Die eigene Brust kennen

Eine Brust verändert sich im Laufe des Lebens und oft auch innerhalb eines Monats. Wer weiß, was für den eigenen Körper üblich ist, bemerkt Neues leichter. Das Abtasten kann dabei helfen, soll aber weder zur Pflicht noch zum Ersatz für Früherkennungsuntersuchungen werden.

Worum es geht

Brust abtasten heißt zunächst: hinschauen, fühlen und Unterschiede zum Vertrauten wahrnehmen. Das lässt sich beim Duschen oder Eincremen ebenso tun wie bei einer bewussten Selbstuntersuchung. Brustbewusstsein meint diese Aufmerksamkeit für Veränderungen; es ist nicht dasselbe wie ein streng eingeübter monatlicher Test.

In zwei großen Studien senkte die angeleitete, regelmäßige Selbstuntersuchung die Sterblichkeit an Brustkrebs nicht messbar. Zugleich wurden fast doppelt so oft Gewebeproben entnommen, die sich als gutartig herausstellten; der Verdacht kann außerdem belasten [1] [2]. Daraus folgt nicht, dass Veränderungen ignoriert werden sollten. Die eigene Brust zu kennen, kann helfen, Auffälligkeiten zu schildern und ärztlich abklären zu lassen. Ob Brustbewusstsein für sich genommen die Sterblichkeit senkt, ist allerdings nicht belegt [1]. Auch eine unauffällige Tastuntersuchung gibt keine Entwarnung: Kleine Veränderungen können nicht tastbar sein [2]. Was die Mammographie als Untersuchungsmethode leistet, beschreibt der Methoden-Eintrag „Mammographie“; was dichtes Brustgewebe für die Früherkennung bedeutet, der Beitrag „Dichtes Brustgewebe: Was es für die Früherkennung bedeutet“.

So geht es

Wer die Brust bewusst untersuchen möchte, kann sich einmal im Monat einige ruhige Minuten nehmen; eine Stoppuhr oder perfekte Technik ist nicht nötig. Vor den Wechseljahren ist etwa eine Woche nach Beginn der Monatsblutung günstig, weil die Brust dann meist weicher ist. Nach den Wechseljahren bietet sich ein fester Tag im Monat an, um Veränderungen besser vergleichen zu können [2]. Bei unregelmäßigem Zyklus genügt ein gut passender Zeitpunkt; eine neue Auffälligkeit sollte nicht bis dahin warten.

  1. Ansehen: Vor einem gut beleuchteten Spiegel beide Brüste betrachten, erst mit locker hängenden, dann mit angehobenen Armen. Auf neue Unterschiede der Form sowie Veränderungen an Haut und Brustwarzen achten [2] [3].
  2. Im Stehen tasten: Mit den flachen Fingerkuppen der gegenüberliegenden Hand die gesamte Brust in kleinen Kreisen oder Abschnitt für Abschnitt abtasten. Leicht und etwas fester drücken, ohne Schmerzen zu provozieren; den Bereich bis zum Rand der Achselhöhle und um die Brustwarze einbeziehen [2] [3].
  3. Im Liegen wiederholen: Die gleiche Brust noch einmal systematisch abtasten und dann zur anderen Seite wechseln. Eine gewohnte Reihenfolge hilft, keinen Bereich auszulassen [2] [3].
  4. Achselhöhlen prüfen: Mit entspanntem, eher gesenktem Arm auch beidseits unter den Achseln nach neuen Knoten oder Schwellungen fühlen [2] [3].

Das Brustgewebe kann sich vor der Blutung voller oder knotiger anfühlen. Wer sich unsicher ist, kann sich das Vorgehen in der frauenärztlichen Praxis zeigen lassen; für ein erstes Kennenlernen muss nichts auswendig gelernt werden [2] [3].

Was auffallen kann

Ärztlich abklären lassen sollte man einen neuen Knoten oder eine anhaltende Verhärtung in der Brust, daneben oder in der Achselhöhle. Gleiches gilt für eine neue Größen- oder Formveränderung einer Brust, eine eingezogene Brustwarze oder Hautstelle, verdickte Haut mit kleinen Dellen, Schuppung oder nässende Veränderungen an der Brustwarze. Auch eine nicht abklingende Rötung, Schwellung oder Überwärmung sowie Flüssigkeit, die von selbst aus einer Brustwarze austritt – besonders einseitig, klar oder blutig –, gehören in die Praxis. Neue, anhaltende örtliche Schmerzen sollten ebenfalls besprochen werden, auch wenn Brustkrebs häufig nicht schmerzt [4].

Auffällig bedeutet nicht automatisch Krebs: Viele Knoten und andere Veränderungen sind gutartig, etwa Zysten oder hormonbedingte Veränderungen; nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation gilt das für etwa neun von zehn auffälligen Knoten. Ob das im Einzelfall zutrifft, lässt sich zu Hause aber nicht sicher entscheiden [4] [5]. Auch Männer können Brustkrebs bekommen und sollten neue Knoten oder Veränderungen an der Brust ärztlich abklären lassen [2].

Evidenz-Kompass

  • Belegt: Regelmäßiges, angeleitetes Selbstabtasten zeigte in großen Studien keinen messbaren Vorteil bei der Brustkrebssterblichkeit; gutartige Gewebeproben waren häufiger [1].
  • Umstritten: Wie viel feste Routine sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob sie Orientierung gibt oder Angst und wiederholte Abklärungen verstärkt [1] [2].
  • Offen: Ob das bloße Kennen der eigenen Brust unabhängig von anderen Maßnahmen Todesfälle verhindert, ist nicht geklärt [1].

Sicherheitsbox

  • Eine neue oder anhaltende Veränderung zeitnah ärztlich abklären lassen, nicht bis zum nächsten Früherkennungstermin warten [4].
  • Selbstabtasten ersetzt weder die ärztliche Untersuchung noch das Mammographie-Screening. Gesetzlich versicherte Frauen haben in Deutschland Anspruch auf eine jährliche ärztliche Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhlen ab 30 Jahren; Frauen von 50 bis 75 Jahren können alle zwei Jahre am Screening teilnehmen [2] [6].
  • Bei Brustkrebs in der Familie oder bekanntem erblichen Risiko ist eine individuelle Beratung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll; der Untersuchungsplan kann anders aussehen [2].
  • Nach einer eigenen Brustkrebserkrankung gilt der individuell vereinbarte Nachsorgeplan [7]; ergänzend empfehlen Fachleute, die Brust monatlich selbst abzutasten [8].

Fazit

Die eigene Brust zu kennen ist ein Angebot, kein Leistungstest. Wer gelegentlich aufmerksam hinschaut und tastet, kann Veränderungen besser bemerken; Sicherheit vor Brustkrebs schafft das nicht. Entscheidend ist, Auffälligkeiten abklären zu lassen und über die angebotene Früherkennung informiert zu entscheiden.

FAQ – Häufige Fragen zum Abtasten der Brust

Wie oft sollte man die Brust abtasten?
Wer eine feste Routine möchte, kann einmal im Monat tasten; zwingend ist das nicht. Wichtiger ist, ungewohnte Veränderungen ernst zu nehmen, auch wenn sie zwischen zwei geplanten Untersuchungen auftreten [1] [2].

Ist ein Knoten in der Brust immer Krebs?
Nein. Viele tastbare Knoten haben gutartige Ursachen, doch das lässt sich durch eigenes Tasten nicht zuverlässig unterscheiden. Ein neuer Knoten sollte deshalb ärztlich untersucht werden [4] [5].

Kann ich trotz unauffälliger Selbstuntersuchung Brustkrebs haben?
Ja. Frühe Veränderungen sind nicht immer tastbar; ein unauffälliger Tastbefund ersetzt daher keine empfohlenen Früherkennungsangebote. Bei neuem Verdacht ist eine ärztliche Abklärung auch zwischen den regulären Terminen sinnvoll [2] [4].

Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Quellen & Forschungsstand

  1. Kösters JP, Gøtzsche PC. Regular self-examination or clinical examination for early detection of breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2003;2003(2):CD003373. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7387360/
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Brustkrebs: Früherkennung durch Abtasten und Mammographie. Krebsinformationsdienst. 2026. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/frueherkennung
  3. Deutsche Krebsgesellschaft, ONKO-Internetportal. Selbstuntersuchung der Brust. ONKO-Internetportal. 2022. https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/frueherkennung/selbstuntersuchung-der-brust.html
  4. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Symptome bei Brustkrebs. Krebsinformationsdienst. 2022. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/symptome
  5. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Gutartige Veränderungen in der Brust. Krebsinformationsdienst. 2017. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/risikofaktoren/gutartige-brustveraenderungen
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss. Brustkrebs-Früherkennung – Mammographie-Screening-Programm. G-BA. 2025. https://www.g-ba.de/mammographie-screening-70plus
  7. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Nachsorge bei Krebs. Krebsinformationsdienst. 2022. https://www.krebsinformationsdienst.de/nachsorge
  8. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Brustkrebs: Reha und Nachsorge. Krebsinformationsdienst. 2025. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/nachsorge-und-reha