre lang eine Kombination: Antioxidanzien, also die Vitamine C und E sowie Beta-Carotin, dazu 80 Milligramm Zink und 2 Milligramm Kupfer. Damit ging die Erkrankung seltener in ihre fortgeschrittene Form über als mit einem Scheinmittel [6]. Eine Folgestudie fand mit 25 Milligramm Zink keinen messbaren Unterschied zu 80 Milligramm. Wer noch keine AMD hat, kann ihr damit nicht vorbeugen [7]. Die Kombination gehört in augenärztliche Begleitung.
Durchfall bei Kindern (Evidenz: Solide). Die WHO empfiehlt für Kinder bis zehn Jahre mit wässrigem Durchfall 5 Milligramm Zink täglich für 10 bis 14 Tage. Die früher üblichen höheren Mengen führten öfter zu Erbrechen und wirkten nicht besser [5]. Die Empfehlung zielt vor allem auf Länder mit verbreitetem Mangel, die WHO stuft die Belege als gering ein. Bei Kindern gehört sie in ärztliche Hand.
Haut, Haare, Geschmack (Evidenz: Schwach bis Mittel). Bei Akne [13] und kreisrundem Haarausfall gibt es nur kleine Studien mit gemischten Ergebnissen [14]. Die HNO-Leitlinie hält bei Geschmacksstörungen ohne erkennbare Ursache oder bei Zinkmangel einen Behandlungsversuch für vertretbar. Bei Riechstörungen nach einem Infekt brachte Zink keinen Vorteil [9].
Krebs (Evidenz: Schwach). Den Satz „Zink schützt vor Krebs“ deckt die Forschung nicht. Eine französische Studie gab Erwachsenen eine Mischung aus Zink, Selen und drei weiteren Nährstoffen: Männer erkrankten etwas seltener an Krebs, Frauen nicht [16]. Welcher Stoff beitrug, lässt sich nicht trennen. In einer US-Beobachtung erkrankten Männer, die lange mehr als 75 Milligramm Zink täglich nahmen, häufiger an aggressivem Prostatakrebs [40]; eine Ursache ist damit nicht bewiesen. Das US-Krebsinstitut hält die Belege für Mineralstoffpräparate zur Krebsvorbeugung für nicht ausreichend [41].
Eine eigene energiemedizinische oder orthomolekulare Lehre zu Zink bei Erkältungen, die sich auf Studien stützt, ließ sich nicht finden.
Winterinfekte und Antibiotika
Eine kürzere Erkältung bedeutet nicht weniger Antibiotika. Keine Studie hat gezeigt, dass Zink bakterielle Folgeinfekte wie Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündungen seltener macht [1] und dadurch weniger Antibiotika verordnet werden. Die Ergebnisse zu Lungenentzündungen bei Kleinkindern in Ländern mit verbreitetem Mangel [10] lassen sich nicht auf gut versorgte Erwachsene in Deutschland übertragen. Praktisch wichtiger ist der Abstand: Wer ein Tetrazyklin oder ein Chinolon verordnet bekommt, sollte Zink nicht zur selben Zeit nehmen [23].
Die deutsche Leitlinie zu akutem Husten erwähnt Zink nicht [43]. Ihre Gültigkeit ist Ende 2025 abgelaufen, eine Neufassung ist bis Ende 2026 geplant [42]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hält Vor- und Nachteile von Zink bei Erkältung bislang für nicht zuverlässig beurteilbar [44].
Woran geforscht wird
Eine große Studie mit 8.000 Menschen ab 65 Jahren prüft, ob ein Jahr lang 22 Milligramm Zink täglich Infekte und Antibiotikabehandlungen nach einem Krankenhausaufenthalt verringert [45]; Ergebnisse werden für 2028 erwartet. In Tansania wird untersucht, ob Zink Säuglingen mit schweren Infektionen zusätzlich zur Standardbehandlung hilft [46]. Offen bleibt vor allem, welche Lutschtablette bei welchen Erwachsenen genug bringt, um Nebenwirkungen und die hohen Mengen aufzuwiegen.
Häufige Fragen zu Zink
Verkürzt Zink eine Erkältung?
Bei Erwachsenen können früh begonnene Lutschtabletten eine Erkältung möglicherweise verkürzen; die Studien sind aber uneinheitlich, und wie groß der Effekt ist, bleibt umstritten. Bei Kindern zeigte sich kein Vorteil. Für Kapseln und Nasensprays ist ein Nutzen nicht belegt.
Lohnt sich bei den ersten Anzeichen ein Versuch mit Lutschtabletten?
Das bleibt eine Abwägung. Für Erwachsene ist eine kürzere Erkältung möglich, wenn sie früh damit beginnen. Dagegen stehen uneinheitliche Studien, häufige Übelkeit oder schlechter Geschmack und Studienmengen weit über der EFSA-Höchstmenge für die Dauereinnahme, genommen höchstens zwei bis drei Wochen lang.
Sollte ich im Winter vorbeugend Zink nehmen?
Gesunde Menschen erkälten sich mit regelmäßig eingenommenem Zink kaum oder gar nicht seltener. Wer gut versorgt ist, hat davon keinen Vorteil. Ein nachgewiesener Mangel wird dagegen behandelt.
Wie viel Zink braucht ein Erwachsener?
Die DGE empfiehlt Frauen 7 bis 10 und Männern 11 bis 16 Milligramm am Tag aus der gesamten Ernährung. Wer viel Vollkorn und Hülsenfrüchte isst, liegt am oberen Ende, weil der Pflanzenstoff Phytat die Aufnahme bremst.
Woran erkenne ich einen Zinkmangel?
Allein an Beschwerden nicht, denn Zeichen wie Haarausfall, schlechte Wundheilung oder ein gestörter Geschmack haben viele Ursachen. Auch der Blutwert sinkt bei jedem Infekt. Ob ein Mangel vorliegt, klärt die Hausarztpraxis mit Blick auf Ernährung, Krankheiten und Laborwerte.
Wie viel Zink als Nahrungsergänzung ist unbedenklich?
Das BfR schlägt höchstens 6,5 Milligramm pro Tagesportion vor. Insgesamt sollten Erwachsene laut EFSA auf Dauer nicht mehr als 25 Milligramm am Tag aus allen Quellen aufnehmen. Lutschtabletten aus Erkältungsstudien lagen weit darüber.
Kann Zink dem Geruchssinn schaden?
Ja, wenn es in die Nase kommt. Zink-Nasensprays und -gele wurden mit schwerem, teils dauerhaftem Geruchsverlust in Verbindung gebracht. Für Lutschtabletten oder Kapseln gilt diese Warnung nicht.
Muss ich bei Antibiotika auf Zink achten?
Bei Tetrazyklinen und Chinolonen ja. Die US-Gesundheitsbehörde NIH rät, das Antibiotikum mindestens zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach Zink einzunehmen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
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