STECKBRIEF
- Was: Röntgenmessung des Mineralgehalts der Knochen, Standard ist die DXA an Lendenwirbelsäule und beiden Hüften
- Ablauf: Liegen auf einem offenen Röntgentisch, der Scan dauert etwa 10 bis 20 Minuten und ist schmerzfrei
- Strahlung: weniger als 0,01 Millisievert je Messung, laut Bundesamt für Strahlenschutz vernachlässigbar
- Wer misst: Arztpraxen und Kliniken mit Genehmigung und Fachkunde im Strahlenschutz
- Kasse: bezahlt bei konkreten Befunden, etwa einem Knochenbruch ohne passenden Unfall, wenn eine Behandlung mit Osteoporose-Medikamenten erwogen wird; sonst Selbstzahlerleistung
- Studienlage: Als Baustein der ärztlichen Abklärung von Leitlinien empfohlen. Ob eine Reihenuntersuchung älterer Frauen Brüche verhindert, ist umstritten: Wenn überhaupt, sind es wenige.
Die Freundin hat sich beim Sturz auf dem Gehweg das Handgelenk gebrochen, die Mutter hatte eine Hüftfraktur, und in der Apotheke steht ein Aufsteller zum Knochen-Check. Ab 50, spätestens nach den Wechseljahren, fragen sich viele: Sollte ich meine Knochen messen lassen? In Deutschland leben nach einer Hochrechnung aus Krankenkassendaten rund 5,9 Millionen Menschen über 50 mit Osteoporose, die große Mehrheit Frauen [1].
Die kurze Antwort hängt davon ab, warum gemessen wird. Wer schon einen Knochenbruch ohne nennenswerten Unfall hatte, lange Kortison nimmt oder aus anderen Gründen ein hohes Bruchrisiko hat, bekommt die Messung als Teil einer ärztlichen Abklärung [2] [3]. Eine Reihenuntersuchung für alle ab einem bestimmten Alter gibt es in Deutschland nicht. Ob sie Brüche verhindern würde, ist in der Fachwelt umstritten [4] [5].
Was die Untersuchung bringt und was nicht
Die Zahlen gelten für 1.000 Frauen ab 65 (im Schnitt Anfang bis Mitte 70), die zu einem Screening-Programm mit Risikofragebogen und Knochendichtemessung eingeladen werden. Betrachtet wird ein Zeitraum von knapp 4 bis 5 Jahren:
- Hüftbruch: ohne Programm etwa 27, mit Programm etwa 22 [4]. Rund 5 Frauen bleibt ein Hüftbruch erspart [6]
- Schwerer osteoporosebedingter Bruch (Hüfte, Wirbel, Ober- oder Unterarm): etwa 6 weniger [6]
- Todesfälle: kein Unterschied nachweisbar [6]
- Behandlung ohne Nutzen (Überdiagnose): nicht verlässlich bezifferbar [6] [4]
- Mehr Angst durch das Screening: in der einzigen Studie, die danach fragte, nicht feststellbar [6]
- Zusätzliche Erkrankung durch die Strahlung: vernachlässigbar, auch bei wiederholten Messungen [4]
Die Zahlen sind Schätzungen für große Gruppen, keine Vorhersage für die einzelne Frau. Sie stammen aus drei Studien in Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden mit älteren Frauen, zusammengefasst für die US-Präventionskommission und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Geprüft wurde jeweils ein ganzes Programm aus Fragebogen, Messung bei erhöhtem Risiko und Behandlungsempfehlung, nicht die Messung allein. Für Männer gibt es keine solche Studie.
Wie belastbar die 5 vermiedenen Hüftbrüche sind, wird in Deutschland deutlich bestritten. Das BfS hält den Nutzen für Frauen ab 65 mit erhöhtem Risiko auf Grundlage schwacher Belege für gegeben [4]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) widerspricht: In der Hauptauswertung aller eingeladenen Frauen zeigte keine Bruchart einen sicheren Unterschied. Ein Vorteil bei Hüftbrüchen zeigt sich erst in einer zweiten Auswertung, die in der größten, der dänischen Studie nur gut die Hälfte der Frauen berücksichtigt [5]. Auch die drei unparteiischen Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) halten den BfS-Bericht als Grundlage für eine Früherkennung für ungeeignet [7].
Die US-Präventionskommission USPSTF empfiehlt dagegen seit Januar 2025 ein Screening für Frauen ab 65 und für jüngere Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Risiko [8]. Beide Seiten stützen sich auf dieselben drei Studien und gewichten sie nur anders. Sicher ist: Ein großer Effekt ist ausgeschlossen. Ein kleiner bei Hüftbrüchen ist möglich.
Lesehilfe: Mehr gefunden heißt nicht weniger Brüche
Eine Messung findet niedrige Werte, aber sie verhindert keinen Bruch. Das kann nur geschehen, wenn auf den Befund etwas folgt: eine Behandlung, die tatsächlich begonnen wird, oder Maßnahmen gegen Stürze. In der niederländischen Studie begannen nur sieben von zehn Frauen, denen eine Behandlung empfohlen wurde, auch damit [9]. Deshalb prüfen gute Studien ganze Programme und zählen Brüche, nicht Messwerte.
Was die Messung zeigt
Die Dual-Röntgen-Absorptiometrie, kurz DXA, schickt Röntgenstrahlen mit zwei verschiedenen Energien durch den Körper. Aus der Abschwächung errechnet das Gerät, wie viel Mineral auf einer bestimmten Fläche Knochen liegt [10]. Gemessen wird an der Lendenwirbelsäule und an beiden Hüften [10]. Die Messung beschreibt die Menge, nicht die Festigkeit des Knochens und schon gar nicht, ob jemand stürzt.
Das Ergebnis steht im Befund als T-Wert. Er zeigt, wie weit der eigene Wert vom Durchschnitt junger Erwachsener abweicht. Angegeben wird der Unterschied in „Standardabweichungen“, einem statistischen Maß dafür, wie stark Messwerte streuen [11]. Ein T-Wert von minus 1 heißt also nicht „1 Prozent weniger Knochen“. Die Einteilung der Weltgesundheitsorganisation von 1994 lautet [12] [11]:
- T-Wert minus 1 oder höher: normal
- zwischen minus 1 und minus 2,5: verminderte Knochendichte (Osteopenie)
- minus 2,5 oder niedriger: Osteoporose nach der Messung
Diese Grenzen gelten für Frauen nach den Wechseljahren und Männer ab 50. Bei jüngeren Erwachsenen wird mit dem Z-Wert gegen Gleichaltrige verglichen; eine Osteoporose lässt sich bei Männern unter 50 allein aus der Messung nicht feststellen [13].
Eine Osteopenie ist keine Krankheit, die automatisch Tabletten verlangt. Auch ein Wert von minus 2,5 ist keine fertige Diagnose. Die Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) sagt ausdrücklich, dass die Diagnose „nie alleine aus dem Knochendichtemesswert“ gestellt wird [11]. Andere Ursachen wie ein Vitamin-D-bedingter Knochenschwund (Osteomalazie) oder Hormonstörungen werden mit Blutuntersuchungen ausgeschlossen [11] [10]. Ob behandelt wird, entscheidet das Bruchrisiko der nächsten drei Jahre. Dafür zählt die DVO neben der Messung Alter, frühere Brüche, Stürze, Medikamente und Begleiterkrankungen [14].
Fehler gibt es auch. Abnutzung der Wirbelsäule, etwa durch Arthrose, kann den Wert an der Lendenwirbelsäule zu gut aussehen lassen. In einer schwedischen Studie mit 75-jährigen Frauen stieg der Anteil mit Osteoporose von 37 auf 47 Prozent, wenn abgenutzte Wirbel aus der Auswertung genommen wurden [15]. Ein normaler Wert schließt umgekehrt Brüche nicht aus, weil Stürze, Medikamente und Vorerkrankungen ein eigenes Risiko tragen [14].
Für wen die Messung sinnvoll ist
Die DVO-Leitlinie empfiehlt eine Basisdiagnostik mit Gespräch, Untersuchung, Blutwerten und Knochendichtemessung für Frauen nach den Wechseljahren und Männer ab 50, wenn die Ärztin oder der Arzt eine relevante Kombination von Risikofaktoren sieht [2]. Dazu zählen nach der Leitlinie unter anderem frühere Knochenbrüche, Stürze im letzten Jahr, Kortison als Tablette über mehr als drei Monate, rheumatoide Arthritis, Diabetes, starkes Untergewicht, Rauchen und bestimmte Medikamente wie Aromatasehemmer bei Brustkrebs [2]. Vor einer Behandlung mit Osteoporose-Medikamenten soll die Knochendichte in der Regel gemessen werden [10].
So sind die Stufen gemeint: Sie zeigen, wie gut die Messung für die jeweilige Gruppe belegt ist. „Solide“: Leitlinien empfehlen sie. „Mittel“: Es gibt Studien oder Empfehlungen, aber sie sind widersprüchlich oder fehleranfällig. „Schwach“: Gute Studien fehlen. „Nicht untersucht“: Es gibt keine Studie. Ob die Messung selbst Brüche verhindert, sagen die Stufen nicht; dazu stehen die Zahlen weiter oben.
Nach einem Bruch ohne passenden Unfall oder bei mehreren Risikofaktoren (Evidenz: Solide). Hier ist die Messung Teil der Abklärung, die Leitlinien und Kasse vorsehen [2] [3]. „Solide“ bezieht sich hier auf die Empfehlung zur Messung. Ob die Messung selbst Brüche verhindert, wurde nicht eigens geprüft.
Frauen ab 70 (Evidenz: Solide). Ab diesem Alter ist das durchschnittliche Bruchrisiko laut DVO so hoch, dass eine Messung angezeigt ist, sofern eine Behandlung daraus folgen kann [2]. Für Männer nennt die Leitlinie kein solches Alter.
Langzeitbehandlung mit Kortison (Evidenz: Solide). Die US-Fachgesellschaft für Rheumatologie rät allen Erwachsenen, die mindestens 2,5 Milligramm Prednison täglich länger als drei Monate nehmen, früh zu einer Abschätzung des Bruchrisikos mit Knochendichtemessung [16].
Brustkrebs mit Aromatasehemmern oder ausgeschalteten Eierstöcken (Evidenz: Mittel). Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie empfiehlt bei Risiko eine Messung; eigene Studien zum Nutzen gibt es für diese Gruppe nicht [17].
Frauen ab 65 ohne Bruch, als Reihenuntersuchung (Evidenz: Mittel). Drei große Studien, widersprüchlich ausgewertet (siehe Nutzen und Schaden in Zahlen) [6] [5].
Frauen nach den Wechseljahren unter 65 ohne Bruch (Evidenz: Nicht untersucht). Die USPSTF empfiehlt zuerst einen Risikofragebogen, eine Messung nur bei erhöhtem Risiko. Studien, die das in dieser Altersgruppe geprüft haben, gibt es nicht [8].
Männer als Reihenuntersuchung (Evidenz: Nicht untersucht). Keine einzige Screening-Studie hat Männer eingeschlossen [8]. Das heißt nicht, dass Männer nicht gemessen werden sollten. Bei einem Bruch oder Risikofaktoren gilt für sie dieselbe Abklärung wie für Frauen [2].
Diagnostik, Kassenleistung, Screening
Drei Dinge werden oft vermischt. Die ärztliche Abklärung beantwortet eine Frage zu einem bestimmten Menschen: Hat diese Frau nach ihrem Wirbelbruch Osteoporose, und braucht sie Medikamente? Ein Screening lädt dagegen alle Menschen einer Gruppe ohne Beschwerden ein, wie beim Mammographie-Programm. Die Kassenleistung folgt eigenen Regeln.
Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt die DXA-Messung seit Mai 2013, wenn aufgrund konkreter Befunde eine Behandlung mit Osteoporose-Medikamenten beabsichtigt ist. Als Beispiel nennt der G-BA einen Wirbel- oder Hüftbruch ohne entsprechenden Unfall [3]. Wiederholt werden darf die Messung auf Kassenkosten frühestens nach fünf Jahren, außer besondere Befunde machen sie früher nötig [3]. Ein Verfahren, die Messung als Früherkennung für alle anzubieten, hat der G-BA im selben Jahr eingestellt [18]. Ein neues Verfahren läuft derzeit nicht.
Bewegung kam 2026 trotzdem in die Frage. Das BfS hat im April 2026 seine Bewertung veröffentlicht: Aus Sicht des Strahlenschutzes wäre eine DXA-Früherkennung für Frauen ab 65 mit einem hohen Bruchrisiko im Fragebogen gerechtfertigt [4]. Erlaubt ist sie damit noch nicht: Bevor die DXA bei Menschen ohne Beschwerden oder konkreten Verdacht zur Früherkennung eingesetzt werden darf, muss das Bundesumweltministerium eine Rechtsverordnung erlassen [4]. Ob daraus je eine Kassenleistung wird, müsste danach der G-BA entscheiden.
Wer ohne Kassenanspruch messen lassen möchte, zahlt selbst. Für die Messung allein sieht die ärztliche Gebührenordnung beim üblichen Satz 31,48 Euro vor; Beratung, Untersuchung und Befundgespräch können dazukommen [19]. Einen festen Gesamtpreis gibt es nicht.
Praxisbox – Vor der Messung fragen
- Was würde das Ergebnis ändern? Eine Messung lohnt sich vor allem, wenn ein Befund zu einer Entscheidung führt: Medikamente ja oder nein, weitere Abklärung, Kontrolle einer Behandlung [3] [10].
- Zahlt die Kasse? Nach einem Bruch ohne passenden Unfall oder bei geplanter Behandlung meist ja. Bei einem Angebot als „Vorsorge“ ohne Befund klären, was es kostet und was bei einem auffälligen Wert folgt [3] [19].
- Wird zentral gemessen? Gemeint ist die DXA an Wirbelsäule und Hüfte. Ultraschall an der Ferse ist kein Ersatz (siehe unten) [13].
So läuft die Untersuchung ab
Die Messung braucht wenig Vorbereitung. Die US-Radiologenverbände raten, Kalziumpräparate mindestens 24 Stunden vorher wegzulassen; kalziumhaltige Lebensmittel sind davon nicht betroffen [20]. Kleidung mit Reißverschluss, Haken oder Gürtelschnalle wird abgelegt, weil Metall das Ergebnis stört [21]. Man liegt auf dem Rücken auf einem offenen Tisch, ein Messarm fährt langsam über Hüfte und untere Wirbelsäule [21]. Eine Röhre wie beim MRT gibt es nicht. Der Scan dauert meist 10 bis 20 Minuten und tut nicht weh [21].
Die Strahlung ist gering. Das BfS gibt die effektive Dosis mit weniger als 0,01 Millisievert an und hält das Risiko für vernachlässigbar, auch wenn mehrmals gemessen wird [4]. Wie und wann der Befund besprochen wird, regelt jede Praxis selbst.
Kontrollmessungen (Evidenz: Schwach). Ohne Behandlung hält die DVO eine erneute Messung frühestens nach 12 Monaten für sinnvoll, wenn schon eine kleine Änderung die Entscheidung beeinflussen würde, sonst meist nicht vor zwei Jahren. Nach Beginn oder Wechsel einer Behandlung soll vor Ablauf von fünf Jahren kontrolliert werden [14]. Ob solche Kontrollen Brüche verhindern, konnte das IQWiG mangels geeigneter Studien nicht beurteilen [22]. Vergleichbar sind Werte nur vom selben Gerät, möglichst in derselben Praxis; kleine Schwankungen liegen oft im Messfehler [23] [13].
Andere Verfahren
Ultraschall an der Ferse wird in Apotheken oder an Aktionstagen angeboten. Er kann das Bruchrisiko grob einschätzen, ersetzt aber nicht die DXA: Eine Osteoporose lässt sich damit nicht feststellen und eine Behandlung nicht kontrollieren [13] [24].
Computertomographie (CT): Aus CT-Aufnahmen, die aus einem anderen Grund gemacht wurden, lässt sich die Knochendichte abschätzen. Verlässlich ist das nur mit Grenzwerten, die für das jeweilige Gerät geprüft sind [13].
Trabecular Bone Score: Diese Zusatzauswertung der DXA-Bilder beschreibt die Struktur des Knochens. Die DVO rechnet sie, wenn vorhanden, ins Bruchrisiko ein; allein soll sie über keine Behandlung entscheiden [25] [13].
Aus Komplementär- und Energiemedizin gibt es kein Verfahren mit belegter Aussagekraft zur Knochendichte. Was Bewegung und Ernährung für die Knochen tun, behandeln andere Beiträge.
Sicherheitsbox
- Strahlung: sehr gering, unter 0,01 Millisievert je Messung; trotzdem braucht jede Röntgenuntersuchung eine ärztliche Begründung [4].
- Schwangerschaft: vor jeder Röntgenuntersuchung angeben. Eine ausdrückliche Gegenanzeige für die Knochendichtemessung nennen die Leitlinien nicht [13].
- Kalziumpräparate: 24 Stunden vorher weglassen; Metall an der Kleidung ablegen [20] [21].
- Falsch gute Werte: Arthrose der Wirbelsäule kann den Wert erhöhen [15].
- Normaler Wert, trotzdem Risiko: Stürze, Kortison oder frühere Brüche erhöhen das Bruchrisiko unabhängig vom Messwert [14].
- Kein Ersatz für Abklärung: Ein Knochenbruch nach einem leichten Sturz oder ohne Unfall gehört ärztlich untersucht, auch wenn eine frühere Messung unauffällig war [3] [2].
- Kein Automatismus: Ein niedriger T-Wert allein führt weder zur Diagnose noch zu Medikamenten [11] [14].
Knochendichte in den Wechseljahren
Mit dem Ende der Monatsblutungen sinkt der Östrogenspiegel, und Frauen verlieren in den Jahren danach messbar Knochenmasse an der Wirbelsäule und an der Hüfte [26]. Die oft zu lesende Zahl von „bis zu 12 Prozent in drei bis vier Jahren“ findet sich in der großen US-Studie dazu so nicht. Eine Messung allein wegen der Wechseljahre empfiehlt keine der Leitlinien; entscheidend sind die zusätzlichen Risikofaktoren [2] [8]. Am 20. Oktober ist Welt-Osteoporose-Tag. Wie Bewegung und Kraft im Alter die Knochen schützen, beschreibt der Leitartikel „Knochen und Muskeln ab 50“.
Woran geforscht wird
Künstliche Intelligenz soll die Knochendichte aus CT-Bildern ablesen, die ohnehin gemacht wurden. Eine Übersicht von 2026 fand 57 Studien dazu, überwiegend rückblickend an einzelnen Kliniken und nur ein gutes Drittel an fremden Daten überprüft [27]; eine erste vorausplanende Studie läuft in China [28]. Die DVO arbeitet an einer neuen Fassung ihrer Leitlinie, die bisherige gilt nach Verlängerung bis 31. März 2027 [29]. Offen bleibt, ob ein Screening älterer Frauen Hüftbrüche tatsächlich verhindert und ob es je eine Verordnung und eine Kassenleistung dafür gibt.
FAQ – Häufige Fragen zur Knochendichtmessung
Was misst eine Knochendichtemessung?
Sie misst mit schwacher Röntgenstrahlung, wie viel Mineral in den Knochen der Lendenwirbelsäule und der Hüften steckt. Das Ergebnis ist ein T-Wert. Er zeigt, wie stark der eigene Wert vom Mittel junger Erwachsener abweicht. Wie fest der Knochen ist oder ob er bricht, misst sie nicht.
Tut die Untersuchung weh, und wie lange dauert sie?
Nein, sie ist schmerzfrei. Man liegt auf dem Rücken auf einem offenen Tisch, ein Messarm fährt über Hüfte und Wirbelsäule. Der Scan dauert meist 10 bis 20 Minuten, der ganze Termin mit Umziehen und Gespräch etwas länger.
Wann zahlt die Krankenkasse?
Wenn konkrete Befunde vorliegen und eine Behandlung mit Osteoporose-Medikamenten erwogen wird, zum Beispiel nach einem Wirbel- oder Hüftbruch ohne passenden Unfall. Eine Wiederholung zahlt die Kasse in der Regel frühestens nach fünf Jahren. Als reine Vorsorge ohne Befund ist die Messung eine Selbstzahlerleistung.
Sollte jede Frau ab 65 ihre Knochen messen lassen?
In den USA wird das empfohlen, in Deutschland nicht. Ob ein solches Screening Brüche verhindert, ist umstritten: Wenn überhaupt, bleibt etwa 5 von 1.000 Frauen in vier bis fünf Jahren ein Hüftbruch erspart. Bei Risikofaktoren wie früheren Brüchen oder Kortison ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Bedeutet ein T-Wert von minus 2,5, dass ich Medikamente brauche?
Nicht automatisch. Der Wert erfüllt die Messgrenze für Osteoporose, die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt erst mit Blutwerten, Vorgeschichte und Bruchrisiko. Ob behandelt wird, hängt vom Risiko für einen Bruch in den nächsten Jahren ab.
Ist Osteopenie schon eine Krankheit?
Nein. Osteopenie heißt, dass die Knochendichte etwas unter der junger Erwachsener liegt, mit einem T-Wert zwischen minus 1 und minus 2,5. Das ist eine Messkategorie, keine Behandlungsdiagnose. Entscheidend sind weitere Risikofaktoren.
Ersetzt ein Ultraschall an der Ferse die Messung?
Nein. Der Fersen-Ultraschall kann das Bruchrisiko grob einschätzen, aber keine Osteoporose feststellen und keine Behandlung kontrollieren. Dafür ist die DXA an Wirbelsäule und Hüfte der Standard.
Wie gefährlich ist die Strahlung?
Sehr wenig. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt weniger als 0,01 Millisievert je Messung an und hält das Risiko auch bei wiederholten Messungen für vernachlässigbar.
Recherchestand: Oktober 2026 · Nächste Prüfung: Oktober 2027
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- Hadji P, Esterberg E, Obermüller D, Bartsch R. Bone evaluation study-2: update on the epidemiology of osteoporosis in Germany. Archives of Osteoporosis. 2024;19(1):26. https://doi.org/10.1007/s11657-024-01380-9
- Dachverband Osteologie (DVO). DVO-Leitlinie Osteoporose 2023 (AWMF 183-001), Kapitel 7: Konstellationen, bei denen der DVO bei Erwachsenen eine Basisdiagnostik empfiehlt. Gültigkeit laut DVO verlängert bis 31.03.2027. https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/7-konstellationen-bei-denen-der-dvo-bei-erwachsenen-eine-basisdiagnostik-empfiehlt/
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Beschluss über eine Änderung der Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung (MVV-RL): Osteodensitometrie bei Osteoporose. Vom 21.02.2013, BAnz AT 10.05.2013 B3, in Kraft seit 11.05.2013. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-1655/2013-02-21_MVV-RL_Osteodensitometrie_BAnz.pdf
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Dual-Röntgen-Absorptiometrie zur Früherkennung der primären Osteoporose. Wissenschaftliche Bewertung gemäß § 84 Abs. 3 StrlSchG. BfS-Berichte 74/26, Ausgabe Februar 2025, bekanntgemacht im BAnz AT 27.04.2026 B2. https://doris.bfs.de/jspui/handle/urn:nbn:de:0221-2026021058851
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stellungnahme zur wissenschaftlichen Bewertung des BfS: Dual-Röntgen-Absorptiometrie zur Früherkennung der primären Osteoporose. 08.10.2024. https://iqwig.de/unterlagen_stellungnahmen/2024-10-08_iqwig-stellungnahme-zu-bfs-bewertung-der-dxa_20.pdf
- Kahwati LC, Kistler CE, Booth G, et al. Screening for Osteoporosis to Prevent Fractures: An Evidence Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA. 2025;333(6):509–531. https://doi.org/10.1001/jama.2024.21653
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), unparteiische Mitglieder. Stellungnahme zum Bericht des BfS zur DXA-Früherkennung der Osteoporose. 04.10.2024. https://g-ba.de/downloads/17-98-5768/2024-10-04_PA_BfS_G-BA_Stellungnahme_Bericht-DXA-Frueherkennung-Osteoporose.pdf
- U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF). Osteoporosis to Prevent Fractures: Screening. Final Recommendation Statement. 14.01.2025. https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/osteoporosis-screening
- Merlijn T, Swart KMA, van Schoor NM, et al. The Effect of a Screening and Treatment Program for the Prevention of Fractures in Older Women: A Randomized Pragmatic Trial. Journal of Bone and Mineral Research. 2019;34(11):1993–2000. https://doi.org/10.1002/jbmr.3815
- Dachverband Osteologie (DVO). DVO-Leitlinie Osteoporose 2023, Kapitel 8: Basisdiagnostik, 8.3 Knochendichtemessung. https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/8-basisdiagnostik/
- Dachverband Osteologie (DVO). DVO-Leitlinie Osteoporose 2023, Kapitel 2: Definition der Osteoporose. https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/2-definition-der-osteoporose/
- World Health Organization. Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis. WHO Technical Report Series 843. Genf: WHO; 1994, Table 6. https://iris.who.int/handle/10665/39142
- International Society for Clinical Densitometry (ISCD). 2023 ISCD Official Positions – Adult. Angenommen 24.08.2023. https://iscd.org/wp-content/uploads/2024/03/2023-ISCD-Adult-Positions.pdf
- Dachverband Osteologie (DVO). DVO-Leitlinie Osteoporose 2023, Kapitel 9: Therapie (3-Jahres-Frakturrisiko, Verlaufskontrollen). https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/9-therapie/
- Tenne M, McGuigan F, Besjakov J, Gerdhem P, Åkesson K. Degenerative changes at the lumbar spine – implications for bone mineral density measurement in elderly women. Osteoporosis International. 2013;24(4):1419–1428. https://doi.org/10.1007/s00198-012-2048-0
- Humphrey MB, Russell L, Danila MI, et al. 2022 American College of Rheumatology Guideline for the Prevention and Treatment of Glucocorticoid-Induced Osteoporosis. Arthritis & Rheumatology. 2023;75(12):2088–2102. https://doi.org/10.1002/art.42646
- Coleman R, Hadji P, Body J-J, et al.; ESMO Guidelines Committee. Bone health in cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology. 2020;31(12):1650–1663. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.07.019
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Einstellung des Verfahrens zur Bewertung der Osteodensitometrie zur Früherkennung der Osteoporose gemäß § 25 SGB V. Beschluss vom 21.02.2013. https://www.g-ba.de/beschluesse/1690/
- Bundesärztekammer. Abrechnung der Osteodensitometrie. Deutsches Ärzteblatt. 2012;109(26):A-1396. https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/honorar/goae/goae-ratgeber/abschnitt-o-strahlendiagnostik-nuklearmedizin-magnetresonanztomographie-strahlentherapie/abrechnung-der-osteodensitometrie
- American College of Radiology (ACR), Radiological Society of North America (RSNA). Bone Density Scan (DEXA or DXA). Stand 11.03.2024. https://www.radiologyinfo.org/en/info/dexa
- National Health Service (NHS). Bone density scan (DEXA scan): What happens. Stand 05.10.2022. https://www.nhs.uk/tests-and-treatments/dexa-scan/what-happens/
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Osteodensitometrie bei primärer und sekundärer Osteoporose (D07-01). Abschlussbericht, 23.08.2010. https://www.iqwig.de/projekte/d07-01.html
- Slart RHJA, Punda M, Ali DS, et al.; International Working Group on DXA Best Practices. Updated practice guideline for dual-energy X-ray absorptiometry (DXA). European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging. 2025;52(2):539–563. https://doi.org/10.1007/s00259-024-06912-6
- Moayyeri A, Adams JE, Adler RA, et al. Quantitative ultrasound of the heel and fracture risk assessment: an updated meta-analysis. Osteoporosis International. 2012;23(1):143–153. https://doi.org/10.1007/s00198-011-1817-5
- Dachverband Osteologie (DVO). DVO-Leitlinie Osteoporose 2023, Kapitel 5: Spezifische messtechnische Einzelrisikofaktoren (Trabecular Bone Score). https://leitlinien.dv-osteologie.org/kapitel/5-spezifische-messtechnische-einzelrisikofaktoren/
- Finkelstein JS, Brockwell SE, Mehta V, et al. Bone mineral density changes during the menopause transition in a multiethnic cohort of women. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 2008;93(3):861–868. https://doi.org/10.1210/jc.2007-1876
- Chen X, Wu W, Shen J, Chen Y. Artificial intelligence for opportunistic screening of osteoporosis across multiple imaging modalities: a systematic review. Frontiers in Medicine. 2026;13:1870486. https://doi.org/10.3389/fmed.2026.1870486
- ClinicalTrials.gov. Prospective Clinical Validation Study of a Deep Learning Model for Opportunistic Osteoporosis Screening Based on Non-Contrast CT Scans (DeepBMD), NCT07739628. Abgerufen 02.10.2026. https://clinicaltrials.gov/study/NCT07739628
- Dachverband Osteologie (DVO). Startseite: „Die Gültigkeit der DVO Leitlinie Osteoporose 2023 ist bis zum 31.03.2027 verlängert worden!“ Abgerufen 12.10.2026. https://www.dv-osteologie.org/
