Was sind multiresistente Keime (MRE)?

Multiresistente Keime, oft als „Krankenhauskeime“ bezeichnet, stellen eine wachsende Bedrohung für die globale Gesundheit dar. Sie sind Bakterien, die gegen viele gängige Antibiotika unempfindlich geworden sind, was die Behandlung von Infektionen erheblich erschwert. Dieser Artikel erklärt, wie es zu dieser gefährlichen Antibiotika-Resistenz kommt und was das für Patienten, insbesondere im Krankenhaus, bedeutet.

Was sind multiresistente Keime?

Multiresistente Erreger (MRE) sind Bakterien, die eine Widerstandsfähigkeit gegen mehrere verschiedene Klassen von Antibiotika entwickelt haben. Der Begriff „multiresistent“ wird von Experten wie dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der US-amerikanischen CDC klar definiert: Ein Bakterium gilt als multiresistent (MDR), wenn es gegen mindestens ein Antibiotikum aus drei oder mehr Antibiotikaklassen resistent ist [1]. In besonders schweren Fällen können Keime sogar extensiv resistent (XDR) oder pan-drug-resistent (PDR) sein, was bedeutet, dass sie gegen fast alle oder sogar alle verfügbaren Antibiotika immun sind. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da sie die Behandlungsmöglichkeiten bei bakteriellen Infektionen stark einschränkt. Die Entstehung von Resistenzen ist ein natürlicher evolutionärer Prozess, der jedoch durch den übermäßigen und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin massiv beschleunigt wird. Jede Antibiotikagabe übt einen Selektionsdruck aus, bei dem empfindliche Bakterien absterben, während resistente Stämme überleben und sich vermehren können. Diese Problematik betrifft nicht nur die Behandlung einzelner Patienten, sondern hat auch weitreichende Folgen für die öffentliche Gesundheit und die Krankenhaushygiene.

Was zeigt die Evidenz?

Die wissenschaftliche Evidenz zur Bedrohung durch multiresistente Keime ist erdrückend. Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit, die im Jahr 2022 veröffentlicht wurde, schätzt, dass im Jahr 2019 weltweit fast fünf Millionen Todesfälle mit bakterieller Antibiotika-Resistenz in Verbindung standen, wobei 1,2 Millionen Todesfälle direkt darauf zurückzuführen waren [2]. Die Daten zeigen, dass das Risiko für eine Infektion mit MRE besonders in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen erhöht ist. Faktoren wie ein längerer Krankenhausaufenthalt, die Verwendung von medizinischen Geräten wie Kathetern und vor allem eine vorangegangene Antibiotikatherapie erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Besiedlung oder Infektion signifikant [2].

Führende Gesundheitsorganisationen wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben detaillierte Leitlinien zur Prävention und Kontrolle von MRE entwickelt. Die KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) am RKI gibt spezifische Empfehlungen für den Umgang mit den häufigsten MRE-Typen wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchen) heraus [3]. Diese Leitlinien betonen die zentrale Rolle von Hygienemaßnahmen, insbesondere der Händehygiene, sowie eines rationalen Antibiotikaeinsatzes (Antibiotic Stewardship). Im Kontext der Männergesundheit und der Stärkung des Immunsystems ist dies besonders relevant. Mit zunehmendem Alter und bei chronischen Erkrankungen, die bei Männern statistisch häufiger auftreten können, steigt die Notwendigkeit von Krankenhausaufenthalten. Ein robustes Immunsystem kann zwar nicht direkt die Resistenz von Bakterien beeinflussen, aber es kann helfen, Infektionen von vornherein zu vermeiden oder besser zu bewältigen, was wiederum den Bedarf an Antibiotika reduziert und somit dem Resistenzproblem entgegenwirkt. Die Forschung zeigt, dass das Immunsystem im Alter nachlässt, was ältere Erwachsene anfälliger für Infektionen macht [4]. Ein gesunder Lebensstil, ausgewogene Ernährung und Impfungen sind daher wichtige Bausteine, um die körpereigene Abwehr zu unterstützen und das persönliche Risiko für schwere Infektionen zu senken.

Praxisbox

  • Händehygiene beachten: Waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände regelmäßig, besonders im Krankenhaus und nach dem Toilettengang.
  • Antibiotika richtig anwenden: Nehmen Sie Antibiotika nur nach ärztlicher Verordnung und genau nach Vorschrift ein. Brechen Sie die Einnahme nicht vorzeitig ab.
  • Fragen Sie nach: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder dem Pflegepersonal über Hygienemaßnahmen und Ihren persönlichen Schutz im Krankenhaus.
  • Immunsystem stärken: Unterstützen Sie Ihre Abwehrkräfte durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung, um Infektionen vorzubeugen.

Sicherheitsbox

  • Keine Selbstmedikation: Verwenden Sie niemals übrig gebliebene Antibiotika oder solche, die für eine andere Person bestimmt waren.
  • Besiedlung vs. Infektion: Eine Besiedlung mit MRE bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung und erfordert nicht immer eine Behandlung. Folgen Sie hier den Anweisungen Ihres Arztes.
  • Isolationsmaßnahmen: Wenn Sie im Krankenhaus isoliert werden, dient dies dem Schutz anderer Patienten und ist eine wichtige Sicherheitsmaßnahme.

Fazit

Multiresistente Keime sind eine ernste und wachsende Herausforderung für die moderne Medizin. Während die Wissenschaft nach neuen Wirkstoffen und Therapien forscht, liegt der Schlüssel zur Eindämmung der Ausbreitung in der konsequenten Umsetzung von Hygienemaßnahmen und einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Für den Einzelnen, insbesondere für Risikogruppen wie ältere Männer oder immungeschwächte Personen, bedeutet dies, aktiv auf Präventionsmaßnahmen zu achten und das eigene Immunsystem zu stärken. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Gesundheit und eine gute Kommunikation mit dem medizinischen Personal sind entscheidend, um das Risiko von Infektionen zu minimieren und die Wirksamkeit unserer wertvollen Antibiotika für die Zukunft zu erhalten.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Magiorakos, A. P. et al. (2012). Multidrug-resistant, extensively drug-resistant and pandrug-resistant bacteria: an international expert proposal for interim standard definitions for acquired resistance. Clinical Microbiology and Infection, 18(3), 268–281. https://doi.org/10.1111/j.1469-0691.2011.03570.x
  2. Agyeman, W. Y. et al. (2022). A Systematic Review of Antibiotic Resistance Trends and Treatment Options for Hospital-Acquired Multidrug-Resistant Infections. Cureus, 14(10), e29956. https://doi.org/10.7759/cureus.29956
  3. Robert Koch-Institut (RKI). (2020). Antibiotikaresistente und weitere Erreger mit besonderer krankenhaushygienischer Relevanz. Empfehlungen der KRINKO. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Antibiotikaresistente-und-weitere-Erreger/MRE.html
  4. National Institute on Aging (NIA). (2020). New understanding of how immune systems differ by sex and change with age. https://www.nia.nih.gov/news/new-understanding-how-immune-systems-differ-sex-and-change-age
  5. World Health Organization (WHO). (2015). Global action plan on antimicrobial resistance. https://www.who.int/publications/i/item/9789241509763