Was sind Myome?

Ein zufällig entdecktes Myom ist kein Grund zur Panik: Myome sind gutartige Knoten in der Gebärmutter und bleiben häufig unbemerkt. Wenn sie Beschwerden auslösen, sind starke Regelblutungen häufig. Ob eine Behandlung nötig ist, hängt von den Beschwerden, der Lage des Myoms und der Lebenssituation ab. [1]

Was sind Myome?

Die Knoten entstehen aus Muskel- und Bindegewebe der Gebärmutter. Sie können in der Muskelwand wachsen, zur Gebärmutterhöhle hin ragen oder außen an der Gebärmutter liegen. Warum bei einer Person ein Myom entsteht und bei einer anderen nicht, ist nicht vollständig geklärt. Erbliche Einflüsse spielen mit; die Hormone Östrogen und Progesteron fördern das Wachstum. [1]

Gutartig bedeutet: Ein Myom ist kein Krebs. Sehr seltene bösartige Tumoren der Gebärmuttermuskulatur sind eine eigene Erkrankung. Weil sie sich nicht immer sicher von Myomen unterscheiden lassen, können auffällige Befunde zusätzliche Untersuchungen nötig machen. [1]

Wen betrifft es?

Myome werden mit zunehmendem Alter vor den Wechseljahren häufiger. Deshalb sind sie gerade zwischen etwa 35 und 50 Jahren ein Thema. In einer US-amerikanischen Untersuchung von Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren wurden die noch menstruierenden Teilnehmerinnen mittels Ultraschall untersucht; rund die Hälfte der Frauen ohne bekannte Diagnose hatte dabei Myome. Das ist der Stand zum Zeitpunkt der Untersuchung. Die höheren Zahlen sind eine Hochrechnung: Sie beschreiben, wie viele Frauen bis zum 50. Lebensjahr je nach Bevölkerungsgruppe irgendwann Myome entwickeln, nämlich etwa 70 bis über 80 Prozent. Die Zahlen unterscheiden sich je nach untersuchter Gruppe und Methode und sind keine persönliche Prognose. [2]

Eine familiäre Veranlagung kann eine Rolle spielen. Eine starke Blutung in der Lebensmitte muss dennoch nicht von einem Myom kommen; auch Polypen oder Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut können dahinterstecken und brauchen Abklärung. [1] [3]

Welche Beschwerden sind typisch?

Viele Myome verursachen überhaupt keine Symptome und fallen erst bei einer gynäkologischen Untersuchung auf. Andere führen zu besonders starken oder langen Regelblutungen, manchmal begleitet von Krämpfen oder Schmerzen im Unterleib. Wiederholter Blutverlust kann eine Blutarmut verursachen: Müdigkeit und Schwäche sollten deshalb nicht einfach als Begleiterscheinung der Wechseljahre abgetan werden. [1] [3]

Größere oder ungünstig gelegene Myome können auf die Blase oder den Darm drücken. Häufiger Harndrang, Probleme beim Wasserlassen, Verstopfung oder ein Druckgefühl im Becken sind mögliche Folgen. Ein Myom kann auch den Kinderwunsch beeinflussen; entscheidend sind vor allem Lage und Größe, nicht allein die Tatsache, dass ein Myom vorhanden ist. [1]

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang stehen Fragen nach Blutungen, Schmerzen, Druckgefühl und Kinderwunsch. Eine gynäkologische Untersuchung und ein Ultraschall zeigen meist, ob Myome vorliegen, wie viele es sind und wo sie sitzen. Bei starker Regelblutung empfiehlt die britische Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) zusätzlich ein Blutbild, um mögliche Folgen des Blutverlusts zu erkennen. [1] [3]

Je nach Beschwerden kann eine Gebärmutterspiegelung sinnvoll sein. Dabei wird die Gebärmutterhöhle mit einer kleinen Kamera betrachtet, etwa wenn ein zur Höhle hin wachsendes Myom oder eine andere Ursache der Blutung vermutet wird. [3]

Wann wird behandelt?

Ohne Beschwerden ist meist keine Behandlung nötig. Befund und Veränderungen können mit der gynäkologischen Praxis besprochen und bei Bedarf kontrolliert werden. Bei belastenden Blutungen, Schmerzen, Druckbeschwerden oder Fragen zum Kinderwunsch zählt dagegen, wie sehr das Myom den Alltag beeinträchtigt. Laut NICE-Leitlinie sollen Größe, Zahl und Lage der Knoten ebenso in die Entscheidung eingehen wie persönliche Wünsche und die Familienplanung. [1] [3]

Eine Behandlung ohne Operation kann zunächst die Blutung oder Schmerzen lindern. Je nach Situation kommen blutungshemmende Mittel, entzündungshemmende Schmerzmittel sowie hormonelle Verfahren infrage; bestimmte Medikamente bremsen vorübergehend die Hormone, auf die Myome zum Wachsen angewiesen sind, und können so Blutungen und Schmerzen mildern. Sie passen nicht für alle Menschen und verkleinern Myome nicht zuverlässig dauerhaft. Bei Blutarmut kann außerdem die Behandlung des Eisenmangels wichtig sein. [1] [3] Ein Wirkstoff, der Myome verkleinern kann, darf seit 2021 nur noch eingeschränkt angewendet werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur begründete das mit Fällen schwerer Leberschäden. Er ist auf Frauen vor den Wechseljahren beschränkt, bei denen ein Eingriff nicht infrage kommt oder nicht geholfen hat. [9]

Wenn das nicht genügt oder ein Eingriff besser zur Situation passt, lässt sich ein Myom manchmal gezielt entfernen, während die Gebärmutter erhalten bleibt. Bei einer Embolisation werden Blutgefäße verschlossen, die das Myom versorgen; bei fokussiertem Ultraschall wird geeignet gelegenes Myomgewebe durch gebündelte Schallwellen erhitzt. Eine Entfernung der Gebärmutter ist ebenfalls möglich, macht eine spätere Schwangerschaft aber unmöglich. Welche Methode sinnvoll ist, sollte gerade bei Kinderwunsch sorgfältig besprochen werden. [1] [3]

Weil nach den Wechseljahren weniger Östrogen gebildet wird, schrumpfen Myome häufig, aber nicht ausnahmslos; dann lassen oft auch die Beschwerden nach. Ob eine Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden das Wachstum beeinflusst, ist nicht eindeutig geklärt und gehört in die individuelle Beratung. Mehr zur Hormontherapie bietet der Leitartikel „Hormontherapie in den Wechseljahren: Was sich an der Bewertung geändert hat“. Anhaltende starke Beschwerden müssen nicht bis zu den Wechseljahren ausgehalten werden. [1] [4]

Evidenz-Kompass

Belegt: Myome sind gutartig; ohne Beschwerden ist meist keine Behandlung erforderlich. Bei starker Blutung sollte auch an Blutarmut gedacht werden. [1] [3]

Umstritten: Pflanzenpräparate werden als Myomtherapie angeboten, doch ein Cochrane-Review fand keine verlässlichen Belege für eine Besserung der Beschwerden. [5]

Offen: Ob bei Kinderwunsch eine Embolisation oder die operative Myomentfernung langfristig die bessere Wahl ist, bleibt unklar; in einer Vergleichsstudie gab es zu wenige Schwangerschaften. [6]

Sicherheitsbox

Wann zum Arzt?

  • Sofort medizinische Hilfe bei kaum stillbarer Blutung zusammen mit Schwindel, Ohnmacht oder Kreislaufproblemen. [7]
  • Zeitnah untersuchen lassen, wenn Blutungen wiederholt sehr stark oder lang sind oder Müdigkeit und Schwäche dazukommen. [1] [3]
  • Blutungen nach der Menopause gynäkologisch abklären lassen – auch wenn bereits ein Myom bekannt ist. [8]
  • Neu auftretende oder rasch zunehmende Schmerzen und Druckbeschwerden beurteilen lassen. [1] [3]
  • Probleme beim Wasserlassen, insbesondere wenn die Blase nicht richtig entleert werden kann, ärztlich abklären lassen. [1]

Fazit

Ein Myom ist meist ein gutartiger Befund, nicht automatisch ein Behandlungsauftrag. Entscheidend ist, ob es Beschwerden macht, wo es liegt und welche Pläne für die Zukunft wichtig sind. Bei starken Blutungen oder Veränderungen nach den Wechseljahren ist eine Abklärung sinnvoller als bloßes Abwarten.

FAQ – Häufige Fragen zu Myomen

Müssen zufällig entdeckte Myome behandelt werden?
Nein, wenn ein Myom keine Beschwerden verursacht, ist meist keine Therapie nötig. Ob und wann der Befund kontrolliert werden sollte, hängt von der individuellen Situation ab. [1]

Gibt es eine Myombehandlung ohne Operation?
Ja. Medikamente können vor allem Blutungen oder Schmerzen lindern; eine Embolisation oder fokussierter Ultraschall kann für ausgewählte Befunde infrage kommen. Die Eignung hängt unter anderem von Lage, Beschwerden und Kinderwunsch ab. [1] [3]

Verschwinden Myome nach den Wechseljahren immer?
Nein. Häufig werden sie kleiner und Beschwerden nehmen ab, doch das ist keine Garantie. Blutungen nach der Menopause gehören unabhängig von einem bekannten Myom ärztlich abgeklärt. [4] [8]

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Myome der Gebärmutter. Frauengesundheitsportal. 2026. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/gutartige-gebaermuttererkrankungen/myome/
  2. Baird DD, Dunson DB, Hill MC, Cousins D, Schectman JM. High cumulative incidence of uterine leiomyoma in black and white women: ultrasound evidence. American Journal of Obstetrics and Gynecology. 2003;188(1):100–107. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12548202/
  3. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Heavy menstrual bleeding: assessment and management (NG88). NICE Guideline. 2018; zuletzt geprüft 2026. https://www.nice.org.uk/guidance/ng88/chapter/recommendations
  4. Ulin M, Ali M, Chaudhry ZT, Al-Hendy A, Yang Q. Uterine Fibroids in Menopause and Perimenopause. Menopause. 2020;27(2):238–242. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6994343/
  5. Liu JP, Yang H, Xia Y, Cardini F. Herbal preparations for uterine fibroids. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2013;(4):CD005292. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11550907/
  6.  Daniels J, Middleton LJ, Cheed V et al. Uterine artery embolisation versus myomectomy for premenopausal women with uterine fibroids wishing to avoid hysterectomy: the FEMME RCT. Health Technology Assessment. 2022;26(22):1–74. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9082260/
  7. American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Management of Acute Abnormal Uterine Bleeding in Nonpregnant Reproductive-Aged Women. Committee Opinion No. 557. Obstetrics & Gynecology. 2013. https://www.acog.org/clinical/clinical-guidance/committee-opinion/articles/2013/04/management-of-acute-abnormal-uterine-bleeding-in-nonpregnant-reproductive-aged-women
  8. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Suspected cancer: recognition and referral (NG12), Abschnitt 1.5. NICE Guideline. 2015; Empfehlungen 2026 geändert. https://www.nice.org.uk/guidance/ng12/chapter/recommendations
  9. European Medicines Agency (EMA). Ulipristal acetate 5mg medicinal products – referral (Article 31). EMA. 2021. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/ulipristal-acetate-5mg-medicinal-products