Der Hochsommer ruft uns ans Meer, in die Berge oder auf ferne Kontinente. Koffer werden gepackt, Routen geplant, Vorfreude steigt. Doch mit der Reisezeit steigen auch die gesundheitlichen Herausforderungen – von der Übelkeit auf kurvigen Passstraßen über den Jetlag nach dem Transatlantikflug bis hin zum Reisedurchfall, der den dritten Urlaubstag ruiniert. Die konventionelle Reiseapotheke bietet für vieles eine Lösung, doch immer mehr Reisende fragen sich: Gibt es pflanzliche Alternativen, die wirken, ohne müde zu machen oder den Körper unnötig zu belasten?
Die Antwort ist differenzierter, als es manche Ratgeberseite suggeriert. Denn zwischen Tradition und Evidenz, zwischen Heilversprechen und tatsächlicher Wirksamkeit liegt ein Terrain, das es sorgfältig zu kartographieren gilt. Nicht jede Pflanze, die seit Jahrhunderten verwendet wird, hält einer modernen Prüfung stand – und nicht jede, die in Studien überzeugt, lässt sich praktikabel im Koffer verstauen. Dieser Artikel unternimmt genau diese Kartographie: Er fragt, welche pflanzlichen Mittel durch ESCOP-Monographien, EMA-Bewertungen und klinische Studien gestützt werden, wie sie sich auf Reisen anwenden lassen und wo ihre Grenzen liegen. Denn eine Naturapotheke, die ihren Namen verdient, braucht beides – Wirksamkeit und Ehrlichkeit.
Ingwer: Der Anker gegen Reiseübelkeit
Wenn der Bus sich durch Serpentinen schlängelt oder das Schiff auf hoher See rollt, wird der Magen schnell zum Feind. Kinetose, die Reisekrankheit, betrifft je nach Transportmittel und individueller Empfindlichkeit bis zu 30 Prozent aller Reisenden. Ingwer (Zingiber officinale) hat sich in der Komplementärmedizin als eines der am besten untersuchten Mittel zur Prävention und Behandlung dieser Übelkeit etabliert [1]. Die antiemetische Wirkung beruht primär auf den scharf schmeckenden Gingerolen und Shogaolen, die lokal im Gastrointestinaltrakt wirken. Sie fördern die Magenmotilität, beschleunigen die Magenentleerung und binden an Serotonin-Rezeptoren (5-HT3) im Magen-Darm-Trakt sowie im zentralen Nervensystem, was den Brechreiz unterdrückt [2].
Im Gegensatz zu vielen synthetischen Antiemetika wie Dimenhydrinat wirkt Ingwer somit nicht primär zentral dämpfend – ein entscheidender Vorteil für Reisende, die am Steuer sitzen oder nach der Ankunft aktiv sein wollen. In einer randomisierten Doppelblindstudie mit 60 Reisenden zeigte Ingwer eine vergleichbare Wirksamkeit wie Dimenhydrinat bei der Vorbeugung gegen Reisekrankheit, verursachte jedoch deutlich weniger Nebenwirkungen, insbesondere keine Müdigkeit [3]. Die European Medicines Agency empfiehlt für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zur Prävention von Reiseübelkeit die Einnahme von 500 bis 750 mg Ingwerpulver etwa 30 bis 60 Minuten vor Reiseantritt. Bei längeren Reisen kann die Dosis alle vier Stunden wiederholt werden, wobei eine maximale Tagesdosis von 2,5 g nicht überschritten werden sollte [1]. Für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wird eine Einzeldosis von 250 bis 500 mg empfohlen. Für die Reise eignen sich standardisierte Kapseln am besten, da sie exakt dosiert, temperaturunempfindlich und nicht von den Flüssigkeitsbeschränkungen im Handgepäck betroffen sind. Personen mit Gallensteinleiden sollten Ingwer allerdings nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden, da er die Gallenproduktion anregen kann.
Kamille und Pfefferminze: Beruhigung für den rebellierenden Darm
Ein ungewohntes Essen, exotische Gewürze, mangelnde Hygiene oder schlicht die Umstellung der Darmflora durch Klimawechsel – Reisedurchfall, Krämpfe und Blähungen gehören zu den häufigsten Beschwerden unterwegs und betreffen bis zu 50 Prozent aller Fernreisenden. Kamille (Matricaria chamomilla) und Pfefferminze (Mentha piperita) sind zwei der am besten dokumentierten Heilpflanzen bei gastrointestinalen Beschwerden [4]. Die Echte Kamille wirkt durch ihre ätherischen Öle, insbesondere alpha-Bisabolol und Chamazulen, sowie durch Flavonoide wie Apigenin stark entzündungshemmend und krampflösend. Diese Inhaltsstoffe hemmen die Cyclooxygenase und Lipoxygenase, was die Entzündungskaskade im gereizten Darm unterbricht. Die Kommission E empfiehlt Kamille innerlich bei gastrointestinalen Spasmen und entzündlichen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts [5].
Pfefferminze verdankt ihre Wirkung hauptsächlich dem Menthol, das Calciumkanäle in der glatten Muskulatur des Darms blockiert und so eine ausgeprägte muskelrelaxierende Wirkung entfaltet [6]. Zusätzlich wirkt Menthol karminativ und gallenflussfördernd, was bei reisebedingten Verdauungsstörungen einen doppelten Nutzen bietet. Bei Reisedurchfall ergänzen sich beide Pflanzen ideal: Während Pfefferminze akute Krämpfe und Blähungen schnell lindert, beruhigt Kamille die gereizte Darmschleimhaut und hemmt Entzündungsprozesse. Für unterwegs empfehlen sich magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln bei starken Krämpfen und einzeln verpackte Teebeutel beider Pflanzen zur Flüssigkeitszufuhr bei leichteren Beschwerden. Die Dosierung für den Teeaufguss beträgt 3 g getrocknete Kamillenblüten oder 1,5 bis 3 g Pfefferminzblätter auf 150 ml heißes Wasser, drei- bis viermal täglich frisch bereitet. Wichtig: Bei anhaltendem Reisedurchfall über 48 Stunden oder bei Fieber muss zwingend ein Arzt aufgesucht werden – pflanzliche Mittel sind hier Ergänzung, nicht Ersatz. Pfefferminzöl sollte zudem nicht bei Säuglingen und Kleinkindern im Gesichtsbereich angewendet werden, da die Gefahr eines Glottiskrampfes besteht.
Lavendel: Der Begleiter gegen Jetlag und Unruhe
Die Ankunft in einer neuen Zeitzone, das ungewohnte Hotelbett, die Aufregung vor dem Flug – Schlafstörungen und innere Unruhe sind treue Begleiter vieler Reisender. Der Körper braucht Zeit, um seinen zirkadianen Rhythmus anzupassen, und in dieser Übergangsphase kann Lavendel (Lavandula angustifolia) eine sanfte Brücke bauen. Die EMA erkennt in ihrer Monographie die traditionelle Anwendung von Lavendelöl zur Linderung milder Symptome von mentalem Stress und Erschöpfung sowie als Einschlafhilfe an und empfiehlt eine orale Dosierung von 20 bis 80 mg pro Tag [7].
Besonders gut untersucht ist das standardisierte Lavendelöl-Präparat Silexan. Eine Meta-Analyse von Dold et al. mit fünf randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien und insgesamt 1213 Patienten belegt die signifikante angstlösende Wirkung von 80 mg Silexan täglich [8]. Eine Netzwerk-Meta-Analyse zeigte zudem, dass 160 mg Silexan eine stärkere Angstreduktion bewirkten als das Antidepressivum Paroxetin in einer Dosierung von 20 mg [9]. Der Wirkmechanismus beruht auf den Hauptbestandteilen Linalool und Linalylacetat, die spannungsabhängige Kalziumkanäle im zentralen Nervensystem modulieren und so die Ausschüttung exzitatorischer Neurotransmitter wie Glutamat reduzieren. Für Reisende besonders relevant: Silexan verbessert die Schlafqualität indirekt durch seine entspannende Wirkung, ohne eine unerwünschte Sedierung am nächsten Tag zu verursachen – anders als viele konventionelle Schlafmittel, die den Hangover-Effekt mit sich bringen. Neben der oralen Einnahme kann das ätherische Öl auch zur Aromatherapie im Hotelzimmer genutzt werden: Ein bis zwei Tropfen auf das Kopfkissen oder ein Taschentuch genügen, um das Einschlafen in fremder Umgebung zu erleichtern. Ein warmes Bad mit 1 bis 3 g Lavendelöl nach einem anstrengenden Reisetag kann zusätzlich Verspannungen lösen.
Arnika und Calendula: Erste Hilfe bei Verletzungen und Sonnenbrand
Ein Sturz beim Wandern, eine Prellung beim Kofferbeladen oder ein Sonnenbrand am Strand – die Haut ist auf Reisen besonderen Belastungen ausgesetzt, gerade im Hochsommer mit seiner intensiven UV-Strahlung. Arnika (Arnica montana) wird traditionell zur äußerlichen Behandlung von stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen und Hämatomen eingesetzt. Die ESCOP-Monographie und die Kommission E bestätigen diese Indikationen, ebenso die Anwendung bei Entzündungen durch Insektenstiche [10]. Die Hauptwirkstoffe sind Sesquiterpenlactone, insbesondere Helenalin und Dihydrohelenalin, die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Für die Reise eignet sich Arnikagel besonders gut, da es kühlend wirkt und leicht einzieht. Die Anwendung erfolgt zwei- bis dreimal täglich durch dünnes Auftragen auf die betroffene Stelle. Entscheidend ist jedoch eine klare Grenze: Arnika darf niemals auf offene Wunden oder verletzte Haut aufgetragen werden, da dies zu toxischen Reaktionen und Nekrosen führen kann. Auch eine längere Anwendung über Wochen kann eine irritative Kontaktdermatitis auslösen.
Calendula (Calendula officinalis) hingegen ist das Mittel der Wahl bei oberflächlichen Hautverletzungen, Schürfwunden und leichtem Sonnenbrand [11]. Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe – Triterpensaponine, Faradiolester, Flavonoide und Carotinoide – fördern die Granulation und Gewebeneubildung und wirken antiphlogistisch. Anders als Arnika kann Calendula auch auf offenen Wunden sicher angewendet werden. In einer Phase-III-Studie mit 254 Patientinnen reduzierte eine Calendula-Salbe mit 20 Prozent Extrakt das Auftreten von akuter Strahlendermatitis signifikant im Vergleich zur Standardbehandlung mit Trolamin – 41 Prozent gegenüber 63 Prozent entwickelten eine Dermatitis Grad 2 oder höher [12]. Die Faustregel für die Reiseapotheke lautet daher: Bei stumpfen Verletzungen mit intakter Haut Arnika wählen, bei Schürfwunden, Sonnenbrand oder offenen Stellen Calendula bevorzugen. Beide Pflanzen gehören zur Familie der Korbblütler, weshalb bei bekannter Asteraceae-Allergie Vorsicht geboten ist.
Teebaumöl und Zistrose: Schutzschild gegen Keime und Insekten
Insektenstiche, kleine Wunden und Hautpilz können auf Reisen schnell zum Problem werden – besonders in feucht-warmen Klimazonen, wo die Zeckensaison in vollem Gange ist und Pilzinfektionen in Gemeinschaftsduschen lauern. Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) ist ein etabliertes pflanzliches Antiseptikum mit breiter antimikrobieller Aktivität. Die EMA erkennt die traditionelle Anwendung zur Behandlung von kleinen oberflächlichen Wunden, Insektenstichen und leichten Formen von Fußpilz an [13]. In einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 158 Patienten führte eine 50-prozentige Teebaumöl-Lösung nach vier Wochen bei 64 Prozent der Patienten zu einer mykologischen Heilung bei Fußpilz, verglichen mit 31 Prozent in der Placebo-Gruppe [14]. Eine weitere Studie verglich 10-prozentige Teebaumöl-Creme mit dem synthetischen Antimykotikum Tolnaftat und fand eine vergleichbare Linderung der klinischen Symptome wie Schuppung, Entzündung und Juckreiz.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Oxidiertes Teebaumöl ist deutlich stärker hautreizend als frisches, weshalb das Fläschchen lichtgeschützt und gut verschlossen transportiert werden sollte. Die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren wird von der EMA mangels ausreichender Daten nicht empfohlen. Auch als Insektenrepellent zeigt Teebaumöl in Laborstudien eine gewisse Wirksamkeit, reicht jedoch nicht an synthetische Repellents wie DEET heran – ein Punkt, an dem Ehrlichkeit über die Evidenzlage wichtiger ist als der Wunsch nach einer rein natürlichen Lösung.
Die Zistrose (Cistus incanus) wird traditionell zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten eingesetzt. Die antivirale Wirkung wird dem hohen Gehalt an polymeren Polyphenolen zugeschrieben, die Viren physikalisch umhüllen und so das Eindringen in Wirtszellen erschweren können [15]. Für Reisende eignen sich Lutschtabletten mit Zistrosenextrakt besonders im Flugzeug, wo die trockene Kabinenluft die Schleimhäute anfällig macht. In der traditionellen Anwendung wird der Zistrose auch eine abwehrende Wirkung gegen Zecken zugesprochen. Wissenschaftliche Studien, die eine verlässliche repellente Wirkung beim Menschen belegen, fehlen jedoch weitgehend – hier ist Transparenz über die Evidenzlücke geboten, auch wenn Erfahrungsberichte zahlreich sind.
Echinacea und Umckaloabo: Abwehr gegen Reiseerkältungen
Klimaanlagen in Flugzeugen und Hotels, die Nähe zu hustenden Mitreisenden, die Belastung durch Zeitumstellung und die trockene Kabinenluft in 10.000 Metern Höhe – das Immunsystem wird auf Reisen vielfach herausgefordert. Echinacea (Echinacea purpurea) und Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bieten hier komplementäre Ansätze mit unterschiedlichen Stärken. Ein umfassender Cochrane-Review mit 24 kontrollierten Studien und 4631 Teilnehmern zeigt, dass die präventive Einnahme von Echinacea eine schwache, aber messbare Reduktion der Erkrankungshäufigkeit bewirkt – mit einer relativen Risikoreduktion von 10 bis 20 Prozent [16]. Die EMA erkennt die allgemeine medizinische Verwendung für den Presssaft aus frischem Kraut zur kurzzeitigen Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen an und empfiehlt eine Dosierung von 6 bis 9 ml Presssaft täglich über maximal zehn Tage [17].
Umckaloabo hat seine Stärken hingegen in der Behandlung bereits ausgebrochener Atemwegsinfekte. Ein Cochrane-Review bestätigt eine lindernde Wirkung auf Symptome wie Husten und Schleimproduktion bei akuter Bronchitis [18]. Die Standarddosierung für Erwachsene beträgt dreimal täglich 30 Tropfen oder dreimal täglich eine Filmtablette zu 20 mg. Für Reisende bedeutet dies: Echinacea kann zur kurzzeitigen Vorbeugung etwa bei Flugreisen eingesetzt werden, während Umckaloabo als Filmtablette im Gepäck bereitliegt, falls die Erkältung doch zuschlägt. Filmtabletten sind für das Handgepäck ideal, da sie nicht unter die Flüssigkeitsbeschränkungen fallen und alkoholfrei sind. Beide Präparate sind bei fortschreitenden Systemerkrankungen und Autoimmunerkrankungen kontraindiziert, und für Umckaloabo wurden in seltenen Fällen Leberschäden berichtet – ein Hinweis, der in der Beratung nicht fehlen darf.
Antibiotika-Resistenzen im Badesee: Warum pflanzliche Alternativen wichtiger werden
Ein oft übersehenes Problem der Reisezeit betrifft nicht nur ferne Länder, sondern auch den heimischen Badesee – ein Thema, das die Brücke schlägt zwischen komplementärer Phytotherapie und schulmedizinischer Infektiologie. Eine Prävalenzstudie an 16 EU-Badegewässern in Nordrhein-Westfalen zeigte, dass in einigen Proben antibiotikaresistente Bakterien und Antibiotika-Rückstände nachgewiesen wurden, obwohl alle Gewässer die Kriterien der EU-Badegewässerrichtlinie erfüllten [19]. Das Umweltbundesamt und das Robert Koch-Institut betonen, dass die Besiedelung mit resistenten Keimen bei immungeschwächten Personen oder durch offene Wunden zu schwer behandelbaren Infektionen führen kann. Personen mit Risikofaktoren wird empfohlen, das Schwimmen in belasteten Gewässern zu meiden.
Dieser Befund unterstreicht, warum der unnötige Einsatz von Antibiotika – etwa bei unkompliziertem Reisedurchfall – vermieden werden sollte, um die Resistenzentwicklung nicht weiter zu fördern. In den allermeisten Fällen ist eine Antibiotikagabe bei Reisedurchfall nicht notwendig. Pflanzliche Antiseptika und Adstringenzien bieten hier wirksame Alternativen: Getrocknete Heidelbeeren enthalten Catechingerbstoffe, die zusammenziehend und antibakteriell wirken. Blutwurz-Tinktur mit dreimal täglich 30 Tropfen hat sich bei leichtem Durchfall bewährt. Myrrhe-Kombinationspräparate wirken desinfizierend auf die Darmschleimhaut [20]. Diese pflanzlichen Alternativen bieten eine sichere und effektive Möglichkeit, Reisedurchfall zu behandeln, ohne zur globalen Problematik der Antibiotika-Resistenzen beizutragen. Die Phytotherapie wird so vom komplementären Ansatz zum Beitrag für ein drängendes Public-Health-Problem – eine Schnittmenge, die in der klassischen Trennung der medizinischen Welten oft übersehen wird.
Praxis-Box: Die kompakte pflanzliche Reiseapotheke
- Ingwer-Kapseln (standardisiert, 500 mg) gegen Reiseübelkeit
- Kamillentee-Beutel und Pfefferminzöl-Kapseln (magensaftresistent) gegen Magen-Darm-Beschwerden
- Lavendel-Kapseln (Silexan, 80 mg) oder ätherisches Lavendelöl gegen Unruhe und Schlafstörungen
- Arnika-Gel für Prellungen und stumpfe Verletzungen (nur auf intakter Haut)
- Calendula-Salbe für Schürfwunden und Sonnenbrand
- Teebaumöl (5 ml, lichtgeschützt) als Antiseptikum bei Insektenstichen und kleinen Wunden
- Zistrose-Lutschtabletten zur Infektprophylaxe im Flugzeug
- Echinacea-Tabletten oder Umckaloabo-Filmtabletten bei Erkältungsanzeichen
Sicherheits-Box: Wichtige Hinweise
- Qualität: Auf standardisierte Präparate achten, die einer Arzneibuch-Monographie entsprechen
- Wechselwirkungen: Auch pflanzliche Arzneimittel können mit anderen Medikamenten interagieren
- Kontraindikationen: Echinacea nicht bei Autoimmunerkrankungen, Arnika nicht auf offene Wunden, Pfefferminzöl nicht bei Säuglingen
- Ätherische Öle: Bis auf wenige Ausnahmen nicht unverdünnt auf die Haut auftragen; oxidierte Öle können Kontaktdermatitis auslösen
- Zoll: Medikamente in Originalverpackung mit Beipackzettel belassen, nur persönlichen Bedarf mitführen
- Kinder: Viele pflanzliche Arzneimittel sind erst ab 6 oder 12 Jahren zugelassen; Beipackzettel beachten
Perspektive
Die pflanzliche Reiseapotheke ist kein Allheilmittel und kein Ersatz für die konventionelle Medizin. Sie ist eine Ergänzung – fundiert durch Monographien und Studien, begrenzt durch Evidenzlücken und individuelle Kontraindikationen. Wer seine Naturapotheke klug zusammenstellt, gewinnt jedoch ein Stück Selbstwirksamkeit auf Reisen: die Möglichkeit, bei leichten Beschwerden selbst zu handeln, ohne sofort zu chemischen Mitteln greifen zu müssen. Die Grenzen dieser Selbstwirksamkeit müssen dabei ebenso klar sein wie ihre Möglichkeiten – bei hohem Fieber, blutigem Stuhl oder anhaltenden Beschwerden gehört der Gang zum Arzt zum verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit. Die Zukunft der Reisemedizin liegt vermutlich nicht im Entweder-oder, sondern in der intelligenten Kombination beider Welten – einer Kombination, die den Menschen als Ganzes in den Blick nimmt.
FAQ – Häufige Fragen zu Heilpflanzen auf Reisen
Was ist das beste pflanzliche Mittel gegen Reiseübelkeit?
Ingwer ist das am besten untersuchte pflanzliche Antiemetikum. Die EMA empfiehlt 500–750 mg Ingwerpulver 30–60 Minuten vor Reiseantritt. Im Gegensatz zu Dimenhydrinat verursacht Ingwer keine Müdigkeit.
Hilft Lavendel wirklich bei Jetlag?
Lavendelöl (Silexan) wirkt nachweislich angstlösend und verbessert indirekt die Schlafqualität, ohne Hangover-Effekte. Es ist kein klassisches Schlafmittel, sondern erleichtert das Einschlafen in fremder Umgebung.
Kann man Arnika auf offene Wunden auftragen?
Nein. Arnika darf ausschließlich auf intakte Haut aufgetragen werden. Für Schürfwunden und Sonnenbrand eignet sich Calendula, die auch auf offenen Hautstellen sicher anwendbar ist.
Was hilft pflanzlich bei Reisedurchfall?
Kamille und Pfefferminze lindern Krämpfe und Entzündungen. Gerbstoffhaltige Pflanzen wie getrocknete Heidelbeeren oder Blutwurz-Tinktur wirken adstringierend und stopfend.
Wie lagert man pflanzliche Arzneimittel auf Reisen richtig?
Vor Hitze über 25 Grad Celsius und direkter Sonneneinstrahlung schützen. Isoliertaschen eignen sich besonders für ätherische Öle. Kapseln und Tabletten sind hitzeunempfindlicher als Flüssigkeiten.
Sind pflanzliche Tinkturen im Handgepäck erlaubt?
Ja, flüssige pflanzliche Arzneimittel unterliegen der 100-ml-Regel im Handgepäck. Kapseln und Tabletten sind von dieser Beschränkung nicht betroffen und daher praktischer für Flugreisen.
Wann sollte man trotz pflanzlicher Mittel einen Arzt aufsuchen?
Bei anhaltendem Durchfall über 48 Stunden, blutigem Stuhl, hohem Fieber, starken Schmerzen oder bei Verschlechterung trotz pflanzlicher Behandlung ist ein Arztbesuch zwingend erforderlich.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
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- Riebenfeld D, Borzone L. Randomized Double-Blind Study Comparing Ginger (Zintona) and Dimenhydrinate in Motion Sickness. Healthnotes Review of Complementary and Integrative Medicine. 1999.
- ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy). ESCOP Monographs: Matricariae flos / Menthae piperitae folium. Thieme. 2003/2009. https://escop.com/
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- Ell-Beiser H. Das gehört in die pflanzliche Reiseapotheke. Natürlich Medizin! (Thieme). 2024. https://natuerlich.thieme.de/spezialthemen/sommer-spezial/detail/die-pflanzliche-reiseapotheke-3558