Die Behauptung: plausibel, aber zu weit gefasst
Zink ist ein lebensnotwendiger Nährstoff, den auch das Immunsystem benötigt. Die EU erlaubt deshalb die Aussage:„Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. Das bedeutet nicht, dass zusätzliches Zink vor Erkältungen schützt oder sie behandelt [2].
Bedarf, Lebensmittel und Zinkformen erklärt der Stoffkunde-Eintrag „Zink“ (in Vorbereitung). Dieser Faktencheck prüft nur, ob Zink gegen Erkältungen hilft.
Was die Studien zeigen
Vorbeugung
Wer Zink regelmäßig nimmt, erkältet sich laut der aktuellen Cochrane-Übersicht wahrscheinlich kaum oder gar nicht seltener; die Belege sind allerdings wenig sicher. Für gesunde Erwachsene gibt es daher keinen überzeugenden Grund, Zink vorbeugend einzunehmen [1].
Auch bei Schulkindern zeigte eine Studie keine selteneren Erkältungen [3]. Und bei älteren Menschen ist das Alter allein kein Grund für eine vorbeugende Einnahme [1] [4].
Eine ältere Übersicht, die alle Atemwegsinfekte zusammen betrachtete, kam zu einem günstigeren Ergebnis; über gewöhnliche Erkältungen sagt sie aber wenig [5].
Behandlung
Bei bereits begonnenen Erkältungen fand Cochrane eine im Mittel gut zwei Tage kürzere Dauer. Ohne Zink dauerten die Erkältungen in diesen Studien etwa fünf bis neun Tage. Die Ergebnisse schwankten stark, der Mittelwert ist also keine Zusage für den Einzelfall. Milder wurden die Beschwerden insgesamt nicht überzeugend [1]. Ein Großteil der Behandlungsstudien wurde zudem ganz oder teilweise von Herstellern finanziert [5].
Den konkretesten Behandlungshinweis gibt es für Lutschtabletten, die langsam im Mund zergehen. Laut dem US-Forschungszentrum für Komplementär- und Integrativmedizin (NCCIH) können sie eine Erkältung verkürzen, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach den ersten Beschwerden beginnt [6]. Bei Kindern fand eine Übersicht über Behandlungsstudien dagegen keine messbar kürzere Erkältung [7].
Wie groß der Gewinn ist, hängt davon ab, welche Studien man zusammenrechnet. Die Cochrane-Übersicht wertet Lutschtabletten und Zink für die Nase gemeinsam aus, dazu Kinder und Erwachsene, und kommt auf gut zwei Tage [1]. Eine Neuberechnung nur mit Erwachsenen und Lutschtabletten ergibt dagegen gut ein Drittel kürzere Erkältungen [8].
Welcher Rechenweg näher an der Wirklichkeit liegt, ist unter Fachleuten umstritten. Die Neuberechnung stammt von Harri Hemilä, der viele der günstigen Auswertungen zu Zink selbst verfasst hat [8] [9]. Für geschluckte Tabletten, Kapseln oder Sirup gibt es keine eigene belastbare Zahl [1].
Einordnung: Lohnt sich Zink überhaupt?
Einem möglichen Zeitgewinn steht gegenüber, dass unangenehmer Geschmack, Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden mit Zink häufiger auftreten. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie sehr die Erkältung den Alltag einschränkt [1].
Leitlinien zu Husten aus Deutschland und Großbritannien erwähnen Zink nicht; eine Empfehlung dafür oder dagegen gibt es also nicht, und die deutsche Leitlinie wird gerade überarbeitet [10] [11] [12].
Zink als Nahrungsergänzungsmittel muss seine Wirkung vor dem Verkauf nicht nachweisen und darf nicht mit dem Lindern oder Verhüten von Krankheiten beworben werden [13]. Die erlaubte Aussage zum Immunsystem ist deshalb kein Erkältungsversprechen [2].
Die Mengen in den Lutschtablettenstudien waren hoch: Meist nahmen Erwachsene 80 bis 90 Milligramm Zink am Tag, für kurze Zeit [9]. Das liegt weit über dem, was die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit auf Dauer für unbedenklich hält, nämlich 25 Milligramm am Tag aus allen Quellen zusammen. Und es ist ein Vielfaches des BfR-Vorschlags von 6,5 Milligramm für die Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels [14] [15]. Solche Mengen sind deshalb nichts für eine längere Einnahme auf eigene Faust.
Auch für eine „Immun-Kombi“ mit Vitamin C fehlt ein eigener Wirksamkeitsnachweis: Eine kleine Kombinationsstudie verglich nur mit einem Scheinpräparat, nicht mit den einzelnen Stoffen [16].
Versorgung ist nicht dasselbe wie Erkältungsschutz
Wie viel Zink jemand braucht, hängt auch von der Ernährung ab, denn Phytat aus pflanzlichen Lebensmitteln hemmt die Aufnahme [17]. Eine knappe Versorgung droht eher bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, nach Magen-Darm-Operationen zur Gewichtsabnahme, bei sehr phytatreicher Kost sowie in Schwangerschaft und Stillzeit [4]. Ein nachgewiesener Mangel gehört behandelt; dass zusätzliches Zink bei guter Versorgung Erkältungen verhindert, folgt daraus nicht. Für energiemedizinische Anwendungen von Zink gibt es zur Erkältung keine belastbaren Untersuchungen.
Evidenz-Kompass
- Belegt: Zink unterstützt die normale Immunfunktion; der zugelassene Wortlaut verspricht keinen Erkältungsschutz [2].
- Umstritten: wie stark Zink eine Erkältung verkürzt; je nach Auswahl der Studien kommen unterschiedliche Größenordnungen heraus [1] [8] [9].
- Offen: Welche klar definierte Lutschtablette bei wem genügend spürbaren Nutzen bringt, um die Nachteile aufzuwiegen, ist nicht sicher geklärt. Ebenso fehlt eine belastbare getrennte Präventionsaussage für Erwachsene, Kinder und ältere Menschen.
Woran geforscht wird
Cochrane fordert Studien mit besser vergleichbaren Präparaten, die Beschwerden, Nebenwirkungen, Alter und Zinkstatus genauer erfassen [1].
Sicherheitsbox
- Keine Zink-Nasensprays: Zink in der Nase kann zu schwerem, womöglich dauerhaftem Geruchsverlust führen [6].
- Längere hohe Einnahme ärztlich besprechen: Ab etwa 50 Milligramm täglich über mehrere Wochen kann Zink die Kupferaufnahme stören und einen Kupfermangel begünstigen. Kinder, Schwangere und Stillende sollten keine hohen Mengen auf eigene Faust nehmen [4] [14].
- Medikamente berücksichtigen: Zu bestimmten Antibiotika ist Abstand erforderlich. Bei Osteoporosemitteln wie Alendronsäure sollte die Einnahmefolge ärztlich oder in der Apotheke geklärt werden [4] [18].
- Warnzeichen abklären:Atemnot, hohes Fieber, deutlich schlechter Allgemeinzustand oder Trinkschwäche bei Kindern brauchen medizinische Aufmerksamkeit [19] [20].
Fazit
Zink schützt gesunde Menschen nicht zuverlässig vor Erkältungen. Früh genommene Lutschtabletten können eine Erkältung bei Erwachsenen etwas verkürzen; ein spürbarer Vorteil ist nicht sicher, und für andere Zinkformen ist er nicht belegt. Wer diese Möglichkeit erwägt, kann den erhofften Zeitgewinn gegen Nebenwirkungen, Medikamente und die eigene Versorgungslage abwägen.
Zur Einordnung helfen auch die Beiträge „Was ist der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung?“ und „Die besten Tees bei Erkältung“.
FAQ – Häufige Fragen zu Zink bei Erkältung
Welche Lutschtabletten, wie viel und wie lange?
Studien nutzten Lutschtabletten mit Zinkacetat oder Zinkgluconat, begonnen innerhalb eines Tages, für kurze Zeit und meist mit 80 bis 90 Milligramm Zink täglich [6] [9]. Das ist weit mehr als in üblichen Nahrungsergänzungsmitteln; Übelkeit und schlechter Geschmack sind häufig, über Wochen droht Kupfermangel [1] [4]. Rat gibt die Apotheke.
Sind Zinkkapseln bei Erkältung genauso wirksam wie Lutschtabletten?
Ein gleichwertiger Behandlungseffekt ist nicht belegt. Die Cochrane-Übersicht von 2024 enthält keine eigene belastbare Zahl für geschluckte Tabletten, Kapseln oder Sirup [1].
Ist Vitamin C plus Zink besser als Zink allein?
Die hier ausgewertete Kombinationsstudie beantwortet diesen Vergleich nicht, weil sie nur eine Placebogruppe hatte. Sie belegt deshalb keinen zusätzlichen Nutzen durch das Zusammennehmen [16].
Hinweis: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Quellen & Forschungsstand
- Nault D, et al. Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2024;5:CD014914.https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD014914.pub2/full
- Europäische Kommission. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel; konsolidierte deutsche Fassung. EUR-Lex. 2012.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2012/432/2025-08-20/deu
- Rerksuppaphol S, Rerksuppaphol L. A randomized controlled trial of chelated zinc for prevention of the common cold in Thai school children. Paediatrics and International Child Health. 2013;33:145–150.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23930726/
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Zinc – Health Professional Fact Sheet. NIH. 2026.https://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/
- Hunter J, et al. Zinc for prevention or treatment of acute viral respiratory tract infections in adults: a rapid systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ Open. 2021;11:e047474.https://bmjopen.bmj.com/content/11/11/e047474
- National Center for Complementary and Integrative Health. The Common Cold and Complementary Health Approaches: What the Science Says. National Institutes of Health. o. J.; Abruf 12.10.2026.https://www.nccih.nih.gov/health/providers/digest/the-common-cold-and-complementary-health-approaches-science
- Science M, Johnstone J, Roth DE, Guyatt G, Loeb M. Zinc for the treatment of the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. CMAJ. 2012;184(10):E551–E561. https://www.cmaj.ca/content/184/10/E551
- Hemilä H, Chalker E. Shortcomings in the Cochrane review on zinc for the common cold. Frontiers in Medicine. 2024;11:1470004. https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2024.1470004/full
- Hemilä H. Zinc lozenges and the common cold: a meta-analysis comparing zinc acetate and zinc gluconate, and the role of zinc dosage. JRSM Open. 2017;8(5):2054270417694291.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5418896/
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- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber RSV. RKI. 2026.https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_RSV.html
![Zink soll vor Erkältungen schützen und sie schneller abklingen lassen. Die kurze Antwort: Vor Erkältungen schützt Zink nicht zuverlässig. Früh genommene Lutschtabletten können eine Erkältung bei Erwachsenen etwas verkürzen, allerdings ohne Garantie und oft mit Nebenwirkungen wie schlechtem Geschmack oder Übelkeit [1].](https://sanawiki.de/wp-content/uploads/2026/10/sw2610-25-2610_15_Tagesartikel_Faktencheck_Zink_Erkaeltung.webp)