Qigong

Langsame Bewegungen, ruhiger Atem, gesammelte Aufmerksamkeit: Qigong wird gegen Stress, schlechten Schlaf und für mehr Standfestigkeit im Alter empfohlen. Was das Verfahren ist, welche Formen es gibt und was Studien zu Nutzen und Sicherheit zeigen.

STECKBRIEF

  • Herkunft: chinesische Bewegungs- und Atemlehre mit alten Wurzeln; der Sammelbegriff Qigong ist modern und wurde in China in den 1950er-Jahren staatlich anerkannt
  • Ablauf: Langsame, fließende Bewegungen oder ruhige Haltungen werden mit tiefer Atmung und gelenkter Aufmerksamkeit verbunden; in Studien meist 40 bis 60 Minuten, mindestens zweimal pro Woche über rund drei Monate.
  • Wer bietet an: Kursleitungen in Vereinen, Volkshochschulen und Gesundheitszentren; für Kassenzuschüsse mit anerkannter Ausbildung von mindestens 360 Stunden
  • Kosten/Kasse: keine Behandlung auf Kassenkosten; zertifizierte, entspannungsorientierte Präventionskurse bezuschussen die Krankenkassen nach eigener Satzung
  • Studienlage: viele kleine Studien mit überwiegend günstigen Ergebnissen gegenüber keiner Bewegung; gegenüber anderen Bewegungsformen meist kein Vorsprung

Der Arzt rät zu mehr Bewegung, die Knie wollen aber kein Joggen mehr. Andere suchen nach einem langen Arbeitstag etwas, das den Kopf beruhigt, oder haben im Park eine Gruppe gesehen, die sich wie in Zeitlupe bewegt. Qigong verbindet Bewegungs-, Atem- und Meditationsübungen aus der traditionellen chinesischen Medizin [1]. Es gilt als sanft, braucht kein Gerät und lässt sich bis ins hohe Alter üben.

Die Studienlage ist breit, aber nicht stark. Wer Qigong übt, schläft in Studien besser und steht sicherer als Menschen, die gar nichts tun [2] [3]. Gegenüber zügigem Gehen oder gezielten Übungen schneidet Qigong dagegen meist gleich ab [4] [5]. Ist Qigong also mehr als eine gute, ruhige Bewegungsform? Nach heutigem Wissen ist es genau das, nicht weniger und nicht nachweislich mehr.

Was belegt ist und was nicht

Mittel

  • Erschöpfung während einer Krebstherapie: von einer US-Leitlinie empfohlen, aber nur gemeinsam mit Tai Chi untersucht [6] [7]
  • Gleichgewicht im Alter: bessere Testwerte, Studien sehr uneinheitlich [2] [8]
  • Schlafqualität älterer Menschen: besser im Fragebogen, Studien oft fehleranfällig [3] [9]
  • Leicht erhöhter Blutdruck: etwas niedriger als mit freiem Training, nicht niedriger als mit zügigem Gehen [4] [10]
  • Depressive Beschwerden: weniger Beschwerden im Fragebogen, keine Behandlung einer Depression [11] [12]
  • COPD: längere Gehstrecke als Zusatz zur üblichen Behandlung [13] [14]
  • Chronische Nackenschmerzen: teils besser als Abwarten, nicht besser als Nackenübungen [15] [5]

Schwach

  • Chronischer Kreuzschmerz: kleiner Effekt, unterhalb der Schwelle für eine spürbare Besserung [16] [17] [18]
  • Stress und Angst bei Gesunden: günstige, aber stark fehleranfällige Studien [19] [20]
  • Angststörungen: kein Vorteil gefunden [11]
  • Knochendichte nach den Wechseljahren: Unterschied statistisch gerade an der Grenze zum Zufall, Knochenbrüche nicht untersucht [21]
  • Denkleistung im Alter: wenige kleine Studien, Vorbeugung von Demenz nicht belegt [2] [22]
  • Lebensqualität im Alter: unsicher [2] [18]
  • Stürze tatsächlich verhindern: nur eine kleine Studie bei Parkinson [23]
  • Alltagsaktivitäten im Alter: kein Unterschied in wenigen kleinen Studien [2]
  • Schmerzlinderung durch äußeres Qigong (Behandlung durch eine andere Person): wenige kleine Studien [24] [25]

Nicht untersucht

  • Krebs heilen, Rückfälle oder Sterblichkeit senken [7]
  • Blutdruckmedikamente ersetzen [4]

„Mittel“ heißt hier: mehrere Studien, aber mit uneinheitlichem oder fehleranfälligem Ergebnis.
„Schwach“ heißt: Es fehlen gute Studien.
„Nicht untersucht“ heißt: Es gibt keine Studien dazu. Solide belegt ist bisher keine Anwendung, für die Qigong allein geprüft wurde. Ein Überblick über zehn systematische Übersichtsarbeiten fand schon 2011 fünf günstige und fünf ohne klares Ergebnis; die meisten zugrunde liegenden Studien waren anfällig für Verzerrungen, also für Fehler in Planung oder Durchführung, die das Ergebnis verfälschen können [26].

Was Qigong ist und welche Formen es gibt

Fast alle Formen beruhen auf drei Elementen. Der Atem wird langsam, lang und tief, die Aufmerksamkeit gesammelt oder auf ein inneres Bild gerichtet, die Bewegung bleibt sanft und fließend [27]. Die US-Gesundheitsbehörde NCCIH unterscheidet zwei Gruppen. Bewegtes Qigong arbeitet mit dem ganzen Körper, mit Armen und Beinen. Stilles oder meditatives Qigong kommt fast ohne Bewegung aus und lässt sich in jeder Haltung üben, die man länger halten kann, auch im Sitzen [27].

Die bekanntesten bewegten Formen haben eigene Namen. Baduanjin, die „Acht Brokate“, besteht aus acht Übungen und ist die in Studien am häufigsten geprüfte Form. Liuzijue, die „Sechs heilenden Laute“, verbindet Ausatmung mit Lauten, Yijinjing dehnt und kräftigt, Wuqinxi ahmt die Bewegungen von fünf Tieren nach [27] [2]. Wie die Acht Brokate im Einzelnen gehen, zeigt der Praxisbeitrag „Qigong: die Acht Brokate“.

Davon zu trennen ist das äußere Qigong. Hier übt nicht die Person selbst, sondern eine Behandlerin oder ein Behandler will mit den Händen Qi übertragen, oft ohne Berührung. Gute Ergebnisse aus Studien zur eigenen Übung sagen über diese Form nichts aus.

Und Tai Chi?
Wird Tai Chi zur Gesundheit geübt, zählt das NCCIH es zu den Qigong-Formen [27]. Tai Chi ist aber eine eigenständige, aus der Kampfkunst stammende Bewegungsfolge, und Studien prüfen beide meist getrennt. Ergebnisse zu Tai Chi lassen sich deshalb nicht einfach auf Qigong übertragen [2]. Das zeigt sich bei Stürzen: Die Welt-Leitlinie zur Sturzvorbeugung empfiehlt Tai Chi, Qigong nennt sie nicht eigens [28]. Mehr dazu im Beitrag „Tai Chi“.

Das traditionelle Erklärungsmodell
Qigong heißt sinngemäß „Arbeit mit dem Qi“. Nach der traditionellen chinesischen Medizin ist Qi die innere Lebenskraft des Körpers. Gesundheit gilt als Harmonie von Qi und Blut, Beschwerden als Stau oder Mangel. Die Übungen sollen das Qi sammeln und lenken, ähnlich wie es die Akupunktur mit Nadeln versucht (siehe Eintrag „Akupunktur“). Die Wurzeln reichen zu den Dao-Yin-Übungen des alten China, die schon Bewegung, Atem und Konzentration verbanden. Als gemeinsamer Name für viele Schulen setzte sich „Qigong“ erst im 20. Jahrhundert durch [29]. Das Modell gibt den Übungen ihren Sinn und ihre Bilder. Es ist eine Deutung, keine Messgröße: Ein eigenes, messbares Qi-Feld hat die Forschung bisher nicht nachgewiesen [30].

Warum Qigong wirken könnte

Naturwissenschaftlich lassen sich die Bausteine einzeln erklären. Muskelarbeit im Stand kräftigt die Beine, langsame Gewichtsverlagerung schult das Gleichgewicht, ruhige Atmung und gelenkte Aufmerksamkeit können entspannen [27]. Das sind plausible Wege, keine bewiesenen. Studien messen Gehstrecke, Schlaf oder Stimmung, nicht den Fluss von Qi [2].

Für das äußere Qigong ist die Lage dünn. In einem kontrollierten Laborversuch mit Zellkulturen ließ sich ein zunächst günstiges Ergebnis bei der Wiederholung nicht bestätigen [31]. Eine Übersicht nannte die Befunde zu Licht- oder Magnetsignalen von Behandelnden noch schwach [30]. In einer US-Studie zu Kniearthrose hing die Wirkung davon ab, wer behandelte, und die Behandlung schloss Berührung und Druck ein [25]. Eine Wirkung auf Distanz, wie sie die Energiemedizin beschreibt, ist damit nicht belegt.

Gleichgewicht, Kraft und Stürze

Gleichgewicht im Alter (Evidenz: Mittel). Die neueste Übersicht hat nur Studien ausgewertet, in denen Qigong ohne Tai Chi oder Yoga geprüft wurde: 22 Studien mit 1.791 älteren Menschen [2]. In Gleichgewichtstests schnitten die Übenden deutlich besser ab, aber die Einzelergebnisse lagen weit auseinander. Beim Aufstehen und Gehen auf Zeit zeigte sich kein sicherer Unterschied. Im Sechs-Minuten-Gehtest schafften die Übenden im Schnitt rund 18 Meter mehr. Nur drei der 22 Studien hatten ein geringes Risiko für Verzerrungen [2]. Eine Übersicht zu den Acht Brokaten kam mit 40 Studien, fast alle aus China, zu einem ähnlichen Bild bei ebenfalls geringer Studienqualität [8].

Weniger Stürze sind damit nicht bewiesen. Nur eine Studie zählte echte Stürze, bei Menschen mit Parkinson: Von den Übenden stürzten in sechs Monaten etwa 31 von 100, unter Physiotherapie 42; bei den Gleichgewichtstests gab es keinen Unterschied, und viele Teilnehmende fehlten in der Auswertung [23].

Schlaf, Stimmung, Stress

Schlaf (Evidenz: Mittel). In einer Übersicht von 2026 mit 18 Studien schliefen ältere Menschen mit den Acht Brokaten nach eigener Einschätzung besser. Auf einem gängigen Schlaffragebogen mit 0 bis 21 Punkten verbesserten sie sich um knapp 3 Punkte mehr als die Vergleichsgruppen. Nur eine der 18 Studien war methodisch wenig anfällig für Verzerrungen [3]. Eine kleine Studie von 2026 bestätigt das Muster: besserer Schlaf im Fragebogen, aber kein schnelleres Einschlafen in der Messung [32]. Für die Fünf-Tiere-Form fand sich kein Vorteil [9]. Bei einer anhaltenden Schlafstörung empfiehlt die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin an erster Stelle eine kognitive Verhaltenstherapie [33].

Depressive Beschwerden (Evidenz: Mittel). Zwölf Studien mit 936 Teilnehmenden zeigten weniger depressive Beschwerden als ohne Übung oder mit üblicher Versorgung, gegenüber Gehen oder Gymnastik einen kleineren Vorteil [11]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Depression hält die Belege für Qi Gong, Tai Chi und Yoga „aufgrund methodischer Limitationen als nicht belastbar“ und empfiehlt allgemein sportliche Aktivität [12]. Bei Angststörungen fand sich kein Nutzen [11].

Stress (Evidenz: Schwach). Bei gesunden oder belasteten Menschen sank das Stressempfinden gegenüber keiner Übung. Gegenüber anderen aktiven Angeboten war kein Unterschied gesichert [20] [19].

Blutdruck, Lunge, Krebs

Blutdruck (Evidenz: Mittel). Eine chinesische Studie mit 216 Menschen, deren Blutdruck knapp unter der Grenze zum Bluthochdruck lag, lief ein Jahr. Wer die Acht Brokate übte, hatte im 24-Stunden-Mittel einen um gut 3 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, die übliche Einheit beim Blutdruck) niedrigeren oberen Blutdruckwert als mit frei gewähltem Training. Gegenüber zügigem Gehen gab es keinen Unterschied [4]. Eine Auswertung von 14 Studien kam bei Menschen mit Bluthochdruck zum selben Ergebnis: gleich wirksam wie Ausdauertraining [10]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie empfiehlt regelmäßige Bewegung in moderater Intensität, ohne eine Form vorzuschreiben [34]. Dass Qigong Tabletten ersetzt, hat keine Studie geprüft.

COPD (Evidenz: Mittel). Bei der chronisch verengten Lunge verlängerten die Sechs heilenden Laute als Zusatz zur Behandlung die Gehstrecke in sechs Minuten um gut 30 Meter, bei geringer bis sehr geringer Sicherheit der Belege [13]. Für die Acht Brokate waren es rund 45 Meter [14]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie COPD empfiehlt angeleitetes körperliches Training; Qigong taucht dort nur als Teil einer Gruppe von Bewegungsformen auf [35].

Erschöpfung bei Krebs (Evidenz: Mittel). Die US-Fachgesellschaften ASCO und SIO empfehlen 2024 „Tai Chi oder Qigong“ in niedriger bis mittlerer Intensität gegen die Erschöpfung während einer Krebstherapie. Grundlage sind fünf Studien mit 498 Teilnehmenden, davon zwei zu Qigong, zwei zu Tai Chi und eine zu beidem. Nach Abschluss der Therapie reichen die Belege für keine Empfehlung [6]. Eine Auswertung von zehn chinesischen Studien fand mit den Acht Brokaten seltener mittlere bis schwere Erschöpfung, bei niedriger Beweissicherheit [7]. Eine Studie mit Brustkrebspatientinnen während der Bestrahlung fand dagegen keinen Unterschied [36]. Gemessen wurden Erschöpfung und Lebensqualität, nie das Wachstum eines Tumors. Die Behauptung, Qigong heile Krebs, hat keine Grundlage.

Rücken und Nacken

Chronischer Kreuzschmerz (Evidenz: Schwach). Eine Übersicht von 2025 mit 16 Studien fand eine Schmerzlinderung um gut einen Punkt auf einer Skala von 0 bis 10. Eine Schmerzlinderung gilt erst ab 1,5 bis 2 Punkten als spürbar; außerdem waren die Studien sehr uneinheitlich, und die Beweissicherheit war minimal [16]. In einer Berliner Studie mit 127 Erwachsenen ließ sich nicht zeigen, dass Qigong so gut hilft wie Bewegungstherapie [17]. Ältere Menschen mit Rückenschmerzen hatten mit Qigong nach drei Monaten nicht weniger Schmerzen als ohne Zusatzangebot [18]. Die WHO empfiehlt bei chronischem Kreuzschmerz strukturierte Bewegungsprogramme allgemein [37].

Chronische Nackenschmerzen (Evidenz: Mittel). Zwei Berliner Studien mit je rund 120 Teilnehmenden verglichen Qigong mit Nackenübungen und mit Abwarten. Einmal lag Qigong klar vor dem Abwarten, einmal knapp ohne sicheren Unterschied. In beiden Studien war es so gut wie die Übungen, nicht besser [15] [5].

Qigong in und nach den Wechseljahren

Mit der Menopause sinkt die Knochendichte, das Risiko für Osteoporose und Brüche steigt [38]. Für die Acht Brokate fanden sieben chinesische Studien mit 503 Frauen nach den Wechseljahren eine etwas höhere Knochendichte. Ob dieser Unterschied echt oder Zufall ist, ließ sich nicht sicher sagen: Statistisch lag er genau an der Grenze. Zudem wichen die Studien stark voneinander ab [21]. Knochenbrüche hat keine Studie gezählt. Die deutsche Osteoporose-Leitlinie, nach Verlängerung gültig bis 31.03.2027, empfiehlt ein Programm für Kraft, Balance und Koordination, ohne Qigong zu nennen [39].

In einer spanischen Studie mit 117 Frauen nach den Wechseljahren schliefen die Übenden nach zwölf Wochen Acht Brokate deutlich besser als die Vergleichsgruppe [40]. Die Frauen waren im Schnitt knapp 70 Jahre alt. Für Hitzewallungen oder andere typische Wechseljahresbeschwerden gibt es keine aussagekräftigen Studien.

Kurs, Kasse, Qualifikation

Qigong ist in Deutschland keine Kassenbehandlung. Krankenkassen dürfen aber Präventionskurse fördern, wenn diese zertifiziert sind [41]. Der Leitfaden Prävention der gesetzlichen Kassen begrenzt das bei Hatha-Yoga, Tai Chi und Qigong auf entspannungsorientierte Kurse. Bewegungs-, workout- oder kampfkunstorientierte Angebote sind ausgeschlossen, die Kurse müssen weltanschaulich neutral sein, und „Heilungsversprechen sind nicht zulässig“ [42]. Die Kursleitung braucht eine Qigong- oder Tai-Chi-Ausbildung von 360 Stunden über mindestens zwei Jahre, davon 180 Stunden im Präsenzunterricht [42]. Ein Kurs wird jeweils für drei Jahre zertifiziert [43]. Wie viel die Kasse erstattet, legt jede Kasse in ihrer Satzung selbst fest; eine einheitliche Regel gibt es nicht [44]. Vor der Anmeldung lohnt deshalb eine Nachfrage.

Ein allgemeiner Kurs ist keine Heilkunde. Wer dagegen Krankheiten feststellen, heilen oder lindern will, braucht als Nicht-Arzt eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz [45]. Die Berufsbezeichnung „Qigong-Lehrer“ ist nach den vorliegenden Quellen nicht staatlich geregelt; das NCCIH rät, nach Ausbildung und Erfahrung der Kursleitung zu fragen [27].

Sicherheitsbox

  • Insgesamt gut verträglich: Das NCCIH stuft Qigong als sichere Form der Bewegung ein. In Studien zu Nackenschmerzen hatten weniger als 10 von 100 Übenden Muskel- oder Kopfschmerzen [27]. Viele Studien erfassen Nebenwirkungen aber gar nicht [46].
  • Gelenke und Rücken: Leichte Muskelschmerzen kommen vor, in einer Knie-Studie bei 6 von 25 Übenden, unter Dehnübungen bei 12 von 25 [47]. Bei Osteoporose, Gelenkbeschwerden oder Gangunsicherheit Übungen an die eigene Belastbarkeit anpassen [39].
  • Schwangerschaft: Zur Sicherheit gibt es keine Forschung. Schwangere besprechen Qigong vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme; manche Bewegungen müssen angepasst werden oder entfallen [27].
  • Psychische Erkrankungen: Fallberichte beschreiben akute psychische Krisen bis hin zu Psychosen im Zusammenhang mit intensiver, vor allem meditativer Praxis, wohl als Auslöser bei vorbelasteten Menschen; ein ursächlicher Zusammenhang ist schwer zu belegen [48]. Wer eine Psychose oder Manie hatte oder deutliche Verschlechterungen bemerkt, spricht vorher mit der behandelnden Praxis.
  • Medikamente: Qigong ersetzt keine Blutdruck- oder andere Medikamente. Ob und wann Tabletten nötig sind, entscheidet die ärztliche Behandlung [34].
  • Keine Abklärung ersetzt: Qigong darf den Gang zur Ärztin oder zum Arzt nicht aufschieben [27]. Neue oder zunehmende Schmerzen, Atemnot, Stürze oder anhaltende Niedergeschlagenheit gehören zuerst in ärztliche Hand.

Woran geforscht wird

Eine Studie mit 168 Menschen zwischen 50 und 79 Jahren mit Osteoporose prüft, wie oft pro Woche die Acht Brokate geübt werden sollten; sie soll im Juni 2027 enden [49]. In Shanghai ist eine größere Studie geplant, die Qigong bei anhaltender Schlafstörung direkt mit kognitiver Verhaltenstherapie vergleicht [50]. Offen bleibt die Kernfrage: ob Qigong bei gleichem Zeitaufwand mehr leistet als andere sanfte Bewegung. Dafür fehlen große Studien außerhalb Chinas mit gleichwertiger Vergleichsgruppe und verblindeter Auswertung.

FAQ – Häufige Fragen zu Qigong

Was ist Qigong?
Eine Übungsform aus der chinesischen Tradition, die langsame Bewegungen oder ruhige Haltungen mit tiefer Atmung und gesammelter Aufmerksamkeit verbindet. Es gibt bewegte Formen wie die Acht Brokate und stille Formen, die im Sitzen geübt werden können.

Ist Tai Chi dasselbe wie Qigong?
Nicht ganz. Gesundheitliches Tai Chi zählt die US-Gesundheitsbehörde NCCIH zu den Qigong-Formen, es ist aber eine eigene, aus der Kampfkunst stammende Bewegungsfolge. Studien prüfen beide meist getrennt, ihre Ergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen.

Wirkt Qigong besser als andere Bewegung?
Nach heutigem Stand meist nicht. Gegenüber keiner Bewegung schneidet Qigong etwa bei Schlaf und Gleichgewicht besser ab. Gegenüber zügigem Gehen oder gezielten Übungen zeigte sich in Studien in der Regel kein Vorsprung.

Schützt Qigong im Alter vor Stürzen?
Das ist nicht belegt. Übende schneiden in Gleichgewichtstests besser ab, echte Stürze wurden aber kaum gezählt. Für Tai Chi gibt es eine Empfehlung der internationalen Sturz-Leitlinie, für Qigong nicht.

Kann Qigong Blutdruckmedikamente ersetzen?
Nein. In einer einjährigen Studie senkte Qigong einen leicht erhöhten Blutdruck etwas stärker als frei gewähltes Training, aber nicht stärker als zügiges Gehen. Einen Verzicht auf Medikamente hat keine Studie geprüft.

Hilft Qigong bei Krebs?
Gegen die Erschöpfung während einer Krebstherapie kann es helfen; eine US-Leitlinie empfiehlt Tai Chi oder Qigong dafür. Auf den Tumor selbst ist keine Wirkung untersucht oder belegt. Qigong ersetzt keine Krebsbehandlung.

Wie finde ich einen passenden Kurs, und zahlt die Krankenkasse?
Für einen Kassenzuschuss muss der Kurs zertifiziert und entspannungsorientiert sein, die Kursleitung braucht eine Ausbildung von mindestens 360 Stunden. Auch das NCCIH rät, nach Ausbildung und Erfahrung zu fragen. Wie viel die Kasse zahlt, regelt jede selbst; am besten vor der Anmeldung nachfragen.

Für wen ist Qigong nicht geeignet?
Grundsätzlich ist es gut verträglich. In der Schwangerschaft, bei Psychosen in der Vorgeschichte, starker Gangunsicherheit oder Gelenkproblemen sollte das Üben vorher ärztlich besprochen und angepasst werden.

Recherchestand: Oktober 2026 · Nächste Prüfung: Oktober 2027

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

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