Was ist Buteyko-Atmung?
Die Buteyko-Atmung geht auf den ukrainisch-russischen Arzt Konstantin Pawlowitsch Buteyko zurück. Im Kern handelt es sich um ein Atemtraining, das eine übermäßige Atmung reduzieren soll. Typisch sind ruhige Nasenatmung, kleinere Atemzüge, entspannte Pausen nach dem Ausatmen und die Schulung eines weniger hektischen Atemrhythmus. Die Methode entstand aus der Beobachtung, dass manche Menschen mit Asthma, Angst oder Belastungsdyspnoe nicht nur zu wenig Luft bekommen, sondern paradoxerweise zu viel atmen: schnell, flach, durch den Mund und mit hoher innerer Anspannung.
Für Asthmatiker ist dieser Ansatz relevant, weil Asthma nicht nur eine Entzündung und Verengung der Atemwege ist. Es ist auch eine Erfahrung von Kontrolle und Kontrollverlust. Wer nachts aufwacht, den Inhalator sucht oder bei Pollenflug schon vor dem Spaziergang nervös wird, kennt diesen Kreislauf. Buteyko setzt genau an dieser Schnittstelle an: nicht an der Entzündung selbst, sondern an Atemmuster, Wahrnehmung, Stressantwort und Umgang mit Atemnot.
Die Grundidee wird häufig über Kohlendioxid erklärt. Befürworter gehen davon aus, dass chronische Überatmung den Kohlendioxidspiegel senken und dadurch Atemwege, Nervensystem und Gefäßtonus beeinflussen kann. Diese Erklärung ist physiologisch plausibel, aber nicht in allen Details bewiesen. Der praktische Kern ist einfacher: langsamer werden, durch die Nase atmen, nicht gegen die Atemnot ankämpfen, sondern den Atem wieder führen lernen.
Was zeigt die Evidenz?
Die Studienlage ist weder leer noch endgültig. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien fand, dass Buteyko-Atmung zusätzlich zur Standardversorgung die Asthmakontrolle verbessern kann. Eingeschlossen wurden sieben Studien zur Asthmakontrolle und vier zur Lebensqualität. Der Effekt auf Asthmakontrolle war statistisch signifikant; für Lebensqualität zeigte sich insgesamt kein sicherer Vorteil, aber ein positiver Subgruppeneffekt bei Kindern und Jugendlichen. Unerwünschte Ereignisse wurden in den eingeschlossenen Studien nicht berichtet [1].
Eine breitere Cochrane-Übersicht zu Atemübungen bei Erwachsenen mit Asthma kommt zu einem ähnlichen, aber vorsichtigen Bild. Atemübungen, darunter Buteyko, Papworth, Yoga-Atemtechniken und Zwerchfellatmung, können Lebensqualität, Hyperventilationssymptome und einzelne Lungenfunktionswerte verbessern. Die Sicherheit der Evidenz reichte je nach Endpunkt jedoch von moderat bis sehr niedrig. Die Studien unterschieden sich stark in Methode, Dauer, Begleitung und Messinstrumenten [2].
Leitlinien ordnen die Methode deshalb nicht als Ersatztherapie ein. GINA, die internationale Asthma-Initiative, beschreibt Atemübungen als mögliche Ergänzung zur konventionellen Asthmabehandlung. Sie können Symptome und Lebensqualität unterstützen, zeigen aber keinen konsistenten Effekt auf Lungenfunktion und senken nach der bisherigen Evidenz nicht das Risiko für Exazerbationen [3]. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma empfiehlt Atemphysiotherapie besonders bei dysfunktionaler Atmung, Vocal Cord Dysfunction, atemnotbedingter Angst oder zusätzlichem physiotherapeutischem Bedarf. Zugleich betont sie, dass die Evidenz für Lebensqualität und Symptomreduktion insgesamt begrenzt bleibt [4].
Auch einzelne randomisierte Studien stützen diese vorsichtige Einordnung: In einer Untersuchung als Zusatz zur üblichen Asthmabehandlung verbesserten sich Asthmakontrolle und Medikamentenparameter, ohne dass daraus ein Ersatz für die Standardtherapie abgeleitet werden kann [5]. Damit entsteht ein differenziertes Bild. Belegt ist: Atemübungen können für manche Menschen mit Asthma hilfreich sein, besonders wenn Hyperventilation, Mundatmung, Angst vor Atemnot oder ein unruhiges Atemmuster eine Rolle spielen. Umstritten bleibt: ob Buteyko einer anderen guten Atemschule deutlich überlegen ist. Offen ist: welche Patientengruppen langfristig am meisten profitieren, wie groß der Effekt im Alltag ist und ob die Technik unter realen Bedingungen ebenso gut wirkt wie in betreuten Studien.
Wichtig ist auch der Blick auf das, was nicht gezeigt wurde. Buteyko heilt Asthma nicht. Die Methode ersetzt keine inhalativen Kortikosteroide, keine Bedarfstherapie und keinen Asthma-Aktionsplan. Wenn jemand durch Atemtraining weniger Symptome spürt, kann das ein Gewinn sein. Wenn daraus aber der Schluss entsteht, Medikamente eigenmächtig abzusetzen, wird aus Selbsthilfe ein Risiko.
Praxisbox
- Übe zunächst in einer stabilen Phase, nicht während eines schweren Asthmaanfalls.
- Beginne mit ruhiger Nasenatmung, entspannter Sitzhaltung und sanft verkleinerten Atemzügen.
- Lerne die Methode möglichst bei einer qualifizierten Fachperson, idealerweise mit Asthma-Erfahrung.
- Dokumentiere Symptome, Peak-Flow-Werte und Medikamentengebrauch, damit Veränderungen nachvollziehbar bleiben.
Sicherheitsbox
- Setze Asthmamedikamente nie eigenmächtig ab oder herab.
- Bei zunehmender Atemnot, pfeifender Atmung, Brustenge oder sinkendem Peak Flow gilt der persönliche Asthma-Plan.
- Kinder, Schwangere, Menschen mit schwerem Asthma oder häufigen Exazerbationen sollten Atemtraining ärztlich abstimmen.
- Atempausen dürfen nie erzwungen werden; Schwindel, Panik oder Luftnot sind Stoppsignale.
Fazit
Buteyko-Atmung ist kein Wunderverfahren, aber auch keine bloße Randnotiz. Sie gehört zu jenen komplementären Methoden, die dann interessant werden, wenn man Asthma nicht nur als Bronchienproblem, sondern als Zusammenspiel aus Entzündung, Atemmuster, Nervensystem, Angst, Gewohnheit und Umwelt versteht. In einem Monat, der an Hautkrebsprävention, Familie, Pflege, Nichtrauchen und Selbstheilung erinnert, passt sie als leises Gegenstück zur großen Apparatemedizin: nicht als Ersatz, sondern als Training der Aufmerksamkeit.
Die vernünftige Position lautet: ausprobieren ja, aber eingebettet. Wer Buteyko übt, sollte seine Standardtherapie weiterführen, seine Werte beobachten und Veränderungen mit Ärztin, Arzt oder Atemphysiotherapie besprechen. Der mögliche Nutzen liegt weniger in einem spektakulären Heileffekt als in einer alltäglichen Kompetenz: den Atem nicht nur als Symptom zu erleben, sondern wieder als steuerbaren Teil des eigenen Körpers.
FAQ – Häufige Fragen zu Buteyko-Atmung bei Asthma
Was ist Buteyko-Atmung?
Buteyko-Atmung ist ein Atemtraining mit ruhiger Nasenatmung, reduziertem Atemvolumen und kurzen Atempausen. Ziel ist, übermäßiges Atmen zu verringern und den Umgang mit Atemnot zu verbessern.
Hilft Buteyko-Atmung bei Asthma?
Studien zeigen Hinweise auf bessere Asthmakontrolle und teils bessere Lebensqualität. Die Evidenz ist jedoch begrenzt, und die Methode ersetzt keine Asthmamedikamente.
Kann man mit Buteyko den Inhalator absetzen?
Nein. Inhalatoren dürfen nur nach ärztlicher Rücksprache verändert werden. Atemtraining kann ergänzen, aber nicht die entzündungshemmende oder bronchienerweiternde Therapie ersetzen.
Wann sollte man Buteyko nicht allein üben?
Bei schwerem Asthma, häufigen Anfällen, Schwangerschaft, Kindern oder starker Angst vor Atemnot sollte die Methode begleitet werden. Akute Atemnot gehört nach Asthma-Plan behandelt.
Was ist der Unterschied zwischen Buteyko und normaler Atemphysiotherapie?
Buteyko fokussiert besonders auf Nasenatmung, weniger Atemvolumen und Atempausen. Atemphysiotherapie ist breiter und kann Sekretlösung, Atemwahrnehmung, Belastungstraining, Haltung und Angstmanagement umfassen.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- Wu S, Zhang X, Huang W. The effect of the Buteyko breathing technique on asthma control and quality of life: a systematic review and meta-analysis of Randomized Controlled Trials. EXPLORE. 2026;22(4):103414. https://doi.org/10.1016/j.explore.2026.103414
- Santino TA, Chaves GSS, Freitas DA, Fregonezi GAF, Mendonça KMPP. Breathing exercises for adults with asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2020. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001277.pub4
- Global Initiative for Asthma. Global Strategy for Asthma Management and Prevention. Updated November 2025. https://ginasthma.org/wp-content/uploads/2025/11/GINA-2025-Update-25_11_08-WMS.pdf
- Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Langfassung, Version 5.0. 2024. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-002l_S3_Asthma_2024-08.pdf
- Cowie RL, Conley DP, Underwood MF, Reader PG. A randomised controlled trial of the Buteyko technique as an adjunct to conventional management of asthma. Respiratory Medicine. 2008;102(5):726-732. https://doi.org/10.1016/j.rmed.2007.12.012