Ashwagandha: Adaptogen für die Schilddrüse?

Der Januar steht im Zeichen des Neustarts und der Prävention. Viele Menschen suchen nach natürlichen Wegen, um ihren Körper zu unterstützen und ins Gleichgewicht zu bringen. In diesem Kontext rückt Ashwagandha, ein traditionelles Kraut aus der ayurvedischen Medizin, zunehmend in den Fokus – insbesondere im Zusammenhang mit der Schilddrüsengesundheit. Doch was ist dran am Hype? Kann Ashwagandha die Schilddrüse wirklich unterstützen?

Was ist Ashwagandha?

Ashwagandha (Withania somnifera), auch als Schlafbeere oder indischer Ginseng bekannt, ist eine Pflanze, die seit Jahrtausenden in der ayurvedischen Medizin als sogenanntes Adaptogen eingesetzt wird [1]. Adaptogene sind Pflanzenstoffe, die dem Körper helfen sollen, sich an physischen und emotionalen Stress anzupassen und die Balance (Homöostase) wiederherzustellen [3]. Die Hauptwirkstoffe der Pflanze, die vor allem in der Wurzel konzentriert sind, sind die Withanolide [1, 2].

Was zeigt die Evidenz?

Die wissenschaftliche Datenlage zur Wirkung von Ashwagandha auf die Schilddrüse ist begrenzt, aber vielversprechend, insbesondere bei einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion. Hierbei sind die Schilddrüsenhormone noch im Normbereich, aber der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ist bereits erhöht, was auf eine beginnende Unterfunktion hindeutet.

Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2018 untersuchte 50 Patienten mit subklinischer Hypothyreose. Die Teilnehmer erhielten über acht Wochen täglich 600 mg eines Ashwagandha-Wurzelextrakts oder ein Placebo. In der Ashwagandha-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen: Der TSH-Spiegel sank, während die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 anstiegen und sich normalisierten [4].

Bei Personen mit einer gesunden Schilddrüsenfunktion scheint Ashwagandha hingegen keinen signifikanten Einfluss auf die Hormonwerte zu haben, wie eine andere Studie an gesunden Probanden zeigte [5]. Dies unterstreicht die adaptogene Natur der Pflanze, die regulierend eingreift, wenn ein Ungleichgewicht besteht.

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher vermuten, dass Ashwagandha die Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse beeinflusst, möglicherweise durch seine stressreduzierende Wirkung und die Senkung des Cortisolspiegels [1].

Praxisbox: Was Sie beachten sollten

  • Form: Ashwagandha ist als Pulver, Kapsel oder Extrakt erhältlich. Extrakte sind oft auf einen bestimmten Gehalt an Withanoliden standardisiert.
  • Dosierung: In der zitierten Studie wurden 600 mg Wurzelextrakt pro Tag verwendet. Die optimale Dosis kann jedoch individuell variieren.
  • Qualität: Achten Sie auf hochwertige Produkte von vertrauenswürdigen Herstellern, die auf Schadstoffe geprüft sind.
  • Anwendung: Eine Einnahme in Absprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker ist ratsam, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen.

Sicherheitsbox: Risiken und Kontraindikationen

  • Hyperthyreose: Da Ashwagandha die Schilddrüsenhormonproduktion anregen kann, sollten Personen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Morbus Basedow darauf verzichten, da sich die Symptome verschlimmern könnten [6].
  • Wechselwirkungen: Es sind Wechselwirkungen mit Schilddrüsenmedikamenten (z.B. L-Thyroxin) möglich. Die gemeinsame Einnahme sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um eine Über- oder Unterdosierung zu vermeiden [8].
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Schwangere und Stillende sollten Ashwagandha meiden, da hierzu keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.
  • Nebenwirkungen: In seltenen Fällen kann es zu Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Kopfschmerzen kommen. Fallberichte deuten auf ein sehr seltenes Risiko einer Thyreotoxikose (Hormonvergiftung) bei unsachgemäßer Anwendung hin [6, 7].

Fazit

Ashwagandha zeigt als Adaptogen Potenzial, die Schilddrüsenfunktion bei einer subklinischen Hypothyreose zu unterstützen. Die aktuelle Evidenz basiert jedoch auf einer kleinen Anzahl von Studien. Es ist kein Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung, kann aber nach sorgfältiger Abwägung und in Absprache mit einem Therapeuten eine sinnvolle Ergänzung im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes sein. Der integrative Blick, der die Verbindung von Stressachse und Schilddrüsenfunktion berücksichtigt, ist hier entscheidend.

FAQs – Häufige Fragen zu Ashwagandha und Schilddrüse

Kann Ashwagandha eine Schilddrüsenunterfunktion heilen? Nein, Ashwagandha kann eine Schilddrüsenunterfunktion nicht heilen und ersetzt keine ärztlich verordnete Medikation. Studien deuten jedoch darauf hin, dass es die Schilddrüsenwerte bei einer subklinischen Unterfunktion verbessern kann, indem es die Hormonproduktion anregt.

Wie schnell wirkt Ashwagandha auf die Schilddrüse? In der primären klinischen Studie zeigten sich signifikante Verbesserungen der Schilddrüsenwerte nach einer Einnahmedauer von acht Wochen. Die individuelle Reaktionszeit kann jedoch variieren.

Ist Ashwagandha bei Hashimoto-Thyreoiditis sicher? Bei Hashimoto, einer Autoimmunerkrankung, ist Vorsicht geboten. Da Ashwagandha das Immunsystem stimulieren kann, könnte es theoretisch den Autoimmunprozess beeinflussen. Die Einnahme sollte daher unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Mikulska, P., et al. (2023). Ashwagandha (Withania somnifera)—Current Research on the Health-Promoting Activities: A Narrative Review. Pharmaceutics, 15(4), 1057.
  2. Paul, S., et al. (2021). Withania somnifera (L.) Dunal (Ashwagandha): A comprehensive review on ethnopharmacology, pharmacotherapeutics, biomedicinal and toxicological aspects. Biomedicine & Pharmacotherapy, 143, 112175.
  3. Cleveland Clinic. (2022). What are Adaptogens & Types.
  4. Sharma, A. K., et al. (2018). Efficacy and Safety of Ashwagandha Root Extract in Subclinical Hypothyroid Patients: A Double-Blind, Randomized Placebo-Controlled Trial. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 24(3), 243–248.
  5. Verma, N., et al. (2021). Safety of Ashwagandha Root Extract: A Randomized, Placebo-Controlled, study in Healthy Volunteers. Complementary Therapies in Medicine, 57, 102642.
  6. Kamal, H. I., et al. (2022). Ashwagandha as a Unique Cause of Thyrotoxicosis Presenting With Supraventricular Tachycardia. Cureus, 14(3), e23494.
  7. Hayashi, M., et al. (2024). Painless Thyroiditis by Withania somnifera (Ashwagandha). Cureus, 16(3), e55352.
  8. Gannon, J. M., et al. (2014). Subtle changes in thyroid indices during a placebo-controlled study of an extract of Withania somnifera in persons with bipolar disorder. Journal of Ayurveda and Integrative Medicine, 5(4), 241–245.