Was ist der Body-Mass-Index?
Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine Masszahl, die das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergrösse berechnet. Die Formel lautet: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse in Metern zum Quadrat (kg/m²). Entwickelt wurde die einfache Formel bereits vor fast 200 Jahren von dem belgischen Wissenschaftler Adolphe Quetelet. Heute wird sie weltweit von Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet, um eine schnelle und standardisierte Einschätzung des Gewichtsstatus in der Bevölkerung zu ermöglichen [1]. Anhand des Ergebnisses erfolgt eine Einteilung in die Kategorien Untergewicht (BMI < 18,5), Normalgewicht (BMI 18,5–24,9), Übergewicht (BMI 25–29,9) und Adipositas (Fettleibigkeit, BMI ≥ 30). Diese Kategorien sollen eine grobe Orientierung über mögliche Gesundheitsrisiken geben, die mit einem zu hohen oder zu niedrigen Gewicht einhergehen können.
Was zeigt die Evidenz?
Die wissenschaftliche Evidenz zeichnet ein differenziertes Bild des BMI. Einerseits belegen zahlreiche grossangelegte Studien, dass ein hoher BMI in der Kategorie Adipositas (≥ 30) auf Bevölkerungsebene klar mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von chronischen Erkrankungen assoziiert ist. Dazu gehören Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten [2]. In diesem Bereich ist der BMI ein nützliches und etabliertes Screening-Instrument, um Risikogruppen zu identifizieren.
Offen und zunehmend kritisch diskutiert werden jedoch die Grenzen des BMI für die Beurteilung der individuellen Gesundheit. Systematische Reviews und neuere Analysen betonen, dass der BMI ein indirekter und teils ungenauer Marker für den Körperfettanteil ist [3]. Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass die Formel nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheidet. Ein muskulöser Mann kann demnach einen BMI im Übergewichtsbereich aufweisen, ohne einen erhöhten Körperfettanteil zu haben. Besonders relevant für die Männergesundheit ist die Tatsache, dass der BMI die Verteilung des Körperfetts nicht erfasst. Die Forschung zeigt eindeutig, dass vor allem das viszerale Bauchfett – das Fett, welches die inneren Organe umgibt – ein entscheidender Risikofaktor ist. Dieses Bauchfett ist hormonell aktiv und kann Entzündungsprozesse im Körper fördern, was das Immunsystem schwächt und das Risiko für Stoffwechselerkrankungen erhöht. Männer neigen stärker zur Ansammlung von viszeralem Fett als Frauen, weshalb für sie der Taillenumfang oft ein aussagekräftigerer Indikator für das Gesundheitsrisiko ist als der BMI allein [4].
Darüber hinaus wurde die ursprüngliche BMI-Skala hauptsächlich auf Basis von Daten weisser, nicht-hispanischer Männer entwickelt. Die Übertragbarkeit auf andere Ethnien und auf Frauen ist daher eingeschränkt, da sich die Körperzusammensetzung und das damit verbundene Krankheitsrisiko bei gleichem BMI unterscheiden können [2]. So haben beispielsweise Menschen asiatischer Abstammung oft schon bei einem niedrigeren BMI ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Die American Medical Association (AMA) hat 2023 daher betont, dass der BMI ein unvollkommenes Mass ist und nur in Verbindung mit anderen klinischen Parametern zur Risikobewertung herangezogen werden sollte [2].
BMI-Kategorie
Untergewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Adipositas Grad I
Adipositas Grad II
Adipositas Grad III
Wert (kg/m²)
< 18,5
18,5 – 24,9
25,0 – 29,9
30,0 – 34,9
35,0 – 39,9
≥ 40,0
Praxisbox
- BMI als grobe Orientierung: Nutzen Sie den BMI als ersten, schnellen Anhaltspunkt, aber nicht als alleiniges Mass für Ihre Gesundheit.
- Messen Sie Ihren Taillenumfang: Ein Taillenumfang von über 94 cm bei Männern und über 80 cm bei Frauen deutet auf erhöhtes viszerales Bauchfett und ein höheres Gesundheitsrisiko hin.
- Betrachten Sie das Gesamtbild: Beziehen Sie weitere Faktoren wie Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinwerte sowie Ihr allgemeines Wohlbefinden und Ihre körperliche Fitness in die Beurteilung Ihrer Gesundheit mit ein.
- Sprechen Sie mit Fachpersonen: Diskutieren Sie Ihre Werte und eventuelle Bedenken bezüglich Übergewicht oder dem Wunsch nach Abnehmen mit Ihrem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft, um eine individuelle Einschätzung zu erhalten.
Sicherheitsbox
- Kein alleiniges Diagnoseinstrument: Der BMI allein ist keine Diagnose. Eine ärztliche Bewertung ist unerlässlich, um Gesundheitsrisiken korrekt einzuschätzen und eine eventuell notwendige Behandlung einzuleiten.
- Nicht für alle Gruppen anwendbar: Der BMI ist für Kinder, Jugendliche, Schwangere, stillende Mütter sowie sehr muskulöse oder sehr alte Menschen nur eingeschränkt oder gar nicht aussagekräftig.
- Vorsicht vor Fehlinterpretation: Ein „normaler“ BMI schliesst Gesundheitsrisiken nicht aus, ebenso wie ein „erhöhter“ BMI nicht zwangsläufig mit einem schlechten Gesundheitszustand gleichzusetzen ist.
Fazit
Der Body-Mass-Index ist ein einfaches und seit Jahrzehnten etabliertes Werkzeug für ein erstes Screening von Übergewicht und Adipositas auf Bevölkerungsebene. Für die individuelle Gesundheitsbeurteilung stösst er jedoch an klare Grenzen. Er kann weder die Körperzusammensetzung noch die gesundheitlich entscheidende Fettverteilung abbilden. Insbesondere für Männer ist die alleinige Betrachtung des BMI unzureichend, da das viszerale Bauchfett eine wesentlich grössere Rolle für das Krankheitsrisiko spielt. Eine moderne und ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit sollte den BMI daher stets durch weitere Messwerte wie den Taillenumfang und eine umfassende ärztliche Beurteilung ergänzen. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung bleiben die Grundpfeiler für ein starkes Immunsystem und langfristiges Wohlbefinden, unabhängig von einer einzelnen Kennzahl.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- World Health Organization (WHO). Body mass index (BMI). Die WHO definiert die internationalen Standards für die BMI-Klassifikation und nutzt diese zur globalen Überwachung von Unter- und Übergewicht. https://www.who.int/data/gho/data/themes/topics/topic-details/GHO/body-mass-index
- Williams, S. (2024). BMI, aka body mass index: What the science says. Stanford Medicine News. Dieser Artikel fasst die aktuelle wissenschaftliche Debatte zusammen und zitiert Experten, die die historischen und ethnischen Verzerrungen des BMI sowie dessen eingeschränkte Aussagekraft für die individuelle Gesundheit betonen. https://med.stanford.edu/news/insights/2024/11/bmi-body-mass-index-alternatives-science.html
- Callahan, E. A., et al. (2023). The Science, Strengths, and Limitations of Body Mass Index. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. Dieser umfassende Bericht analysiert die wissenschaftliche Grundlage des BMI und kommt zum Schluss, dass er als Screening-Instrument nützlich, aber als alleiniges Diagnosewerkzeug unzureichend ist. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK594362/
- AWMF (2024). S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. Die höchste deutsche Leitlinien-Stufe empfiehlt die BMI-Messung als Teil der Diagnostik, betont aber die Bedeutung von Komorbiditäten und individuellen Risikofaktoren. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001