Teufelskralle bei Gelenkschmerzen: Pflanzliche Hilfe bei Arthrose?

Wenn die Gelenke schmerzen, suchen viele Menschen nach natürlichen Alternativen zu konventionellen Schmerzmitteln. Die afrikanische Teufelskralle, eine traditionelle Heilpflanze, hat sich in diesem Kontext einen Namen gemacht, insbesondere bei Gelenkbeschwerden wie Arthrose. Doch was verbirgt sich hinter dieser Pflanze, was sagt die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu ihrer Wirksamkeit und wie sicher ist die Anwendung in der Praxis?

Was ist Teufelskralle?

Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine in den Savannen der Kalahari im südlichen Afrika beheimatete Pflanze. Ihren Namen verdankt sie den krallenartigen Haken an ihren Früchten. In der traditionellen Medizin der Khoisan-Völker wird sie seit Jahrhunderten zur Linderung von Schmerzen, bei Verdauungsbeschwerden und Fieber eingesetzt. Für die medizinische Nutzung werden jedoch nicht die Früchte, sondern die unterirdischen Speicherwurzeln verwendet. Diese enthalten die pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffe, allen voran die sogenannten Iridoidglykoside, zu denen auch das als Hauptwirkstoff geltende Harpagosid zählt.

Die Wirkung der Teufelskralle wird primär auf ihre entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften zurückgeführt. Laborstudien deuten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen wie TNF-α und Interleukin-6 hemmen können. Einige Untersuchungen legen nahe, dass Harpagosid ähnlich wie klassische Schmerzmittel als selektiver COX-2-Hemmer wirken könnte, was die entzündungshemmende Wirkung erklären würde. Diese Mechanismen sind vielversprechend, doch entscheidend ist, ob sich diese Effekte auch in klinischen Studien am Menschen bestätigen lassen.

Was zeigt die Evidenz?

Die wissenschaftliche Datenlage zur Teufelskralle bei Gelenkschmerzen ist uneinheitlich, zeigt aber eine klare Tendenz. Insbesondere bei Arthrose, vor allem in Knie und Hüfte, deuten mehrere Studien auf eine positive Wirkung hin. Eine systematische Übersichtsarbeit und neuere klinische Studien legen nahe, dass standardisierte Extrakte mit einer täglichen Dosis von mindestens 50 mg Harpagosid Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können. Eine randomisierte, kontrollierte Studie aus dem Jahr 2021 verglich die Wirkung eines Teufelskrallen-Extrakts mit dem nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR) Meloxicam bei Patienten mit leichter Kniearthrose. Nach acht Wochen zeigten sich in beiden Gruppen vergleichbare Verbesserungen bei Schmerz und Funktion, was die Teufelskralle als eine wirksame und vor allem sicherere Alternative für Patienten positioniert, die NSAR nicht vertragen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stuft die Teufelskralle als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Gelenkschmerzen ein. Diese Einstufung basiert auf der langjährigen Anwendung und der Plausibilität der Wirkung, auch wenn die Qualität vieler älterer Studien aufgrund methodischer Schwächen (z. B. kleine Fallzahlen, fehlende Placebo-Kontrolle) als nicht ausreichend für eine Anerkennung als „allgemein medizinisch anerkannt“ (well-established use) bewertet wird.

Für andere entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis ist die Evidenz hingegen schwach. Es gibt nur wenige Studien, deren Qualität nicht ausreicht, um eine klare Empfehlung auszusprechen. Hier bleibt die Teufelskralle eine komplementäre Maßnahme, die eine schulmedizinische Basistherapie nicht ersetzen kann.

Praxisbox: Teufelskralle sicher anwenden

  • Formulierung wählen: Greifen Sie auf standardisierte Fertigpräparate (Kapseln, Tabletten) aus der Apotheke zurück. Diese garantieren einen definierten Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen. Teezubereitungen sind aufgrund der unsicheren Dosierung weniger empfehlenswert.
  • Auf die Dosis achten: Wirksame Präparate sollten eine Tagesdosis von mindestens 50 mg Harpagosid oder eine äquivalente Menge Extrakt (z.B. 960 mg) enthalten. Beachten Sie die Packungsbeilage.
  • Geduld haben: Die Wirkung der Teufelskralle tritt nicht sofort ein. Eine Anwendungsdauer von mindestens vier bis acht Wochen ist oft notwendig, um eine spürbare Besserung zu erzielen.
  • Ganzheitlich denken: Pflanzliche Mittel wie die Teufelskralle können eine sinnvolle Ergänzung sein. Kombinieren Sie die Einnahme mit achtsamer Bewegung, Physiotherapie und einer entzündungshemmenden Ernährung, um die Gelenkgesundheit nachhaltig zu unterstützen.

Sicherheitsbox: Was Sie beachten sollten

  • Nebenwirkungen: Teufelskralle ist im Allgemeinen gut verträglich. Gelegentlich können leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall auftreten.
  • Kontraindikationen: Personen mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sollten Teufelskralle nicht einnehmen, da sie die Magensäureproduktion anregen kann. Auch bei Gallensteinleiden ist Vorsicht geboten. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 18 Jahren wird die Anwendung aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen.
  • Wechselwirkungen: Theoretisch kann Teufelskralle die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten (z.B. Warfarin) verstärken. Auch bei der Einnahme von Antidiabetika ist Vorsicht geboten, da eine blutzuckersenkende Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Sprechen Sie die Einnahme im Zweifel mit Ihrem Arzt oder Apotheker ab.
  • Rechtlicher Status: In Deutschland sind Teufelskrallen-Präparate als traditionelle pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Achten Sie auf eine hohe Qualität und eine klare Dosierungsempfehlung.

Fazit: Eine achtsame Ergänzung für mehr Resilienz

Die Teufelskralle ist mehr als nur ein pflanzliches Schmerzmittel. Sie steht für eine wachsende Bewegung hin zu einer integrativen Medizin, die das Beste aus Natur und Wissenschaft verbindet. Die Evidenz zeigt, dass sie bei leichter bis mittelschwerer Arthrose eine wirksame und vor allem sichere Option zur Schmerzlinderung sein kann – eine wertvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztlich begleitete Therapie.

Gerade zum Jahresende, einer Zeit der Reflexion und des Innehaltens, kann die bewusste Entscheidung für ein pflanzliches Mittel wie die Teufelskralle ein Akt der Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper sein. Es geht darum, auf die Signale des Körpers zu hören und die eigene Resilienz zu stärken, indem man neben der reinen Symptombekämpfung auch auf sanfte, naturbasierte Unterstützung setzt. Eine realistische Erwartungshaltung ist dabei entscheidend: Teufelskralle ist kein Wundermittel, aber sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, um die Lebensqualität zu verbessern und den Kreislauf aus Schmerz und Bewegungseinschränkung zu durchbrechen.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Brendler, T. et al. (2021). From Bush Medicine to Modern Phytopharmaceutical: A Bibliographic Review of Devil’s Claw (Harpagophytum spp.). In: Pharmaceuticals. Diese umfassende Übersichtsarbeit fasst den Wissensstand aus über 700 Quellen zusammen und bestätigt die gute Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten bei Arthrose.
  2. Farpour, H. R. et al. (2021). The Efficacy of Harpagophytum procumbens (Teltonal) in Patients with Knee Osteoarthritis: A Randomized Active-Controlled Clinical Trial. In: Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Die Studie zeigt, dass Teufelskralle in der Kurzzeitbehandlung von Kniearthrose eine vergleichbare Wirksamkeit wie das NSAR Meloxicam aufweist.
  3. European Medicines Agency (EMA) (2016). European Union herbal monograph on Harpagophytum procumbens DC. and/or Harpagophytum zeyheri Decne., radix. Dieses Dokument fasst die regulatorische Einstufung der EMA zusammen und listet die offiziellen Anwendungsgebiete und Sicherheitshinweise auf.
  4. Gagnier, J. J. et al. (2004). Harpagophytum procumbens for osteoarthritis and low back pain: a systematic review. In: BMC Complementary and Alternative Medicine. Eine ältere, aber immer noch relevante systematische Übersicht, die eine gute Evidenz für die Wirksamkeit bei Rückenschmerzen und Arthrose feststellt.
  5. Bargsten, F. E. & Seifert, R. (2025). Devil’s claw (Harpagophytum procumbens): is the buzz in Google justified? In: Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology. Eine aktuelle Analyse, die die Evidenz kritisch bewertet und auf die methodischen Schwächen vieler Studien hinweist.